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Franz Beckenbauer: Die personifizierte Redefreiheit - Ein Kommentar von Jörg Hausmann

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Kommentar  

Die personifizierte Redefreiheit

22.02.2008, 14:21 Uhr | t-online.de

Ein Kommentar von Jörg Hausmann

Präsident oder Kolumnist? (Foto: imago)Präsident oder Kolumnist? (Foto: imago) Mei, der Kaiser halt...: "Ja, sicherlich..." Sicherlich äußert sich die Lichtgestalt des deutschen Fußballs öfter als Normalsterbliche, und sicherlich nicht immer aus eigenem Antrieb, sondern, weil Beckenbauers Wort ungefähr das Gewicht einer päpstlichen Bulle hat. Pardon, hatte. Inzwischen nicken die Angestellten des FC Bayern München die Einwürfe ihres multifunktionalen Präsidenten nicht mehr nur ergeben ab, frei nach der Wahrheit: "Wenn der Franz das sagt..." Dann muss es längst nicht mehr automatisch stimmen.

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Reden nach Lust und Laune

Zu weit hat sich der Chef-Bayer und Bayern-Chef mittlerweile von den Niederungen des Tagesgeschäfts entfernt, um unwidersprochen über die Darbietungen der Herren Lahm, Sagnol und Co. parlieren zu dürfen. Gleich mehrere Fragen stellen sich: Wie viele Beckenbauers stecken in dem einen? Und: Bemerkt der 62-Jährige das Rumoren zu seinen Füßen? Oder kalkuliert er bewusst ein, nicht ernst genommen zu werden, weil es den angenehmen Nebeneffekt hat, einfach nach Lust und Laune weiter reden zu können?

Unkopierbare Sicht auf die Dinge

Mit einer bewundernswerten Leichtigkeit, die schon sein Spiel über das der grobschlächtigeren Kollegen erhob, bewegt sich der scheinbar ewig freie Mann über den Dingen: Als er eine Sekretärin der Bayern geschwängert hatte, entwaffnete der Franz den RTL-Moderator Günther Jauch im Jahresrückblick mit der aus dem Handgelenk geschüttelten Feststellung, der liebe Gott möge jedes Kind. Andreas Brehme - dessen Elfmeter Beckenbauer und dem gesamten deutschen Volk 1990 den WM-Titel bescherte - brachte diese gewinnende Gabe einst so auf den Punkt: "Wenn der Franz einen Raum betritt und behauptet, der Teppich sei Rot, dann nicken alle anwesenden Journalisten, obwohl der Teppich Blau ist."

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Das mediale Netzwerk Beckenbauer

Aber schon der "Blasengel" pustete anno 2003 zurück: "Was der Franz sagt, nehme ich doch schon seit Jahren nicht mehr ernst", ließ der damalige Wolfsburger Stareinkauf Stefan Effenberg wissen, der dank Beckenbauers abfällig-originellem Vergleich seiner Fitness mit dem Himmelsboten tagelang die "Bild"-Zeitung beschäftigte. Das bunte Blatt ist dem Kaiser seit jeher eng verbunden und gerne Platz seiner Einschätzungen zur Lage der Fußball-Nation.

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Überall und einzigartig

Vielleicht aber ist es längst so, dass es hier eine Fußballnation gibt - und dort den Kaiser. Hier den FC Bayern - und irgendwo seinen Präsidenten. Gestalten sind viele, Lichtgestalt aber ist nur eine. Vielleicht gibt es längst den eigenen "Kosmos Beckenbauer", der ab und an Gedankenblitze Richtung Fußballplanet sendet. Omnipräsent, aber gleichzeitig eben so weit weg, dass er geschlagene sieben Monate brauchte, um Bayerns neuen König persönlich kennenzulernen, Franck Ribéry.

Kaiser trifft König

Das geschah vor dem Gipfeltreffen mit Werder Bremen am 10. Februar 2008 - vor laufenden "Premiere"-Kameras. Eine kuriose und sicher einmalige Begebenheit. Sie bestätigte - für alle Welt sichtbar, die Richtigkeit der These Philipp Lahms: dass es doch mehrere Beckenbauers gibt. Mit dem Problem, dass der, der als Ikone des FC Bayern gilt und noch immer als dessen Präsident fungiert, immer weniger Zeit hat. Und dann als Live-Analyst von seinem Verein nicht etwa in der "Wir"-Form spricht, sondern gerne vom "FC Bayern" - als sei er ein Preuße.

Der FIFA-Franz

Der Beckenbauer, der gemeinsam mit FIFA-Boss Sepp Blatter am großen Rad dreht, freut sich wiederum über den Vorschlag des Schweizers, demnächst einheimische Spieler in einer gewissen Anzahl in jedem Spiel zur Pflicht zu erheben - und vergisst derweil, dass er als Präsident des deutschen Rekordmeisters rund 70 Millionen Euro Transferausgaben mitbewilligt hat, die größtenteils in fertige Stars aus dem Ausland flossen... Ja, mei, der Kaiser halt.

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