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Doping: Die beste Spritze ist der eigene Körper

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Sportkolleg - Körpereigenes Doping  

Die beste Spritze ist der eigene Körper

01.03.2008, 19:58 Uhr | Jörg Hausmann

Manchester-City-Keeper Bert Trautmann spielte mit gebrochenem Genick weiter (Foto: imago)Manchester-City-Keeper Bert Trautmann spielte mit gebrochenem Genick weiter (Foto: imago) Scheinbar übermenschliche sportliche Leistungen und ungewöhnliche Reaktionen rufen sofort Skepsis hervor. Stichwort: Doping. Oft jedoch ist die Erklärung ganz einfach und steckt in uns selbst, in den versteckten Reserven des Körpers. Versteckt bleiben sie, so nicht die spezifische Besonderheit der Wettkampfsituation sie hervorholt. Oliver Kahn beispielsweise, bekannt für seine Unberechenbarkeit auf dem Spielfeld, wird daheim nicht pausenlos im Kung-Fu-Schritt durch die Zimmer springen oder dem Postboten an den Kragen gehen. Solch impulsive Aussetzer beruhen nicht auf einem gezielt verabreichten Spritzencocktail aus irgendeinem zwielichtigen medizinischen Labor. Es ist die schlichte Sichtbarwerdung von Adrenalin und Endorphinen, die den Sportler im Wettkampf begleiten.

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Ohne Schmerzen auf höchster Drehzahl

Auf zweierlei Art und Weise unterstützen diese Stoffe den Aktiven: Sie helfen ihm, sein größtmögliches Potenzial abzurufen, sowohl mental als auch körperlich. Und: Die abgesenkte Schmerzempfindlichkeit führt zu durchaus skurrilen Begebenheiten.

Weber ignoriert einen Wadenbeinbruch

So am 17. März 1965. Europapokal der Landesmeister, Viertelfinal-Entscheidung zwischen dem FC Liverpool und dem 1. FC Köln in Rotterdam. Der Cheftrainer des damaligen deutschen Meisters, Georg Knöpfle, wies seinen angeschlagenen Verteidiger Wolfgang Weber in der Halbzeitpause an, vom Tisch der Kabine springen. Es ging um Webers Spieltauglichkeit. Dessen verletztes Bein hielt, der Nationalspieler machte weiter. Nach dem per Münzwurf verlorenen Spiel wurde bei Weber ein gebrochenes Wadenbein diagnostiziert.

Trautmanns Eingang in die Hall of Heroes

Englische Fußballfans waren spätestens seit dem 5. Mai 1956 an derlei deutsches Heldentum gewöhnt. Damals hatte Manchester Citys Torwart Bert Trautmann im FA-Cup-Finale gegen Birmingham City mit einem gebrochenen Genick durchgehalten! Der ehemalige Kriegsgefangene aus Bremen kassierte beim 3:1-Erfolg seiner Himmelblauen nur ein Gegentor.

Schumachers Torpedierung der deutsch-französischen Aussöhnung

Die Torhüter sind ohnehin - siehe Kahn - ein Volk für sich. Unbekannt ist, welcher hormonelle Mix für Toni Schumachers Blackout im WM-Halbfinale 8. Juli 1982 in Sevilla gegen Frankreich verantwortlich war. Gegenspieler Patrick Battiston wird’s herzlich egal sein, blieben ihm doch als Andenken eine Gehirnerschütterung und zwei Zahnlücken…

Klitschkos Durchbruch per Niederlage

Noch schlimmer schaute Vitali Klitschko am 21. Juni 2003 in Las Vegas nach sechs Runden des WBC-WM-Fights mit dem britischen Titelverteidiger Lennox Lewis aus. Klaffende Cuts, soweit das Auge reichte, aber dahinter ein Boxer, der dank seiner körpereigenen Hormonausschüttung uns seines Willens wild entschlossen war, die Schlacht zu seinen Gunsten zu Ende zu bringen. Klitschko sah tatsächlich nicht danach aus, führte aber nach Punkten, als der Ringrichter und die Ärzte dem Spektakel ein Ende setzten. Für den Ukrainer bedeutete eine schmerzhafte Niederlage den Durchbruch im Boxland USA. Mit über 80 Stichen wurde die Physiognomie des späteren Weltmeisters wiederhergestellt.

Die Brücke zu Gold

Auch der deutsche Ringer Pasquale Passarelli kannte am 3. August 1984 in Los Angeles in den USA nur ein Ziel: Olympia-Gold. Dafür hielt der gebürtige Italiener gegen den Japaner Masaki Eto genau 1:36 Minuten lang seine legendäre Brücke, die ihn zum 8:5-Punktsieg führte. Passarelli konnte sich lediglich auf seinem rechten Ellenbogen abstützen, da der verletzte linke nicht zu gebrauchen war: "Ich hätte mir eher den Arm abhacken lassen, als aufzugeben", bemerkte der damals 22-Jährige später. 

5:44 Minuten im Zickzack

Zweifel, ob es allzu gesund ist, wenn der Körper die letzten Reserven auspackt und mobilisiert, um den Athleten im Wettkampf zu halten, sind aber immer erlaubt. Zwei Tage nach Passarellis epischem Mattenauftritt, wankte im ersten olympischen Marathonlauf der Frauen die Schweizerin Gabriela Andersen-Schiess wie von Sinnen durchs Ziel. 5:44 Minuten war die Eidgenössin da bereits im Zickzack unterwegs gewesen. Die Kampfrichter schauten dem gespenstischen Treiben zu. Es habe keine akute Gefahr für Gesundheit und Leben bestanden. Platz 37 stand für die völlig dehydrierte 39-Jährige unter dem Strich. 44 der 50 gestarteten Frauen kamen in die Wertung.

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