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Der einzig wahre Fußball-Mozart

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Matthias Sindelar - 105. Geburtstag  

Der einzig wahre Fußball-Mozart

08.02.2008, 17:48 Uhr | Jörg Hausmann, t-online.de

Matthias Sindelar (Foto: dpa)Matthias Sindelar (Foto: dpa) EM im eigenen Land: Wenn das "der Papierne" noch hätte erleben dürfen… Doch Österreichs vielleicht bester Fußballer aller Zeiten nahm sich schon vor 69 Jahren das Leben – so heißt es offiziell. In Wahrheit ist der frühe Tod Matthias Sindelars bis heute ein unaufgeklärtes Rätsel. Eine Tatsache, die mindestens in dem Maße zum Mythos um den Mittelstürmer des legendären österreichischen Wunderteams beiträgt wie das unerreicht leichtfüßig-elegante Spiel des Blondschopfs. Heute würde Sindelar 105 Jahre alt.

Zwei Genies gleichen Alters

Gefeiert würde er werden auf der Tribüne des Ernst-Happel-Stadions, der inzwischen greise Mozart des Fußballs, der jedoch genauso jung starb wie der geniale Komponist aus Salzburg: mit 35.

Pilgerstätte Zentralfriedhof

Während sich die Massen vor einem Jahrhundertkünstler wie Johannes Heesters auch noch im 105. Lebensjahr des Niederländers verneigen können, müssen Sindelars Fans seit dem 28. Januar 1939 zum Wiener Zentralfriedhof pilgern. Sie tun dies Jahr für Jahr zu seinem Todestag am 23. Januar, um dem 43-maligen Nationalspieler zu huldigen. Mehr als 15.000 Menschen erwiesen dem "Motzl" seinerzeit die letzte Ehre: bezeichnenderweise genau jene Kulisse, die am 27. Mai 1934 in Turin das WM-Debüt des Wiener Austrianers gegen Frankreich erlebt hatte.

Ausgeblutetes Wunderteam

Damals war das österreichische Wunderteam bereits Geschichte und auseinandergebrochen. Auch, weil viele seiner Mitglieder in der höchsten Spielklasse des WM-Auftaktgegners Frankreich ihr Glück versuchten – der besseren Bezahlung wegen. Der gebürtige Böhme Sindelar widerstand allen Abwerbungsversuchen, obwohl Arsenal London den Schützen von insgesamt 27 Länderspieltoren schon 1933 fürstlich entlohnt hätte.

England um ein Haar entzaubert

Gemalt: Österreichs Wunderteam der frühen 30er Jahre (Foto: dpa)Gemalt: Österreichs Wunderteam der frühen 30er Jahre (Foto: dpa) Sindelar und Co. hatten schwer Eindruck hinterlassen bei ihrem dramatischen 3:4 am 7. Dezember 1932 an der Stamford Bridge in London. 42.000 Zuschauer erlebten damals in der Heimstätte des FC Chelsea anlässlich des 150. Länderspiels einer ÖFB-Vertretung beinahe die Entjungferung des englischen Fußballgrundes. Der belgische Schiedsrichter John Langenus, der tags darauf 41 Jahre alt wurde und 1930 das erste WM-Finale geleitet hatte, sprach vom "schönsten Match, das ich in meiner Karriere leitete." Und darunter waren immerhin 64 Länderspiele.

Ruhmreiche Monate

Mit dem 5:0 über Schottland hatte am 16. Mai 1931 in Wien eine bis heute beispiellose Serie der österreichischen Auswahl eingesetzt. Bis zum Auftritt in London standen aus 14 Vergleichen zwölf Siege und zwei Unentschieden zu Buche. Die "Schmieranski-Elf" Hugo Meisls hatte sagenhafte 49:13 Tore aufzuweisen. Elf davon hatte Sindelar erzielt.

Die Presse setzt sich durch

"Schmieranski-Elf"? Die Wiener Sportjournalisten hatten Verbandskapitän Meisl nach nur zwei Siegen aus den acht Partien zuvor so lange mit der Forderung genervt, den seit über zwei Jahren aus dem Team verbannten Dribbelkönig Sindelar und Friedrich Gschweidl von der Vienna zurückzuholen, bis der Teamchef nachgab. Im Wiener Ring-Café knallte Meisl, 1927 Erdenker des Europapokal-Ahnen Mitropacup, den Presseleuten einen Zettel auf den Tisch: darauf die von ihnen gewünschten Namen.

47 Jahre Sendepause

Der Siegeszug beinhaltete auch zwei glorreiche Siege über die spätere Besatzungsmacht Deutschland. Nur acht Tage nach dem 5:0 über die Schotten erlebten 40.000 Besucher in Berlin ein 6:0 der Gäste aus Österreich über den Nachbarn. Die Revanche am 13. September 1931 in Wien fiel ähnlich deftig aus. 50.000 Zuschauer sahen ein 5:0, Österreichs sechsten Sieg im neunten Länderspiel gegen die Deutschen. Dreifacher Torschütze: Sindelar. Für 47 Jahre der letzte rot-weiß-rote Erfolg über den großen Bruder – bis Córdoba 1978…

Schmerzhafte WM-Niederlagen 1934 und 1954

Als es am 7. Juni 1934 in Neapel zwischen den beiden Erzrivalen um WM-Bronze ging, fehlte Sindelar verletzt. Deutschland gewann mit 3:2. Auch 20 Jahre später, auf dem Weg zum sensationellen ersten WM-Titel, ließen sich die "Piefkes" nicht aufhalten: 6:1 für Fritz Walter und Co. im Halbfinale von Basel.

Noch ein Treffer gegen das "Altreich"

Sindelar weigerte sich nach dem Anschluss der "Ostmark" ans Deutsche Reich am 12. März 1938, für eine großdeutsche Mannschaft die Stiefel zu schnüren. Stattdessen steuerte der Star am 3. April 1938 das 1:0 zum 2:0-Sieg der Wiener über das "Altreich"bei – im so genannten "Anschlussspiel", das in der österreichischen Länderspielstatistik nicht auftaucht, und in der deutschen nur inoffiziell.

Rätselraten wie bei der Monroe

Sindelar, nach dem heute eine Straße in "seinem" Wiener Stadtteil Favoriten benannt ist (10. Sindelargasse), lag am 23. Januar 1939 tot auf dem Bett seiner jüdischen Freundin Camilla Castagnola. Auch sie starb tags darauf, ohne wieder zu Bewusstsein gekommen zu sein. Todesursache in beiden Fällen: Vergiftung durch Kohlenmonoxid. Ähnlich wie im Fall der US-Schauspielerin Marilyn Monroe (alias Norma Jean Baker), die am 5. August 1962 im Alter von 36 Jahren einer Überdosis Schlaftabletten erlag, steht bis heute die Frage im Raum, ob es tatsächlich Selbstmord war.

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