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Wie Franz Beckenbauer zum "wilden Kaiser" wurde

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Wie Franz Beckenbauer zum "wilden Kaiser" wurde

22.10.2007, 14:40 Uhr

Cordoba lag am 29. Oktober 1986 schon wieder über acht Jahre und sechs Begegnungen zurück, von denen Österreich gegen den übermächtigen Nachbarn Deutschland keine gewonnen, aber fünf verloren hatte. Zur Eröffnung des renovierten Praterstadions kam DFB-Teamchef Franz Beckenbauer mit dem frischgebackenen Vize-Weltmeister in die österreichische Hauptstadt – und kassierte die bislang letzte Niederlage gegen die Alpenrepublik.

Beckenbauer stinksauer auf den Spielleiter
Das blamable 1:4 erzürnte den Weltmeister-Kapitän von 1974, der aber vor allem zum „wilden Kaiser“ wurde, weil er im Schiedsrichter den Hauptschuldigen ausmachte. Der Italiener Luigi Agnolin hatte nach einem Handspiel des Schalkers Olaf Thon (57.) und einem ungeschickten Tackling des Uerdingers Wolfgang Funkel gegen Toni Polster (63.) jeweils auf Strafstoß für die Platzherren entschieden.

Polster trifft doppelt
Erwähnter Austrianer Polster ließ sich beide Gelegenheiten nicht entgehen. Österreich führte mit 2:1, nachdem dem für Michael Frontzeck eingewechselten Rudi Völler in der 59. Minute der zwischenzeitliche Ausgleich gelungen war. Da Lothar Matthäus gegenüber dem Referee mit seinem Unmut ebenso wenig sparte wie sein „Chef“ Beckenbauer, hatte der ab der 64. Minute zu allem Überfluss nur noch zehn Nationalspieler auf dem Feld stehen.

Kienasts persönliche Rache an Merkel
Die Gastgeber – seit einem 3:0 über Albanien zwei Wochen zuvor in der EM-Qualifikation wieder voller Selbstvertrauen – brauchten nur vier Minuten der numerischen Überlegenheit, ehe es durch Reinhard Kienast 3:1 hieß. Rapids Angreifer war von Landsmann und „Bild“-Lästermaul Max Merkel im Vorfeld der Prestige-Begegnung ob seiner Schnelligkeit noch als „Weinbergschnecke“ verspottet worden. Umso mehr bereitete es dem damals 27-Jährigen Vergnügen, der DFB-Auswahl in der 76. Minute mit dem 4:1 endgültig den Garaus zu machen.


Eine unerwiderte Liebe
Wie für Kienast war es auch für dessen violetten Kollegen Polster ein unvergessener Abend: Beide erzielten gegen den Schumacher-Vertreter Eike Immel ihren ersten Länderspiel-Doppelpack. Für Polster, drittbester Schütze in Europa in der Saison 1985/86, war es ein frühes Empfehlungsschreiben Richtung deutscher Bundesliga. „Ich würde gern zum FC Bayern wechseln“, gab der damals 22-Jährige unumwunden zu, sich „im Moment“ keinen anderen deutschen Abnehmer vorstellen zu können.

Umweg über Italien und Spanien nach Deutschland
Dessen Chefcoach Udo Lattek jedoch brauchte den späteren Kölner und Gladbacher Publikumsliebling seinerzeit nicht. „Sicher, das ist ein Schlitzohr“, stand in der Dezember-Ausgabe des „Fußball-Magazins“ zu lesen. „Aber ich glaube nicht, dass er ein Mann für uns ist.“ So holte sich Polster erst in Italien und Spanien die internationale Reife, um sich 1993 den Traum von der deutschen Bundesliga zu erfüllen – allerdings am Rhein statt der Isar.

„Toni Doppelpack“
Gleich in seiner ersten Saison beim 1. FC Köln bestätigte Polster seinen Hang zu Doppelpacks, deren sechs er produzierte. Bis zum Abstieg 1998 hielt das Original dem FC die Treue, wechselte dann zum Erzrivalen nach Gladbach. Nach nur einem Jahr der nächste Abstieg. Polster kickte noch sieben Mal in Liga zwei mit, traf vier Mal, entschwand dann zurück nach Österreich, nach Salzburg. 90 Tore in 181 Erstliga-Matches alleine in Deutschland sprechen für seine Qualitäten.

Neuaufbau Beckenbauers EM-Teams kurz unterbrochen
Am 29. Oktober 1986 stand der zweimalige WM-Teilnehmer noch am Anfang, gerade 14 Länderspiele schwer. Ihm und Kienast war es einerlei, ob sie von Agnolins einseitiger Spielleitung - die in Deutschland interessanterweise nicht ’mal eindeutig so beurteilt wurde - profitiert hatten. Wichtig war der Sieg über Deutschland, das nach der WM den Neuaufbau Richtung EM im eigenen Land mit einem Sieg in Dänemark und einem Remis gegen Spanien durchaus hoffnungsvoll begonnen hatte.

Über ein Jahr lang ungeschlagen
Bis zum 16. Dezember 1987 (0:1 in Argentinien) verloren Beckenbauers Mannen keines ihrer acht Länderspiele mehr und zogen im Sommer 1988 um ein Haar zum vierten Mal in ein EM-Finale ein. Die Euphorie der Österreicher hatte sie nicht bis ins Endrundenfeld getragen. Luigi Agnolin blieb dem grantelnden Franz Beckenbauer künftig erspart. Der Italiener wurde mit keiner Partie der Nationalmannschaft mehr beauftragt.

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