Startseite
Sie sind hier: Home > Sport > Mehr Sport >

Geradelt wie ein Akku leer

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Weihnachtswunschzettel  

Geradelt wie ein Akku leer

24.12.2007, 11:00 Uhr | t-online.de

Ein Weihnachtswunsch von Jörg Hausmann

Gerolsteiner-Sportdirektor Christian Henn verkabelt Fahrer Tim Klinger (Foto: imago)Gerolsteiner-Sportdirektor Christian Henn verkabelt Fahrer Tim Klinger (Foto: imago)Kinder wünschen sich zu Weihnachten gerne etwas Greifbares, so wie Spielzeug. So gut wie nie stehen auf den Wunschzetteln so abstrakte Dinge wie Weltfrieden, Gesundheit - oder ehrlicher Sport. Ehrlicher Sport, also der von alters her geführte Wettkampf zweier ganzer Kerle, denen nichts mehr zur Verfügung steht als ihre körperliche und geistigen Mittel. Dieses ehrliche Miteinandermessen gibt es schon lange nicht mehr, hat es vielleicht auch nie gegeben - es sei denn auf einem Wunschzettel, auf dem auch von Weltfrieden und von gerechter Verteilung des Wohlstandes die Rede ist. Heutzutage wird sich allerorten gedopt, bis der Arzt kommt. Nein, falsch. Seit geraumer Zeit wissen wir: Gedopt wird, wenn der Arzt kommt. Und nicht nur von innen wird kräftig nachgeholfen. Oder was sollen diese Stöpsel in den Ohren der Radprofis?

Sportgedanken Weg mit den bunten Schuhen!

Behle 1980 - und heute

Früher gab es keine Navigationssysteme. Früher waren Sportler noch sich selbst und der Präzision ihres Orientierungssinns überlassen. Obwohl er zwischenzeitlich arg vermisst wurde, fand auch Jochen Behle 1980 aus den Wäldern Lake Placids noch hinaus - ohne Knopf im Ohr. Heute funkt er als Bundestrainer pausenlos irgendwelche Daten durch die oft kunstverschneite Gegend, dass der Beobachter glauben mag, ohne Technik fände kein Langläufer mehr die Toilette.

Die Karawane rollt und rollt und rollt

Oder kein Radfahrer mehr den Mont Ventoux. Jene von keinerlei schlechtem Gewissen, wohl aber viel zu hohen Bergen geplagten Helden der Landstraße führen alle so ein schwarzes Kabel am Ohr mit sich. Früher hatten sie einen Reserveschlauch um den Hals, um ihr gestrandetes Vehikel - von denen ihnen niemand ein halbes Dutzend auf einem Autodach nachfuhr - notfalls am Rande einer kleinen Käserei in der Bretagne wieder flott zu machen. Und das einzige (legale) Doping bestand in einem Schluck aus der Landweinpulle des Käsers. Und heute? Die Werbe- und Teamfahrzeug-Karawane rollt über französische Landstraßen und Gebirgspässe und hat Ausmaße angenommen, dass man sich schon konzentrieren muss, wenn man dazwischen alle radelnden Medikamentendepots wahrnehmen will. Aber: Das Doping ist nicht das Problem, weil es wohl nie unterbunden werden kann. Das Problem ist, Betrügern auch noch für teuer Geld Equipment hinterherzukarren.

Jetzt sind Sie gefragt! Wählen Sie ihre Sport-Helden des Jahres 2007
Foto-Show Die Sportler-Gala in Baden-Baden

Starhilfe? Für wen?

Überflüssige Hilfestellung kennt der Fan auch aus der Formel 1. Damit sind vordergründig nicht diese wettkampf- und nervtötenden Brems-Kommandos aus irgendwelchen Team-Boxen gemeint: "Let XY pass for his Ego!", oder gleich "...for the Championships!". Nein. Starthilfe ist das Thema. Wozu benötigt jemand, der am Pedal offensichtlich genug Talent bewiesen hat, um in der besten und schnellsten Rennserie der Welt mitzufahren, Starthilfe? Fahranfänger sitzen in einem Auto mit sechs Pedalen, damit notfalls einer eingreifen kann. Fahranfänger. Aber kleine Schumis? Und warum sind sich die Herren mittlerweile zu schade, eine Kupplung durchzutreten? Und dann dieser Versorgungsschlauch, als lägen sie auf der Intensivstation... Die Helden der 50er Jahre saßen im Lederkäppi - gerne sogar ohne Brille - hinter einem Ungetüm von Motor, über das sie kaum hinweg schauen konnten. Gekleidet in einem eleganten Poloshirt, fürchteten sie weder Tod noch Teufel und griffen in ein hölzernes Lenkrad, das nicht etwa aussah wie eine Playstation, sondern wie ein Lenkrad.

