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Der Libero - ausgestorben oder wiedergeboren?

22.03.2008, 16:50 Uhr | Gérard Schwarz, t-online.de

Klaus Augenthaler gibt Anweisungen (Foto: imago)Klaus Augenthaler gibt Anweisungen (Foto: imago) Was ist eigentlich aus dem Libero geworden? Der Position hinter der Abwehr, auf der unsere Besten glänzten. Franz Beckenbauer und Klaus Augenthaler wurden als Libero zum Weltmeister gekrönt. Matthias Sammer und Lothar Matthäus schmückten ebenfalls die Rolle des "freien Mannes". Im Jahr 1982 ehrte das ZDF den kreativen Verteidiger sogar mit der Fernsehserie "Manni, der Libero". Das war gestern. Heute spricht niemand mehr vom Libero. Ist er etwa ausgestorben, oder suchen wir nicht gründlich genug?

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Von Ausputzern und Wasserträgern

Franz Beckenbauer gilt als Erfinder des Libero und perfektionierte das Spielprinzip Anfang der 70er Jahre.  Beckenbauer &  Co. spielten dabei noch streng mit zwei so genannten Vorstoppern in Manndeckung und dem Libero als Ausputzer, der sich gelegentlich aktiv in den Angriff einschaltete. Im Mittelfeld ein ähnliches Bild. Ein kreativer Spielmacher wie Günter Netzer mit Freiheiten, daneben zwei Wasserträger mit Defensivaufgaben. Auf dem Platz herrschte eine strikte Trennung zwischen kreativen und zerstörerischen Aufgabenfeldern.

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Kein Raum mehr für den "freien Mann"

Noch bis in die 90er Jahre lässt sich die Spur jener Taktik verfolgen, verliert sich dann jedoch nach und nach. Bei der WM 1990 in Italien spielt die Mehrzahl der Teams mit Manndeckung und einem Libero, Deutschland wird mit dem System Weltmeister. Die EM 1996 bestreitet Deutschland mit Matthias Sammer auf der Libero-Position und wird Europameister. Während der WM 1998 in Frankreich taucht der Libero dann nur noch vereinzelt auf den Taktiktafeln auf. 2002 bei der WM in Japan und Korea verschwindet er von der Bildfläche. Deutschland variiert während des Turniers bereits zwischen Dreier- und Viererkette. Die Bundesliga folgt der Entwicklung und verbannt den Libero weitestgehend.

Der Libero ist tot, es lebe der Libero

Viererkette, ballorientierte Raumdeckung, kollektives Verschieben lauten seither die Stichworte im modernen Fußball. Die verteidigende Mannschaft versucht in Ballnähe Überzahl herzustellen, indem sie im Verbund in Richtung des ballführenden Gegners verschiebt. Weit vom Geschehen entfernt stehende Gegenspieler werden nicht eng gedeckt, da von ihnen ohne Ball keine unmittelbare Gefahr ausgeht. Im Idealfall greifen zwei Verteidiger einen Gegenspieler an. Dabei setzt einer der Spieler den ballführenden Gegner direkt unter Druck, der zweite agiert als Quasi-Libero und leistet Hilfestellung.

Beckenbauer und Netzer in Personalunion

Das Libero-Prinzip, dass von Franz Beckenbauer aus der Taufe gehoben wurde und damals nur auf eine Position beschränkt war, herrscht heute also auf dem gesamten Spielfeld. Ein Spieler ist im besten Fall Beckenbauer und Netzer in Personalunion. Egal ob im zentralen Mittelfeld, am Strafraum oder auf den Flügeln: Überall, wo ein Gegner attackiert wird, steht ein freier Mann als Libero bereit. 

"Modern spielt, wer gewinnt"

Wer allerdings glaubt, den klassischen Libero nur noch auf dem "Best of Beckenbauer-Video" zu Gesicht zu bekommen, liegt falsch. Noch im Jahr 2004 bot Trainer Otto Rehhagel bei der EM in Portugal Traianos Dellas als "Europas letzten Libero" auf . "Modern spielt, wer gewinnt", sagte Otto Rehhagel seinerzeit. Der Rest ist Geschichte: Die Griechen amtieren noch heute als Europameister. Ewig gestrige findet man allerdings noch heute. Rudi Bommer, Trainer des abstiegsbedrohten MSV Duisburg, ließ zuletzt Ivica Grlic als Libero hinter der Abwehr auflaufen. Bommer: "In unserer Situation ist es mir sch...egal, ob wir modern oder altmodisch spielen. Wir brauchen Punkte. Sonst nichts!" Totgeglaubte leben eben länger. 

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