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TSG Hoffenheim: "Vom blöden Hockeytrainer redet hier keiner"

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TSG Hoffenheim  

Peters: "Vom blöden Hockeytrainer redet hier keiner"

19.03.2008, 16:41 Uhr | von Jörg Runde, t-online.de

Bernhard Peters (Foto: imago)Bernhard Peters (Foto: imago) Bernhard Peters ist einer der erfolgreichsten Hockeytrainer der Welt, er berät heute den DFB und gilt als einer der engsten Vertrauten von Jürgen Klinsmann. Vor allem ist er aber Sportdirektor beim Fußball-Zweitligisten TSG Hoffenheim. Im Interview spricht Peters über die Stärken des neuen Trainers des FC Bayern, über Schwächen in der deutschen Trainerausbildung und seine Arbeit beim Aufstiegsaspiranten Hoffenheim.

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Herr Peters, vor zwei Jahren wollte Sie Jürgen Klinsmann als Sportdirektor zum DFB holen. Haben Sie heute noch Kontakt zu ihm?
Ja, oft sogar. Er ist total heiß auf seine neue Aufgabe.

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Trauen Sie ihm den Job als Trainer beim FC Bayern München zu.
Eine Nationalmannschaft zu coachen, ist natürlich etwas ganz anderes als für ein Vereinsteam verantwortlich zu sein. Die deutsche Auswahl auf das große Ziel WM zu fokussieren, ist ihm hervorragend gelungen. Nun den FC Bayern München zu übernehmen passt sehr gut zu seiner beruflichen Entwicklung. Die emotionale Führung ist eine seiner großen Stärken. Und er ist ein kluger analytischer Kopf, der immer lernen und sich weiter entwickeln will. Gerade jetzt ist er wieder in Sachen Fortbildung unterwegs. Das sind beste Voraussetzungen dafür, dass er auch beim FC Bayern Erfolg hat.

Skeptiker sagen, er werde sich mit seiner emotionalen Art beim FC Bayern schnell aufreiben.
Das ist Schwachsinn. Neben der sportlichen Entwicklung kann man vor allem durch emotionale Stärke die letzten Prozente Leistung aus einer Mannschaft herauskitzeln. Hier kommt es drauf an, dass Klinsmann klug variiert. Er schafft das, da bin ich mir sicher.

Sie haben einmal gesagt, die Gefühlsebene ist der Turbo einer Mannschaft. Wie meinen Sie das?
Alle Formen der emotionalen Führung sind wichtig. Das Vertrauen zwischen den Führungsspielern einer Mannschaft und dem Trainer muss da sein. Hier unterscheidet sich eine gute Mannschaft von einer sehr guten Mannschaft. Mit Druck, Macht und Geld kommt man nicht an die letzten Prozent Leistung heran. Mit Leidenschaft und Emotionen schon. Du musst Distanz und Nähe als Trainer klug balancieren.

Inwiefern hat sich die Arbeit des Bundesliga-Trainers verändert?
Die Zeit der One-Man-Show ist vorbei. Spezialisten im Trainerstab sind auf ihrem Fachgebiet einfach stärker. Gute Trainer umgeben sich immer häufiger mit solchen Spitzenleuten. Ein Trainer ist heute viel mehr als Führungspersönlichkeit gefragt, der in Teamarbeit mit Experten das Beste aus einer Mannschaft herausholt.

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Als Sie als Sportdirektor beim DFB im Gespräch waren, prasselte aus den Medien einiges auf Sie ein. Hat Sie das gestört?
Ich bin da relativ gelassen. Mein Selbstwertgefühl hängt nicht von Berichten in der Bild-Zeitung ab. Alle seriösen Zeitungen haben sehr positiv über diese Idee geschrieben und sich inhaltlich auseinandergesetzt

Und wie ist heute die Arbeit als Berater des DFB?
Die ist sehr respektvoll und konstruktiv. Ich werde dort zu vielen Ideen gehört und bringe mich ein. Die Zusammenarbeit entwickelt sich.

Die Trainerausbildung in Deutschland gilt als die beste der Welt.
Wer sagt das?

Das wird vom DFB immer mal wieder kommuniziert.
Beim DFB ist man sich einig, dass es hier Verbesserungen geben muss. Sportdirektor Matthias Sammer und der neue Trainerausbilder Frank Wormuth sind dabei, Verkrustungen aufzubrechen und neue Wege zu gehen. Erste Änderungen sind auf den Weg gebracht.

Wie sieht es in anderen Ländern aus?
In Spanien gibt es eine intensivere Ausbildung. Und ich habe mich auch mit der Schweizer Ausbildung auseinander gesetzt. Auch hier herrscht ein hoher Qualitätsstandard. Meiner Meinung nach reichen fünf Monate auf der Schulbank der Weisweiler-Akademie nicht, um eine Führungspersönlichkeit zu werden. Hierfür bedarf es einer stetigen Entwicklung und einer hohen Qualität in der Ausbildung in allen Bereichen. Damit meine ich neben den fußballfachlichen Aspekten vor allem die Bereiche Persönlichkeitsentwicklung, Führungsstärke, Kommunikation und Ausstrahlung.