Mittelpunkt Fahrer

Um Reifen wurde auch nicht gepokert, sondern diese notfalls mit Hilfe eines Küchenmessers eingeritzt, wenn es zu tröpfeln begann. Es ging nicht um den Aufstellwinkel des Heckflügels, und auch nicht um einen Diffusor, den die FIA-Kommissare zuvor noch nie gesehen hatten. Es ging um die Fähigkeit, das Auto mit dem nötigen fahrerischen Feingefühl so geschickt um den Kurs zu peitschen, dass möglichst nur alle anderen auf der Strecke blieben. Auf einer Strecke, die bis zur ersten Trainingsfahrt Neulinge nicht kannten. Heute braucht der Nachwuchs dazu nur die Playstation...

Chips sind zum Essen da

Und wer glaubt, die Technik mache vor dem Fußball Halt, der irrt. Der Zerschlagung des Europapokals der Landesmeister und jenes der Pokalsieger soll seit Jahren - geht es nach den senilen Theoretikern in den Verbandspalästen - der piepsende Ball folgen. Im Tennis als "Magisches Auge" längst Standard und auf Hardcourts durchaus plausibel, soll der in Ball und Pfosten implantierte Chip Fehlentscheidungen der Schiedsrichter vermeiden helfen. Da aber der Mensch an sich Fehler- und Gefahrenquelle war, ist und immer sein wird, macht der Chip so viel Sinn wie eine VIP-Loge auf St. Pauli. Selbst ein vom Chip untermauertes Ergebnis bleibt diskutabel, abgesehen davon, dass die Fehlerhaftigkeit der Technik nach zahlreichen Tests von allen Befürwortern zugegeben wird. Der Reiz des Fußballs, Situationen unterschiedlich zu beurteilen, wäre praktisch dahin. Und wer steckt bitte den A-Ligisten das Geld zu, um sich einen Satz Chip-Bälle zuzulegen und sämtliche Torpfosten aufzubohren?

Video Der Chip im Ball

Werte vermitteln, nicht ermitteln

Noch ist vieles im Sport relativ leicht zu begreifen, sind die Strukturen des Wettkampfes erhalten und zu durchschauen. Von ehrlich kann natürlich keine Rede mehr sein, seitdem Stoffe entdeckt und in irgendwelchen Labors entworfen werden, um der Natur des Athleten ins Handwerk zu pfuschen. Jene Sportler, die von unerlaubten Mitteln Gebrauch machen, weil sie sich von ihrem Gewissen und dem Respekt vor dem Gegner befreit haben, sollten nicht auch noch in den Genuss eines Begleitfahrzeugs geraten. Wenn jegliche Form der Technik die Rolle von Talent und Trainingsfleiß einnimmt, braucht es wirklich keine realen Wettkämpfe mehr. Dann genügen die virtuellen - auf der Playstation. Und die liegt in einer Altersgruppe unter dem Weihnachtsbaum, die nicht früh genug darauf hingewiesen werden kann, dass der Sport nicht von Hämoglobin-Werten lebt, sondern von solchen wie Respekt, Leidenschaft und Teamgeist.

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.

Kommentare

(0)
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Rutschpartie des Jahres 
Selbst der Schneepflug scheitert an diesem Hügel

Das Video begeistert schon mehr als 22 Millionen Menschen im Internet. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
Jetzt EntertainTV Plus bestellen und 1 Jahr sparen!

EntertainTV Plus 1 Jahr statt 14,95 € für 4,95 €* mtl. sichern. www.telekom.de Shopping

Shopping
Macht den Kaffeemoment zur besten Zeit des Tages

Siemens Kaffeevollautomat der EQ Serie: Erfahren Sie vollendeten Kaffeegenuss. von OTTO

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de
Sport von A bis Z

Anzeige
shopping-portal