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Rudi Völler in Rage: "Bierhoff sollte sich untersuchen lassen"

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Bierhoff kontert Völlers Kritik

19.11.2007, 09:38 Uhr | dpa

Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff (Foto: imago)Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff (Foto: imago) Verwundert und erbost hat Oliver Bierhoff auf die Vorwürfe des ehemaligen DFB-Teamchefs Rudi Völler reagiert. "Ich habe nur über unsere Arbeit gesprochen. Ich hab in keiner Weise die Arbeit der Bundesliga-Vereine kritisiert", erklärte der Teammanager der deutschen Nationalmannschaft in Frankfurt. Die Angriffe von Völler, der Bierhoff auch persönlich attackiert hatte, sei Stammtisch-Art, so der Manager. "Ich finde es schon ein bisschen traurig, dass man persönlich wird und unter die Gürtellinie geht, wenn man keine Argumente hat oder einem die Argumente ausgehen. Das ist eine absolute Frechheit", erklärte Bierhoff.

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"Bierhoff soll sich untersuchen lassen"

Der Sportdirektor von Bayer Leverkusen hatte einen alten Konflikt zwischen den Bundesliga-Klubs und der DFB-Auswahl sowie eine persönliche Fehde mit Bierhoff mit Aussagen im "kicker" und im Kölner "Express" neu angeheizt. Die Spielphilosophie des aktuellen Nationalteams sei "zuallererst ein Produkt der hervorragenden Jugendarbeit in den Vereinen", erklärte Völler und schloss einen persönlichen Angriff an: "Das permanente sich selbst auf die Schulter klopfen muss doch schmerzhafte Schädigungen nach sich ziehen. Bierhoff sollte sich bei Dr. Müller-Wohlfahrt untersuchen lassen."

Schlechtes Abschneiden der Klubs stößt die Diskussion an

"Ich habe nur über unsere Arbeit gesprochen. Ich hab in keinster Weise die Arbeit der Bundesliga-Vereine kritisiert", wunderte sich Bierhoff über die Schärfe in Völlers Äußerungen. Bierhoff und Bundestrainer Joachim Löw hatten auf das schwache Abschneiden deutscher Klubs insbesondere in der Champions League mit dem erneuerten Vorschlag reagiert, gemeinsame Überlegungen anzustellen, die Qualität des deutschen Fußballs insgesamt zu verbessern.

Brasilianisch mit Füßen aus Malta geht nicht

Rudi Völler (Foto: imago)Rudi Völler (Foto: imago) "Ich kann das alles nicht mehr hören", sagte Völler und forderte mit dem Hinweis auf die unterschiedlichen Bedingungen für Nationalteam und Vereine von Bierhoff "mehr Demut". Jeder Trainer würde gerne offensiv spielen lassen: "Aber wenn du zum Beispiel einen Spielertypen wie Oliver Bierhoff im Team hast, kannst du eben auch nicht brasilianisch spielen." Eine Philosophie für den Spieler müsste noch erfunden werden, spottete Völler: "Brasilianische Spielweise einfordern mit Füßen aus Malta, das geht eben nicht."

"Traurig, dass man persönlich wird"

Die Kritik sei Stammtisch-Art, konterte der DFB-Manager. "Ich finde es schon ein bisschen traurig, dass man persönlich wird und unter die Gürtellinie geht, wenn man keine Argumente hat oder einem die Argumente ausgehen." Er habe nur die Fakten dargestellt. "Das hat nichts mit Schulterklopfen zu tun", schloss Bierhoff an. Das Hauptargument der Vereine, die deutschen Klubs seien im Europapokal durch niedrigere TV-Gelder im Vergleich zur europäischen Konkurrenz im Nachteil, akzeptiert Löw nur zum Teil. "Das Geld ist da, wo gut konzeptionell gearbeitet wird." Bierhoff verwies zudem darauf, dass die Bundesliga bei Marketing-Einnahmen führend sei.

Fast wie die Wutrede von Island

Die Attacke von Völler erinnerte an jene Wutrede nach dem 0:0 in Island im September 2003 ("Ich kann diesen Scheißdreck nicht mehr hören"), mit denen er damals unter anderem die "Gurus" Netzer, Beckenbauer und Breitner angegriffen hatte. Jetzt bekam Bierhoff die ganze Breitseite ab, dabei dürfte Völler als Teamchef von 2000 bis 2004 der Dauerkonflikt zwischen Auswahl und Klubs auch von der anderen Seite noch bestens bekannt sein. "Ich weiß nicht, warum sich die Vereine immer wieder kritisiert fühlen", sagte Bierhoff und verwies auf die Bestrebungen des DFB, das Verhältnis zu entspannen.

DFB-Team unterrichtet die Klubs

So habe man die Vereine besucht, beim EM-Qualifikations-Abschluss am Mittwoch in Frankfurt gegen Wales werde man beispielsweise auch das Freitag-Bundesligaspiel von Hertha BSC beachten. "Nach jeder Länderspielreise kriegt jeder Verein einen schriftlichen Bericht von uns, was trainiert wurde, wie Spieler medizinisch behandelt wurden", berichtete Bierhoff. "Ob ich jetzt Füße wie ein Malta-Fußballspieler habe, spielt doch gar keine Rolle, ob der deutsche Fußball heute erfolgreich spielt oder nicht", ergänzte der ehemalige DFB-Kapitän.

Zwischen Bierhoff und Völler stimmt die Chemie nicht

Völler habe keine Philosophie für Bierhoff gefunden, "das weiß man", betonte der 70-malige Nationalspieler, den Völler Anfang 2002 als Kapitän abgesetzt und bei der WM in Asien nur 81 Minuten eingesetzt hatte. In Italien aber habe man eine Philosophie gefunden, "dort bin ich Torschützenkönig und Meister geworden". Und auch bei dem Übergang von Völler zu Jürgen Klinsmann als Verantwortliche für die DFB-Elf seien ja "die Bedingungen gleich gewesen".

"Da wird mal was rausposaunt"



Die Attacke Völlers werde die Sportliche Leitung der Nationalelf nicht daran hindern, ihre Arbeit fortzusetzen und weiter auf die Vereine zuzugehen, betonte Bierhoff und konterte Völlers Äußerungen: "Bei Rudi ist das ja nicht der erste Fall, bei dem er emotionaler ist. Das ist nicht mein Niveau - und ich kümmere mich gar nicht darum." Die Tür zu Völler wollte er dennoch nicht ganz zuschlagen: "Es ist halt bei uns so, da wird mal was rausposaunt."


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