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"Peking richtet die verseuchtesten Spiele aus"

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Doping  

"Peking richtet die verseuchtesten Spiele aus"

21.01.2008, 12:33 Uhr | dpa

Werner Franke (Foto: imago)Werner Franke (Foto: imago) Gendoping, Epo, HGH, IGF, dubiose Mittel ohne Zulassung und noch nicht nachweisbare Substanzen: Nach Meinung des Heidelberger Wissenschaftlers Prof. Dr. Werner Franke hat beim Doping im Spitzensport längst "eine ganz neue Ära" begonnen. "Es sind die ausdauerfördernden Substanzen dazugekommen. An erster Stelle das Erythropoetin, das Epo, die Epo-Mimetika, weitere Substanzen, die ebenfalls am Epo-Rezeptor wirken. Und ich sehe auch andere Mittel wie den Wachstumsfaktor 'Insulin-like Growth Factor' IGF", sagte der weltweit anerkannte Heidelberger Molekularbiologe und Zellforscher in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur dpa. Einen wasserdichten Nachweis für Gendoping werde es nicht so schnell geben. Franke: "Da ist in diesem Jahr kein Durchbruch zu erwarten."



Die verseuchtesten Spiele

Bis zu den letzten großen Staatsdoping-Spielen, 1988 in Seoul, wurden hauptsächlich Präparate zum Muskelaufbau eingesetzt. Jetzt gebe es längst eine neue Kategorie des Betrugs. "Man muss heute also davon ausgehen, dass auch in den Ausdauerdisziplinen breit gedopt wird", meinte Franke, der für Peking die "verseuchtesten" Spiele der Olympia-Geschichte vorausgesagt hatte. "Wenn dem nicht wirksam entgegengearbeitet wird, bleibt es beim Superlativ."


Zahnspangen bei Erwachsenen

Ein drastisches Beispiel aus dem Vorjahr hat selbst Franke überrascht: Nach wie vor werde "breites Doping" mit dem menschlichen Wachstumsfaktor HGH praktiziert, "auch erkennbar an den plötzlichen Zahnspangen bei Erwachsenen". Beim "Insulin-like Growth Factor", der dem menschlichen Wachstumshormon HGH verwandt ist, sei dagegen auch etwas anderes bemerkenswert: "Wenn eine Substanz, die noch gar nicht in Apotheken zu kaufen ist, im Sport schon weithin missbraucht wird. Und beide Wachstumsfaktoren sind bisher nicht nachweisbar. Aber eben davon lebt ja auch dieser Betrug."

Mehr Geld für die Forschung ausgeben

Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA "hechelt" den Betrügern derzeit noch hinterher und müsste nach Meinung Frankes ihre Methoden verbessern. "Mehr Kontrollen, tausende Kontrollen in Peking - das beeindruckt mich überhaupt nicht. Es müssen intelligente, rigorose Kontrollen sein, dann reichen auch weniger." Das Geld müsse vor allem für die Forschung eingesetzt werden. "Wenn sie da eine Methode für einen sicheren Nachweis in ein paar Jahren entwickeln wollen, geht das nicht unter 500.000 Euro."

Aufklärer nicht Provokateur

Der renommierte Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg sieht sich weniger als "Dopingjäger", Provokateur oder Fahnder, wie er in den Medien meistens genannt wird. "Ich bin ganz klar Aufklärer für die Öffentlichkeit und ein Feind der Missbraucher", betonte der 67- Jährige, der 2004 gemeinsam mit seiner Frau Brigitte Berendonk das Bundesverdienstkreuz erhielt. "Für mich ist Doping die schädliche Anwendung von zu Nützlichem gedachten Dingen - eben Arzneimitteln."

"Unruhestand geht weiter"

Am 31. Januar feiert der knorrige Ostwestfale, der zu den am meisten zitierten Wissenschaftlern in Deutschland zählt, seinen 68. Geburtstag. Mit der "Helmholtz Professorship" und Drittmitteln will er aber noch fünf Jahre weiter forschen - und als "Einzelkämpfer" Doping-Betrüger entlarven. Ein Handy hatte Franke nie, und er braucht auch keine Vision. "Ich war deswegen auch noch nicht beim Augenarzt! Ich tue eben meine Pflicht als Wissenschaftler." Eines dürfte allen klar sein: "Der Unruhestand geht weiter."

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