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Drei Schicksale: Palermo, Baggio und Kutzop

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Sportkolleg - Die Angst des Schützen vorm Elfmeter  

Drei Schicksale: Palermo, Baggio und Kutzop

31.01.2008, 22:17 Uhr | Jörg Hausmann, t-online.de

Martin Palermo 1999 (Foto: dpa)Martin Palermo 1999 (Foto: dpa) Seine beiden ersten Länderspieltore für Argentinien drei Tage zuvor beim 3:1 über Ecuador hatten Martin Palermo selbstbewusst gemacht. Selbstbewusst genug, um sich am 4. Juli 1999 im Vorrundenspiel der Albiceleste im Rahmen der 39. Copa América gegen Kolumbien bereits in der fünften Minute den Ball zu schnappen. Schiedsrichter Ubaldo Aquino aus Paraguay hatte auf Strafstoß entschieden. Der Unparteiische sollte dies an jenem fußballhistorischen Tag noch weitere vier Mal tun – zum Leidwesen vor allem Palermos, der die ihm gebotenen Gelegenheiten nutzte, um eine ebenso einzigartige wie unglaubliche Geschichte des Versagens zu schreiben.

Latte

Teil eins in der fünften Minute. Anstatt den zweimaligen Weltmeister früh in Führung zu schießen, jagte Palermo die Kugel gegen die Querlatte des kolumbianischen Tores. Weitere fünf Minuten später zeigte Aquino schon wieder auf den Punkt – diesmal auf der Gegenseite. Ivan Cordoba stellte sich geschickter an als Palermo, Kolumbien lag mit 1:0 vorne. Seit dem legendären 5:0 in Buenos Aires am 5. September 1993 warteten die Gelb-Blauen auf einen Erfolg über Argentinien.

Ricard nimmt sich ein Beispiel an Palermo

Der sollte schon kurz nach dem Seitenwechsel konkretere Formen annehmen, als Aquino ein drittes Mal in regelwidriges Vergehen im Sechzehnmeterraum ahndete. Hamilton Ricard übernahm die Verantwortung – und vergab die Chance auf die Vorentscheidung zu Gunsten Kolumbiens. Argentinien bot sich die Gelegenheit, in die Partie zurückzukehren. Es hatte aber an diesem Tag die Rechnung ohne Palermo gemacht.

Drüber

Der Stürmer der Boca Juniors, der im Ligabetrieb seinerzeit insgesamt auf beeindruckende 32 Tore in 35 Partien kommen sollte, hatte irgendeinen bösen Fluch mit auf den Platz geschleppt. Auf Wiedergutmachung aus, trat der damals 25-Jährige in der 76. Minute zum zweiten Mal zum Schuss aus elf Metern an. Diesmal verschwand der Ball in bester Uli-Hoeneß-, Lothar-Matthäus-, oder Roberto-Baggio-Manier über der Latte.

Ricard raus, und schon steht es 2:0 für Kolumbien

Und es kam noch schlimmer, nur drei Minuten später. Edwin Congo erhöhte auf 2:0. Congo war erst in der 77. Minute, also direkt nach Palermos zweitem Streich, für den anderen Unglücksraben, Ricard, zu seinem siebten Länderspieleinsatz gekommen. 120 Sekunden darauf krönte ihn der Mann von Real Madrid. Und noch waren in diesem verrückten Spiel elf Minuten verblieben.

Calero hält

22.000 Zuschauer im Stadion Feliciano Caceres zu Luque in Paraguay stand noch der finale Auftritt Palermos bevor. Kolumbien führte seit der 87. Minute durch den ebenfalls eingewechselten Johnnier Montano nunmehr uneinholbar mit 3:0, als in der Schlussminute der fünfte Elfmeterpfiff Aquinos ertönte. Palermo muss in diesem Moment erneut ein unüberhörbares Signal seines Ehrgeizes empfangen haben. Jedenfalls stand der zweifache Elfmetervernichter ein drittes Mal bereit. Diesmal wählte der Pechvogel die letzte verbliebene Variante und ermöglichte es Kolumbiens Keeper Miguel Calero, seinen Schuss aus dem Eck zu holen. Nicht einmal der Ehrentreffer war Palermo und seinen Kollegen vergönnt gewesen. Coach Marcelo Bielsa war ob des Geschehenen bereits derart in Rage geraten, dass er den Innenraum hatte verlassen müssen.

