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Spionage-Affäre  

Spionage-Affäre beendet

14.12.2007, 14:35 Uhr | sid

Nach der dramatischen Wende im Spionagefall der Formel-1-Saison 2007 scheint die Sache zum Ende zu kommen. Bisher stand McLaren-Mercedes ja noch unter Bewährung für die Saison 2008, doch nach dem derzeitigen Stand der Dinge sieht es so aus, als würde die FIA auf die geplanten weiteren Untersuchungen verzichten. Dem vorausgegangen war gestern Abend die Veröffentlichung eines Schreibens von McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh an FIA-Präsident Max Mosley, in dem die Silberpfeile erstmals zugaben, dass die Verstrickung in die Ferrari-Spionage doch signifikanter war als zunächst angenommen. So wussten erwiesenermaßen mehrere hochrangige McLaren-Ingenieure von den Ferrari-Informationen, nicht nur Mike Coughlan, Pedro de la Rosa und Fernando Alonso.



 "Tiefes Bedauern" bei den Silberpfeilen

Whitmarsh entschuldigte sich dafür schriftlich bei Mosley: "Wir bedauern zutiefst, dass unser Verständnis der Faktenlage nach unserer eigenen Untersuchung durch die anschließende FIA-Inspektion verbessert wurde. Wir entschuldigen uns ohne Vorbehalt, falls unsere Ignoranz einige dieser Fakten das World Council in die Irre geführt hat, und wir können Ihnen nur versichern, dass dies nie unsere Absicht war."

Die seit Saisonende durchgeführte FIA-Untersuchung brachte einige neue Tatsachen ans Licht, die jedoch von außen kaum analysiert werden können, weil der veröffentlichte Untersuchungsbericht in vielen Passagen aus Gründen der Vertraulichkeit gekürzt werden musste. Allerdings ist bekannt, dass die FIA 20 Ingenieure interviewt und 22 Computer untersucht hat. Darüber hinaus wurde eine Datenmenge von 1,4 Terabyte ausgewertet, was 75 Millionen ausgedruckten A4-Seiten entspricht.

Die Erkenntnisse des Untersuchungsberichts habe man in Woking laut Whitmarsh "sorgfältig und selbstkritisch" diskutiert, vor allem auch in Anbetracht der deutlichen Aussagen von Mosley, der das Team nicht nur aus der Konstrukteurs-, sondern auch aus der Fahrer-WM ausgeschlossen hätte, wenn es nach ihm gegangen wäre. Und Whitmarsh gab zu, dass die Spionageaffäre verhindert worden wäre, wenn man gleich die ersten Vorfälle im März der FIA gemeldet hätte.

 Kein World Council am 14. Februar?

"Wir entschuldigen uns noch einmal mit ganzem Herzen, dass die Intervention der FIA und ein zeitraubender Prozess notwendig waren, um alle Fakten dieser Angelegenheit ans Licht zu bringen", schrieb Whitmarsh. Gleichzeitig versicherte er, dass man alle Auswirkungen des Spionagefalls sehr ernst nehmen werde, weshalb die für 14. Februar 2008 angesetzte Anhörung vor dem World Council im Grunde genommen überflüssig sei.

Mosley bestätigte in einer Presseaussendung der FIA, dass er das World Council auf Whitmarshs Schreiben hin darum gebeten hat, die Untersuchung sofort einzustellen, was insofern nachvollziehbar ist, als McLaren-Mercedes ohnehin schon genug bestraft wurde - neben dem WM-Ausschluss wurde ja auch eine Geldbuße von 100 Millionen US-Dollar verhängt. Ob das World Council die Anhörung tatsächlich absagen wird, steht aber noch nicht fest.

 Ferrari sieht sich endlich bestätigt

Mit Wohlgefallen wurde diese jüngste Entwicklung bei Ferrari in Maranello registriert, wo man nun endlich das Gefühl hat, dass die Gerechtigkeit gesiegt hat. Ferrari erklärte in einer Pressemitteilung, dass man Mosleys Bitte, das World Council abzusagen, "respektiert", um die Angelegenheit "im Interesse des Sports" zu beenden. Gleichzeitig wurde aber klargestellt, dass die Rechtsverfahren in Italien und Großbritannien nicht eingestellt werden.

Und weiter: "Die schriftlichen und mündlichen Stellungnahmen von McLaren-Mitarbeitern vor dem World Council am 26. Juli und 13. September sowie in den Medien haben sich nun als unwahr erwiesen. Daher wird zugegeben, dass vertrauliche Informationen, die geistiges Eigentum von Ferrari waren, innerhalb der Struktur des englischen Teams verbreitet wurden. Dies bestätigt die Ernsthaftigkeit des Verhaltens der Involvierten in den vergangenen Monaten."

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