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Formel 1 - Ferrari: Wut über das Urteil in der Spionageaffäre

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Spionageaffäre  

Wut über das Urteil in der Spionageaffäre

27.07.2007, 15:00 Uhr | sid

Jean Todt (Foto: imago)Jean Todt (Foto: imago) Der Freispruch für McLaren-Mercedes in der Spionageaffäre hat in Italien einen Proteststurm ausgelöst. "Skandal: Die ganze Formel 1 kapituliert vor einer Spionagegeschichte ohne Gleichen", titelte "Tuttosport". Die Sportzeitung erscheint in Turin und gilt als Hausblatt des FIAT-Konzerns, zu dem auch Ferrari gehört. Aber auch das Konkurrenz-Blatt "Gazzetta dello Sport" aus Mailand geht mit der Entscheidung des Automobil-Weltverbandes FIA hart ins Gericht: "Wir erleben eine ethische Notstandslage, die erschüttert. Man denke nur an die Doping-Welle im Radsport."

Spionageaffäre Keine Strafe gegen McLaren-Mercedes

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"Sehr schwerwiegender Präzedenzfall geschaffen"
Die heftigen Reaktionen hatte die Scuderia selbst mit ausgelöst. "Ferrari hält fest, dass McLaren-Mercedes für schuldig erklärt wurde, und findet es daher unverständlich, dass die Verletzung fundamentaler Prinzipien der sportlichen Ehrlichkeit nicht - als logische und unvermeidliche Konsequenz - Sanktionen nach sich zieht", teilte der Rennstall in einer Presseerklärung mit. Generaldirektor Jean Todt, der als Vertreter der Teams selbst Mitglied des Council ist, an der Sitzung teilnahm, aber nicht mit abstimmte, hatte in Paris noch auf einen Kommentar verzichtet. Später monierte das Team die Legalisierung unehrlichen Verhaltens und die Schaffung eines "sehr schwerwiegenden Präzedenzfalles".

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Stepney verriet Geheimnisse
Dass McLaren-Mercedes in Besitz von Ferrari-Daten gewesen sei, wäre nur zufällig bekannt geworden, meinten die Roten. Sonst hätte der Konkurrent davon auch noch länger profitieren können. Die Italiener empfinden das als schwerwiegend in einem Sport, in dem das "kleinste Detail den Unterschied machen könne". Allerdings hatte sich der von Ferrari zurückgesetzt fühlende frühere Chef-Mechaniker Nigel Stepney die Affäre erst ins Rollen gebracht, als er die Daten seinem Freund Mike Coughlan, dem damaligen Chef-Designer von McLaren, zuspielte.

Haug weist Vorwürfe zurück
"Wenn ein Team für einen Mitarbeiter verantwortlich ist, der unrechtmäßig etwas annimmt, ist doch auch das Team für einen Mitarbeiter verantwortlich, der unrechtmäßig etwas abgibt", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug und verwahrte sich gegen den Vorwurf, "dass wir uns unehrenhaft verhalten hätten". Die Silberpfeile hatten in der FIA-Anhörung klargestellt, dass dieses Material nur in Besitz von Coughlan gewesen sei und das Team die Informationen nicht verwendet habe oder in Zukunft verwenden will. Deshalb habe die Drohung der FIA, im Falle späterer Vergehen das Team für 2007 und 2008 aus der WM auszuschließen, auch keine Relevanz, erklärte Haug: "Wir kennen den Inhalt nicht und wollen diesen auch nie kennenlernen."

Konzentration auf den Sport
McLaren-Chef Ron Dennis ist froh, sich nach 24 anstrengenden Tagen wieder auf den Sport konzentrieren zu können. "Wir haben Formel-1-Weltmeisterschaften zu gewinnen", meinte Dennis. "Wir werden jetzt weiterarbeiten und darauf unseren Fokus setzen." Erleichtert, dass es nicht zu einem Punktabzug gekommen ist, zeigten sich die beiden Piloten Lewis Hamilton (Großbritannien) und Fernando Alonso (Spanien), die in der WM-Wertung nach 10 von 17 Läufen die ersten beiden Plätze belegen. "Ich kann den Rest der Saison kaum erwarten", sagte Shootingstar Hamilton. Weltmeister Alonso erwartet "eine spannende zweite Saisonhälfte".

Weitere Verfahren laufen noch
Für den früheren Formel-1-Piloten Christian Danner ist die Entscheidung der FIA ein "richtiges Urteil in einem ganz heißen Fall". Danner ist froh, dass es im Gegensatz zu seiner aktiven Zeit "ein World Council gibt, dass solchen Dingen vorbehaltlos nachgeht". Allerdings ist für ihn die Angelegenheit noch nicht abgeschlossen. "Der Käse ist noch nicht gegessen. Es gibt ja noch zwei Zivilverfahren, die eine Rolle spielen können." In England klagt Ferrari gegen Coughlan, die italienische Justiz ermittelt gegen Stepney. Beide müssen sich zudem auch noch vor der FIA verantworten.

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