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EM 2008: Guido Buchwald analysiert Innenverteidigung

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Nationalteam-Check: Innenverteidigung  

Buchwald: "Metzelder kommt an die Weltklasse ran"

17.03.2008, 21:38 Uhr | Das Interview führte Patrick Brandenburg, t-online.de

Christoph Metzelder (re.) und Per Mertesacker (Foto: imago)Christoph Metzelder (re.) und Per Mertesacker (Foto: imago) In weniger als zwölf Wochen beginnt die Europameisterschaft und Bundestrainer Joachim Löw muss sich vor dem Ereignis des Jahres Sorgen um einen bedeutenden Eckpfeiler seiner Mannschaft machen: Per Mertesacker und Christoph Metzelder sind aus unterschiedlichen Gründen weit von ihrer WM-Form entfernt. Im ersten Teil seines T-Online Interviews liefert WM-Held Guido Buchwald eine umfassende Analyse über die deutsche Innenverteidigung und sagt, wo sich Mertesacker noch verbessern muss und warum Löw gut beraten ist, die Tür für den verletzten Metzelder so lange wie möglich offenzuhalten. Außerdem bringt er einen Ersatzmann ins Spiel, den viele Experten nicht mehr auf der Rechnung haben.

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Herr Buchwald, was zeichnet einen modernen Innenverteidiger aus?
Er braucht viele Qualitäten. In der Viererkette muss die Abstimmung funktionieren. Ein Innenverteidiger muss mit seinen Nebenleuten harmonieren. Er muss kopfball- und weiterhin sehr zweikampfstark sein. Das Umschalten von Defensive auf Offensive, die Spielauflösung nach vorne muss er beherrschen. Der Verteidiger treibt oft als Erster die Partie an. Das sind die Kriterien eines modernen Innenverteidigers.

Die taktischen Anforderungen für die Akteure sind größer geworden?
Auf jeden Fall. Man muss mehr mit den Mitspielern agieren. Früher gab es hinter dem Libero einen oder zwei Vorstopper – die mussten schlicht und einfach die Gegner ausschalten. Heute geschieht alles im Verbund– die Außenverteidiger rücken noch mit rein. Alle Verteidiger verschieben sich ballorientiert und sind darüber hinaus im Raum aggressiv und zweikampfstark. So ist der moderne Fußball.

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Bei der WM 2006 durften wir etliche große Verteidiger beobachten. Materazzi oder Grosso bei den Italienern, Metzelder oder Mertesacker bei den Deutschen, alle über 1,90 Meter. Werden kleine Verteidiger wie Cannavaro zur Ausnahme? Haben solche Kicker überhaupt noch eine Chance im umkämpften Luftraum?
Na klar. Cannavaro ist auch mit seinen 1,76 Metern ein Weltklassespieler. Er beherrscht das Stellungsspiel und den Zweikampf, und ihm hilft ein tolles Timing bei Kopfbällen. Aber wenn man einen Cannavaro hat, muss der zweite Innenverteidiger größer sein, sonst gibt es unheimliche Probleme bei Flanken und Standards, eigentlich bei allen hohen Bällen. Ich kann mir nicht vorstellen, nur mit zwei kleinen Abwehrspielern gegen einen Stürmer wie Luca Toni spielen zu lassen. Mindestens ein Verteidiger muss ein robuster Riese sein. Toni ist mit seinem Körper einfach so stark, dass er einen 1,75- oder 1,80-Mann jederzeit wegsperren kann; dass er seinen Körper effektiv einsetzen und Tore auflegen oder auch selbst erzielen kann.

Kommt die DFB-Elf mit ihren etatmäßigen Innenverteidigern Metzelder und Mertesacker dem Ideal des modernen Fußballs nahe?
Die deutsche Mannschaft ist sehr gut besetzt. Zumal der Metzelder auch am Boden sehr beweglich ist. Er antizipiert die Bälle sehr gut und kann sie schnell ablaufen. Metzelder und Mertesacker – das ist schon ein sehr gutes Duo.

Steckbrief Per Mertesacker
Steckbrief Christoph Metzelder

Stichpunkt Mertesacker: Trotz seiner 23 Jahre ist er mit 40 Länderspielen schon ein Routinier in der Nationalelf und eine echte Stütze. Wo hat der Bremer noch Entwicklungsmöglichkeiten?
Im Spielaufbau, da kann er noch zulegen. Um international weiterzukommen, muss er das sogar. Sein defensives Spielverständnis ist hervorragend und er zeigt starke Zweikämpfe. Aber im Spiel mit dem Ball steckt noch enormes Potenzial.

Im direkten Vergleich hat Metzelder Vorteile?
Metzelder hat das eine große Handicap: Er ist oft verletzt und wird dadurch immer wieder zurückgeworfen. Ansonsten gilt: Er hat etliche gute Spiele gemacht und mittlerweile unheimlich viel Erfahrung gesammelt. Dazu kommt seine Kopfball- und Zweikampfstärke. Er spielt sehr gut im Raum, besteht aber auch im „Nahkampf“. Er lässt sich selten ausspielen. Das sind unheimlich große Qualitäten. Metzelder ist ein absolut toller, kompletter Innenverteidiger, der an die Weltklasse herankommt.

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Die Rangfolge ist also: Metzelder vor Mertesacker?
Ja. Wenn er gesund und fit ist. Weil er einfach kompletter ist; weil er mehr für den Spielaufbau tun kann, weil er auch die langen Bälle spielen und eine Partie besser lesen kann als Mertesacker. Das sind Eigenschaften, die nicht jeder hat.