Derzeit wird im deutschen Fußball viel über moderne Methoden diskutiert. Hat ein Umdenken tatsächlich eingesetzt oder betreiben die Klubs Symbolpolitik?
Sowohl als auch. In einigen Klubs ist etwas in Bewegung. Oft erzählen die Vereinsvertreter aber nur von modernen Trainingsmethoden, um Ruhe vor der Presse zu haben.

Als Sie vor gut zwei Jahren als Sportdirektor des DFB vorgesehen waren, gab es Vorbehalte gegen ihre Person. Spürten Sie die in Hoffenheim auch?
Nein, zu keiner Zeit. In Hoffenheim war man mir gegenüber von Beginn an sehr offen. Ich war sofort akzeptiert und von meinen Ideen ist man angetan. Man will von meiner anderen Perspektive profitieren. Ich kann hier strukturell arbeiten und somit auch die Sportart Fußball vielleicht befruchten. Vom blöden Hockeytrainer redet hier keiner.

Welche Rolle spielt dabei Cheftrainer Ralf Rangnick?
Es ist eine große Stärke von Ralf Rangnick, dass er neuen Dingen offen und interessiert gegenübersteht. Er nimmt Ratschläge aus anderen Bereichen an und setzt sich damit sofort auseinander. Wir führen viele qualitätsvolle Diskussionen.

Was genau ist ihre Aufgabe bei der TSG?
Ich arbeite übergreifend in verschieden Bereichen. Quasi als Schnittstelle zwischen dem Profi- und den Jugendbereichen. Es geht darum, vorhandene, gute Strukturen zu optimieren. Ich entwickle mit den Kollegen in Teamarbeit eine einheitliche Ausbildungsphilosophie, achte auf Stringenz in der Trainingsmethodik, coache die Trainer und liefere Vorschläge in der weiteren Verbesserung der Profimannschaft.

Von zahlreichen Hockey-Spielen hat man Sie noch als engagierten, lautstarken Coach am Spielfeldrand in Erinnerung. Vermissen Sie diese Arbeitsform?
Nein, das fehlt mir gar nicht. Ich bin total im Reinen mit mir. Der Job als Sportdirektor bei der TSG Hoffenheim ist für mich eine berufliche Weiterentwicklung. Ich lerne neue Bereiche kennen, die mir bisher verschlossen blieben. Mann muss wissen, dass ich schon drei Jahre vor meinem Wechsel das Gefühl zu einer Veränderung spürte. Und es war eine glückliche Fügung, dass zum Abschluss einer tollen und erfolgreichen Zeit der WM-Titel mit der Hockey-Nationalmannschaft stand.

Fußball-Deutschland spricht über die TSG Hoffenheim. Erklären Sie einmal den Unterschied zu anderen Klubs.
Es ist nicht unser Ehrgeiz, die Unterschiede zu anderen Vereinen herauszuarbeiten. Wir sind selbstbewusst und kümmern uns um unsere Angelegenheiten. Wir haben eine umfassende Ausbildungsphilosophie, die neben der sportlichen Komponente auch eine berufliche, schulische und soziale Entwicklung beinhaltet. Klappt es mit dem Profi-Fußball bei einem Talent nicht, soll es trotzdem auf das Leben vorbereitet sein. Und der Spieler soll sagen können, die Zeit in Hoffenheim hat mir etwas gebracht. Wir wollen Werte vermitteln, die neben und auf dem Platz gelten. Und wir wollen den Charakter schulen.

Sie lehnen eine frühzeitige Festlegung auf den Profi-Fußball ab?
Für mich gehört zur Leistungsphilosophie, dass alle Systeme weiterentwickelt werden müssen, weil sie sich gegenseitig befruchten. Die jungen Spieler werden dann zu einer kreativen Spielerpersönlichkeit, wenn sie auch ihren intellektuellen Horizont erweitern. Ich glaube, es ist gut, einen jungen Spieler Tag für Tag stark zu fordern.

Einen von internationalen Spitzenklubs umworbenen Spieler wie Eduardo kriegt man nicht nur über ein hohes Gehalt nach Hoffenheim. Wie haben Sie das hinbekommen?
Ich glaube, dass wir ihm mit Manager Jan Schindelmeiser, Ralf Rangnick und Dietmar Hopp mit sehr viel Leidenschaft gezeigt haben, dass wir in Hoffenheim nicht heiße Luft produzieren. Wir haben ihn mit viel Respekt und individueller Zuwendung davon überzeugt, dass er sich hier als Spieler und als Persönlichkeit gut entwickeln kann. Und wir haben ihm ständig menschliche Wärme zu Gute kommen lassen.

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