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100 Tage EM-Titel - was blieb vom deutschen Handball-Hype?

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Interview mit Christian Schwarzer  

100 Tage EM-Titel - was blieb vom Handball-Hype?

10.05.2016, 15:10 Uhr | t-online.de

100 Tage EM-Titel - was blieb vom deutschen Handball-Hype?. Der goldene Schlusspunkt der Handball-EM im Januar: Tobias Reichmann reckt die Trophäe in die Höhe. (Quelle: imago/Camera 4)

Der goldene Schlusspunkt der Handball-EM im Januar: Tobias Reichmann reckt die Trophäe in die Höhe. (Quelle: Camera 4/imago)

Heute vor 100 Tagen wurde die junge DHB-Auswahl sensationell Europameister, Deutschland war kurzzeitig im Handball-Fieber. Die Hoffnung vieler war, dass der Hype anhält und für einen Aufschwung sorgt. Wie fällt nun die Bilanz aus?

Christian Schwarzer wurde 2007 mit der Handball-Nationalmannschaft Weltmeister im eigenen Land. Auch er erlebte einen Hype, der aber rasch abflaute. Heute ist er Jugendcoach und war bis vor kurzem Bundestrainer des Deutschen Handball-Bunds (DHB) im Nachwuchsbereich.

Im Interview mit t-online.de spricht der frühere Kreisläufer über die Effekte des EM-Titels, nötige weitere Schritte und die Chancen des Nationalteams auf weitere Erfolge.

Herr Schwarzer, Deutschland ist seit 100 Tagen Handball-Europameister. Für Sie als Experte immer noch unglaublich?

Christian Schwarzer: Mittlerweile hat man das alles schon realisiert, aber: Ich hab im Sport schon fast alles erlebt, und das war eine wirklich außergewöhnliche Leistung. Sehr wichtig für unsere Sportart. Man merkt auch jetzt noch, dass Handball in aller Munde ist.

In einem Gespräch mit t-online.de während des Turniers nannten Sie den Erfolg "genau das, was unsere Sportart gebraucht hat, auch um Nachwuchs zu akquirieren". Haben Sie denn nach dem Titelgewinn eine wachsende Begeisterung für Handball gespürt?

Meinem Empfinden nach fällt das Fazit sehr, sehr positiv aus. Nur ein Beispiel hierzu: Für ein Handball-Camp in Hamburg mit 30 Teilnehmer-Plätzen, das ich vor kurzem ausgerichtet habe, waren innerhalb der ersten Stunde 100 Anmeldungen eingegangen. Das zeigt, dass man schon von einem Boom sprechen kann. Aber mit Herausforderungen.

Inwiefern?

Vereine haben zwar Zulauf, aber zum Teil nicht ausreichend Trainingszeiten oder Trainer. Das habe ich bei einigen Klubs im Saarland gemerkt. Diese versuchen nun, Lösungen zu finden, um die Kinder unterzubringen. Jetzt muss man daran arbeiten, um einen nachhaltigen Effekt zu erzielen. Wir brauchen Strukturen, um auch über die Schule Nachwuchs zu akquirieren und diesen in die Vereine zu bringen. Viele AGs in Schulen erhalten guten Zulauf. Man merkt, dass sich was getan hat.

Eine andere Hoffnung war, dass nun mehr Zuschauer zu den Spielen kommen. Wie sieht es hierbei aus?

Vor der Europameisterschaft spielte die Nationalmannschaft zunehmend in kleinere Hallen, weil man nicht genug Zuschauer hatte. Die letzten Länderspiele waren schnell ausverkauft. Man hat sogar die Kölner Arena voll bekommen.

Auch das Medieninteresse war groß, die Spieler tingelten geradezu durch TV-Sendungen. Lässt sich dieses Interesse für die Vermarktung, sowohl persönlich als auch den Sport betreffend, nutzen?

Auf der einen Seite ist es wichtig und gut für die Jungs - auf der anderen Seite ist aber immer noch das wichtigste, gut Handball zu spielen. Sicherlich haben sie etwas Großes erreicht, aber das ist nun Vergangenheit. Deshalb sollten sie zwar gewisse Dinge im Sinne unseres Sports mitnehmen. Doch in erster Linie wird das Interesse durch sportliche Leistung hochgehalten. Es braucht den vernünftigen Mittelweg zwischen öffentlichen und den wichtigsten Terminen: am Wochenende in der Liga, im Pokal oder in der Champions League.

Kann das Team von Dagur Sigurdsson weiter erfolgreich sein? Was ist bei den Olympischen Spielen im August möglich?

Wie schon bei der EM in Polen: alles! Die junge Mannschaft ist nun nicht mehr Jäger, sondern der Gejagte. Damit gilt es umzugehen. Dagur Sigurdsson hatte zuletzt nach der Testspiel-Niederlage gegen Katar betont, dass man sich nicht auf dem Erreichten ausruhen darf, sondern weiter Gas geben muss.

In der Vorrundengruppe des Turniers in Rio de Janeiro trifft die DHB-Auswahl auf Polen, Slowenien, Schweden, Brasilien und Ägypten. Machbar?

Das möchte ich nicht so bewerten. Bei den Olympischen Spielen gibt es keine leichten Gegner. Da muss man in jedem Spiel zeigen, dass man die beste Mannschaft sein möchte.

Hierzulande gibt es bereits Rufe nach einer Gold-Medaille...

Die Erwartungserhaltung ist nach dem EM-Titel groß. So ist das in Deutschland, damit muss man klarkommen.

Im Januar sprachen Sie von einer möglichen Geburtsstunde einer großen deutschen Mannschaft. Würden Sie das auch heute noch unterschreiben?

Ja! Vor allem weiß ich ja, dass nochmal zehn bis zwanzig junge Spieler mit der Qualität für die Nationalmannschaft nachkommen. Es wird eine Mammutaufgabe für Dagur Sigurdsson, die richtigen Jungs für die Olympischen Spiele auszusuchen - die auch über die nächsten Jahre um Titel mitspielen sollen.

Das Interview führte Maximilian Miguletz


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