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Die Schande von Gijon

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Fundgrube  

Die Schande von Gijon

19.11.2007, 13:36 Uhr

Als die dicksten Freunde gelten Deutsche und Österreicher nicht. Länderspiele zwischen den beiden Nachbarn sind prestigeträchtige Fragen der Ehre – mal abgesehen vom 25. Juni 1982. Was sich damals in Gijon vor den Augen von 42.000 Zuschauern im Estadio El Molinón und Abermillionen vor den Fernsehgeräten in aller Welt abspielte, gilt als einmalig in der WM-Geschichte. Jener berühmte Nichtangriffspakt, der in einem 1:0-Erfolg des Europameisters endete, beförderte beide Mannschaften in die zweite Finalrunde. Zurück blieben aufgebrachte Fans – vor allem aus Algerien – und eine nie mehr zu tilgende Schmach.


Die Algerien-Niederlage noch getoppt

Nur neun Tage nach dem sensationellen Fehlstart gegen Algerien (1:2) beschädigte die deutsche Auswahl ihr weltweites Ansehen ein zweites Mal. Dass es gegen Österreich allerdings mit purem Kalkül und unter tätiger Mithilfe des an einem ehrlichen Wettkampf ebenso desinteressierten Gegner geschah, erzeugt unter deutschen Fußballanhängern auch 25 Jahre später noch ein Gemisch aus Zorn und Scham.

Klare Ausgangslage

Algeriens 3:2-Erfolg über Chile vom Tag zuvor hatte die Weichen für den beispiellosen Antikick gestellt. Mit 4:2 Punkten und 5:5 Toren ausgestattet, harrte der schlussendlich leidtragende WM-Neuling hilflos des vermeintlichen Gipfeltreffens der Vorrunden-Gruppe 2. Die DFB-Elf musste gewinnen, um im Wettbewerb zu verbleiben, Österreich durfte höchstens mit zwei Toren Unterschied verlieren, um den Deutschen in die nächste Runde zu folgen.

Österreicher 1978 bis in die Haarspitzen motiviert

In der waren sich beide vier Jahre zuvor im Rahmen der WM in Argentinien begegnet, als das Ausscheiden der Österreicher bereits feststand. Seinerzeit rief das Ehrgefühl der Rot-Weiß-Roten jedoch eine historische Leistung ab, die den überheblichen Widersacher von der anderen Seite der Alpen gleich mitnahm auf den Heimflug gen Europa.

Dreimaliges Wiedersehen zwischen den Weltmeisterschaften

Seitdem waren allerdings genau 1.463 Tage und eine gemeinsame WM-Qualifikation vergangen, in deren Verlauf die deutsche Mannschaft die Verhältnisse gleich zwei Mal zurecht gerückt hatte. Die eigentliche Revanche für Cordoba hatte Jupp Derwalls Auswahl aber bereits am 2. April 1980 durch ein 1:0 im EM-Testspiel in München genommen. Insofern wäre es nun in Gijon nach drei Niederlagen in Folge längst wieder an den Österreichern gewesen, sich zu wehren…

So schlecht und müde…

Aber weder wollte noch konnte der Mit-Gastgeber der EM 2008: "Hätten die Deutschen nur geahnt, wie schlecht und müde wir wirklich waren, hätte es mit einem Debakel für uns geendet", gab Hans Krankl, 1978 in Córdoba mit zwei Toren zum 3:2 noch Österreichs Allzeit-Held, Jahre später zu. So wurde es ein Debakel für beide Seiten.

Kein Kommentar

Nach Horst Hrubeschs Oberschenkeleinsatz zum 1:0 in der elften Minute hatte das Geschehen noch ungefähr neun Minuten lang mit einem Fußballspiel zu tun, an das es in der Folgezeit nicht mehr auch nur annähernd erinnerte. Irgendwann war auch TV-Kommentator Eberhard Stanjek das unwürdige Schauspiel leid, und der ARD-Mann stellte – analog zur Arbeitsverweigerung auf dem Rasen – seinen Redefluss ein.

Unmut pur

Auf den von einem anhaltenden Pfeifkonzert überzogenen Rängen wedelten algerische Fans zum Zeichen der Schiebung mit Geldscheinen, spanische Beobachter packten ihre weißen Taschentücher aus. Das passiert bei den Iberern ansonsten, wenn der Stier sich in der Arena ihrem geliebten Stierkampf verweigert. Die spanische Zeitung "El Comercio" platzierte anschließend ihren Bericht über den "mutmaßlichen Betrugsfall" auf der Seite mit den Polizeimeldungen…

Europäische Arroganz

Das durch uneinsichtige und verhöhnende Reaktionen der beteiligten Spieler und Trainer bereits gut gefüllte Fass brachte Österreichs Delegationsleiter Dr. Hans Tschak zum Überlaufen. Er kommentierte den seitens der FIFA abgelehnten Antrag des algerischen Verbandspräsidenten Ben Ali Seikkel auf Ausschluss Deutschlands und Österreichs wie folgt: "Natürlich ist heute taktisch gespielt worden. Aber wenn jetzt deswegen hier 10.000 Wüstensöhne im Stadion einen Skandal entfachen wollen, zeigt das doch nur, dass die zu wenig Schulen haben. Da kommt so ein Scheich aus einer Oase, darf nach 300 Jahren mal WM-Luft schnuppern und glaubt, jetzt die Klappe aufreißen zu können." Die abschließenden Vorrundenspiele bei WM-Turnieren finden seit 1986 übrigens immer parallel statt.

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