Aber diese zwei gehören in die Startelf?
Absolut. Wenn beide gesund und fit sind. Als echte Alternative drängt sich derzeit niemand auf.

Nur zu Torjägern werden beide nicht mehr. M + M kommen zusammen auf 79 Länderspiele – bei nur einem Treffer. Sollten sich die beiden Riesen mehr in die Offensive der DFB-Elf einschalten?
Guido Buchwald, 47, gehört zu den besten Verteidigern, die der deutsche Fußball hervorgebracht hat. In seiner aktiven Karriere feierte der Schwabe zwei Meisterschaften mit dem VfB Stuttgart. Beim Gewinn des Weltmeistertitels 1990 verurteilte er Argentiniens Diego Maradona zur Bedeutungslosigkeit. Nach drei erfolgreichen Jahren als Trainer in Japan gab Buchwald zu Beginn dieser Saison ein kurzes Gastspiel beim Zweitligisten Alemannia Aachen.Guido Buchwald, 47, gehört zu den besten Verteidigern, die der deutsche Fußball hervorgebracht hat. In seiner aktiven Karriere feierte der Schwabe zwei Meisterschaften mit dem VfB Stuttgart. Beim Gewinn des Weltmeistertitels 1990 verurteilte er Argentiniens Diego Maradona zur Bedeutungslosigkeit. Nach drei erfolgreichen Jahren als Trainer in Japan gab Buchwald zu Beginn dieser Saison ein kurzes Gastspiel beim Zweitligisten Alemannia Aachen.Mal langsam. Ein Abwehrspieler schießt nicht so viele Tore. Es kommt auch auf die Harmonie und die Mischung der Mannschaft an. Wenn man vor der Defensive sehr gute Spieler hat, zum Beispiel einen Ballack im Mittelfeld, der sich immer wieder vorne einschaltet, dann ist es für Mertesacker oder Metzelder eben wichtiger, diesen Spielern den Rücken freizuhalten und hinten für Sicherheit zu sorgen. Natürlich gehört der Spielaufbau zu den neugewonnenen Qualitäten eines Abwehrspielers. Aber das heißt ja noch nicht, dass ein Innenverteidiger im Nebenjob noch Torjäger ist. Es ist eine alte Weisheit: Vorne werden die Tore geschossen, aber hinten werden die Spiele gewonnen. Die Hauptaufgabe des Verteidigers ist die Defensive, fürs Tore schießen sind die anderen schon noch mehr zuständig.

Sie selbst haben sich in ihrer aktiven Laufbahn immer wieder in die Offensive eingeschaltet und Freistöße und Eckbälle per Kopf abgeschlossen. Kann bei den Verteidigern in Sachen Standards noch Potenzial ausgeschöpft werden?
In der Tat. Gerade bei den Standards kann man heute sehr viel einstudieren. Die Bälle fliegen anders, die Schusstechnik ist anders, es gibt die so genannten Flatterbälle. Aber das kann der Bundestrainer erst trainieren lassen, wenn er die Mannschaft länger beieinander hat. Also direkt vor einem großen Turnier. Da wird sicherlich dran gearbeitet, zumal wir gute Vollstrecker für Standardsituationen haben. Es ist einfach so: Wenn man die Entwicklung des Fußballs sieht, werden die Standards immer wichtiger. Prozentual wächst der Anteil der Tore, die nach Standards erzielt werden. Da heißt es: dranbleiben. Kein Wunder, dass es immer mehr Geheimtraining gibt, um überraschende Spielabläufe einzuüben.

Insgesamt nur vier Gelbe Karten in den Jahren 2007 und 2008: Die deutsche Abwehr kommt häufig ohne Fouls aus. Ist das ein weiteres Zeichen modernen Fußballs oder sind die DFB-Kicker einfach nicht bissig genug?
Das ist schon ein Gütesiegel des modernen Fußballs. Allerdings würde ich einschränken: Ab und zu ist ein Tackling notwendig - wenn man weiß, wie und wann man es machen kann. Um Missverständnissen vorzubeugen: Dies ist keine Aufforderung zum Foul: Beim Tackling muss der Ball gespielt und erobert werden. Aber ein Zweikampf in gesunder sportlicher Härte verschafft Respekt. Immer nur Bälle ablaufen, immer nur oben bleiben, das kann auch nach hinten losgehen. So hätte Metzelder bei der 0:3-Pleite in der EM-Qualifikation gegen die Tschechen den Ball vor dem zweiten Gegentor durch Marek Matejovski besser mit einem simplen Tackling aus der Gefahrenzone befördert. Sicherheit vorm Tor bedeutet manchmal auch, den Ball einfach ins Aus zu hauen.

Dazwischen zu hauen gehört dazu, um Zeichen zu setzen?
Richtig. Man muss sich beim Angreifer auch Respekt erarbeiten. Wenn ein Mittelstürmer in Ruhe spielen kann und die Abwehr nur mitläuft, dann sind die Luca Tonis dieser Welt im Vorteil. Früher wie heute: Man muss die Stürmer bearbeiten.

Metzelder ist nach seiner Fußsohlen-OP gerade in der Reha. Wie lange kann der Bundestrainer auf einen Spieler warten?
Lange, sehr lange, wenn es solch ein wichtiger Spieler ist. Es reicht eigentlich, wenn Metzelder in der EM-Vorbereitung eingreift. Er kann dann noch zwei, drei Länderspiele mitmachen und das Turnier selbst dauert ja einige Zeit. Ich erinnere nur an Jürgen Kohler, der war 1990 im ersten Vorrundenspiel noch verletzt und hat dann eine super WM gespielt.

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