Zwischen Welt- und Kreisklasse

Wundertüte Palermo aber sorgte doch noch für das Weiterkommen Argentiniens. Drei Tage nach der Blamage gegen Kolumbien entschied der Blondschopf den Klassiker gegen Uruguay (2:0) durch sein drittes Turniertor. Das Aus allerdings ereilte die Argentinier am 11. Juli 1999 – trotz einer 1:0-Führung – mit 1:2 gegen Vize-Weltmeister und Titelverteidiger Brasilien. Palermos Länderspielkarriere endete an diesem Punkt, nach nur sieben Einsätzen. Da er aber seine Boca Juniors zur Landesmeisterschaft geschossen und die Aufmerksamkeit der europäischen Späher geweckt hatte, sollte er auf dem Alten Kontinent noch zu weiterer trauriger Bekanntheit gelangen.

Der Mauer-Fall

20. November 2001: Copa del Rey, zweite Runde, Palermos spanischer Arbeitgeber FC Villarreal gastiert beim späteren Zweitligaabsteiger UD Levante. Mit seinem späten 1:1-Ausgleichstreffer in der Verlängerung versetzt Palermo sich und die Anhänger der Gäste in Ekstase. Palermo – bis zu jenem Zeitpunkt in der Primera División immerhin schon vier Mal erfolgreich – besteigt eine Mauer des Stadions. Die aber scheint baufällig zu sein und gibt unter der Last der Palermos Freude erwidernden Zuschauer nach. Palermo bricht sich bei der waghalsigen Aktion Schien- und Wadenbein und liegt zwei Monate auf Eis.

Lange Pause

Erst am 5. Mai 2002, dem vorletzten Spieltag der Meisterschaft, trug sich der Leidtragende beim 2:1-Heimsieg über Real Saragossa wieder in Villarreals Torschützenliste ein. 

Ein Zopf trägt Trauer

Wer an das äußerst mäßige Finale der WM 1994 in den USA denkt, dem drängt sich kein Bild der Sieger aus Brasilien auf. Immer wieder ist da dieser Zopf, diese gesenkte Haarpracht des Roberto Baggio. Bis zu diesem 17. Juli in Los Angeles war es das Turnier des seinerzeit amtierenden Weltfußballers gewesen. Ohne Baggio hätte Italien bereits im Viertelfinale von den schlussendlich allzu nachlässigen WM-Debütanten aus Nigeria das Fell über die Ohren gezogen bekommen. Und auch das Halbfinale gegen Deutschland-Bezwinger Bulgarien entschied der Ballkünstler.

Fehlschuss nach fünf Turniertoren

Der 27-Jährige stand bei fünf Toren, eine Marke, die er bereits in der Qualifikationsrunde erreicht hatte und die ihn in den USA beinahe zum Torschützenkönig aufsteigen ließ. Um diesen Titel aber ging es nicht, als Baggio im Elfmeterschießen gegen Brasiliens Keeper Claudio Taffarel anlief. Es ging um den richtigen, den großen Titel. Den hatten die Italiener schon vier Jahre zuvor im eigenen Land in einem Elfmeterschießen vergeigt, im Halbfinale gegen Titelverteidiger Argentinien.

Dritter Versager

Als Baggio in der Rose Bowl von Los Angeles vor den Augen von 94.200 Zuschauern im Rund und Milliarden an den Fernsehschirmen anlief, stand es 3:2 für Brasilien. Immenser Druck lastete auf der Leitfigur, hatten doch schon seine Kollegen Franco Baresi und Daniele Massaro ihr Ziel nicht erreicht. Baggio, der fünf seiner 18 Ligatore für Juventus Turin aus genau dieser Standardsituation erzielt hatte, schuf in den nächsten Sekunden ein Bild, das ihn bis heute verfolgt und das er "gerne ausradieren" würde. Sein Schuss sauste über die Latte.

1998 sinkt di Biagio zu Boden

Vier Jahre später in Frankreich zerstörte Italiens Titelträume zum dritten Mal nacheinander ein Elfmeterschießen. Diesmal aber trug nicht der nach 67 Minuten eingewechselte Baggio die Hauptschuld. Der gläubige Buddhist traf im Viertelfinale gegen den Gastgeber zum zwischenzeitlichen 1:1 und besiegte sein ganz persönliches Trauma, doch Beinahe-Namensvetter Luigi di Biagio schlüpfte wenige Augenblicke später an jenem 3. Juli 1998 in Paris in die Rolle des eine ganze Nation stellvertretenden Verlierers.

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