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Handball: Handballer mit hohem Risiko für Herztod

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Handball  

Handballer mit hohem Risiko für Herztod

30.01.2015, 12:14 Uhr | dpa

Handball: Handballer mit hohem Risiko für Herztod. Kurt Steuer ist der Mannschaftsarzt der deutschen Handball-Nationalmannschaft.

Kurt Steuer ist der Mannschaftsarzt der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Foto: Daniel Naupold. (Quelle: dpa)

Doha (dpa) - Der Mannschaftsarzt der deutschen Handballer schlägt Alarm. Professor Kurt Steuer fordert obligatorische Herzuntersuchungen in der ersten und zweiten Liga.

"Es ist ein Muss, dass in der Bundesliga alle Spieler intensiv kardiologisch untersucht werden. Jedes Engagement ist sinnvoll, wenn wir nur einen Sportler mehr am Leben halten können", sagte Steuer der Deutschen Presse-Agentur am Rande der Handball-WM in Katar.

Laut einer Studie der renommierten Aspetar Klinik in Doha sind vier von 1000 Handballern vom plötzlichen Herztod bedroht. "Das ist alarmierend. Wir dürfen nicht zur Tagesordnung übergehen", sagte Steuer. In Deutschland sterben nach Recherchen von Steuer pro Jahr zwischen 100 000 und 200 000 Menschen am plötzlichen Herztod. Bei Leistungssportlern sei das Risiko um das 2,5-fache erhöht. "Der Leistungssportler ist hochsignifikant gefährdet. Man ist gefährdet allein durch die Rahmenbedingungen des Leistungssports", erklärt der Unfallchirurg. Dies betreffe den Profi ebenso wie den Hobbyspieler.

Kurt Steuer weiß, wovon er spricht. Rückblende: Am 3. März 2009 stirbt Sebastian Faißt im Alter von 20 Jahren in Schaffhausen während eines Junioren-Länderspiels gegen die Schweiz. Todesursache ist der plötzliche Herztod. Steuer ist der Mannschaftsarzt der deutschen Junioren-Auswahl und kann deren Kapitän nicht retten. Der erfahrene Unfallchirurg, der beruflich unausweichlich mit dem Tod zu tun hat, nimmt zur Bewältigung dieser Erfahrung professionelle Hilfe in Anspruch. "Ich bin danach psychotherapeutisch betreut worden", berichtet er. Für ihn ist klar: "So ein Fall wie Sebastian Faißt darf im deutschen Handball nicht noch einmal auftreten."

Speziell bei der Vollkontaktsportart Handball kann darüber hinaus allein ein Schlag auf Herz (Contusio cordis) oder eine Entzündung des Herzmuskels durch einen verschleppten Infekt Auslöser für eine vergleichbare Katastrophe sein. "Die Wahrscheinlichkeit, dass wir gar nicht wissen, dass der Handballer aktuell mit einer Entzündung des Herzmuskels spielt ist dabei hoch", sagt Steuer.

Auch deswegen hat Kurt Steuer in Doha den Vortrag der Kardiologen Maria-Carmen Adamuz aus Spanien und Victoria Watt aus Großbritannien bei einer Konferenz über neue sportmedizinische Konzepte im Handball verfolgt. Über den Zeitraum von 2011 bis 2014 haben die beiden Medizinerinnen an der auf Orthopädie und Sportmedizin spezialisierten Aspetar Klinik in einer Studie 476 Handballer zwischen 13 und 35 Jahren auf Herzerkrankungen und eine damit verbundene Gefährdung für den plötzlichen Herztod untersucht. Dabei stellten sie fest: 30 Probanden waren familiär vorbelastet, 76 hatten eine auffällige Eigenanamnese mit zum Beispiel Schwindel oder Schmerzen in der Brust und weitere 29 Sportler hatten klinische Auffälligkeit, die übergroße Mehrzahl davon beim EKG.

Im Ergebnis ihrer Studie kommen Adamuz und Watt zu alarmierenden Zahlen. 0,4 Prozent aller Leistungshandballer sind gefährdet, einen plötzlichen Herztod zu sterben. Bei 19 Millionen vom Handball-Weltverband IHF registrierten Handballern (männlich und weiblich) haben 76 000 ein begründetes Risiko für den plötzlichen Herztod. "Diese Zahlen sind brutal zu hoch", sagt Kurt Steuer. Männer haben ein neunmal höheres Risiko als Frauen. "Jede Aussage aus diesem Haus ist ernst zu nehmen."

In dem Vortrag wurde aber auch dargelegt, dass durch Prävention das Risiko um 89 Prozent gesenkt werden kann, wie eine Langzeitstudie über 25 Jahre von Professor Domenico Corrado von der Universität Padua ergab. Die Vorsorge sollte demnach vier Punkte umfassen: Analyse von genetischen Störungen anhand gezielter Betrachtung auch naher Verwandter, die Eigenanamnese des Sportlers, klinische und medizintechnische Untersuchungen des Sportlers, aber auch die Suche nach Medikamenten und Drogenkonsum.

Daher fordert der deutsche Mannschaftsarzt, dass im Idealfall alle Sportvereine, zumindest aber die der ersten und zweiten Bundesliga verpflichtend ihre Spieler eingehend kardiologisch untersuchen lassen. Er werde die Ergebnisse der Aspetar-Studie allen Clubs sowie den Verbandsärzten zukommen lassen. Für die deutschen Nationalspieler legt er seine Hand ins Feuer: "Alle Nationalspieler sind zu 100 Prozent kardiologisch in Ordnung."

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