Startseite
Sie sind hier: Home > Sport > Specials > Sportkolleg >

Der zu Recht vergessene EM-Testlauf

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Vier-Länder-Turnier des DFB in Berlin zu Ostern 1988  

Der zu Recht vergessene EM-Testlauf

28.03.2008, 17:51 Uhr | Jörg Hausmann, t-online.de

DFB-Kapitän Klaus Allofs (li.) gegen Schwedens Roland Nilsson (Foto: imago)DFB-Kapitän Klaus Allofs (li.) gegen Schwedens Roland Nilsson (Foto: imago) Die spärliche Kulisse von 23.709 Zuschauern im imposanten Rund des Berliner Olympiastadions war noch zuviel für das, was auf dem Rasen geboten sein sollte. So aber stimmte an jenem 31. März 1988, dem Gründonnerstag, weder der Rahmen noch die Darbietung, als sich Vize-Weltmeister und EM-Gastgeber Deutschland gegen Schweden um eine Final-Teilnahme und eine Menge Sympathien brachte. Bei einem Turnier, das einmalig blieb und nur für und wegen der damals noch geteilten Stadt Berlin zur Austragung kam. 20 Jahre später erinnert sich niemand mehr an jenes Vier-Länder-Turnier zu Ostern.

Immer wieder 2:0

Nicht an Schwedens Erfolg im Elfmeterschießen über den Gastgeber, der sich zweieinhalb Monate vor dem Eröffnungsspiel der EM gegen Italien für aller Augen sichtbar noch in der Findungsphase befand. Nicht daran, dass die für die EM gar nicht qualifizierten Schweden das Turnier 48 Stunden nach ihrem Semifinalerfolg sogar gewannen – mit 2:0 gegen die Sowjetunion. Jene Sowjetunion, die Weltmeister Argentinien im zweiten Halbfinale jener Kompensationsveranstaltung 2:0 bezwungen hatte. Und jene Sowjetunion, die knappe drei Monate später wieder in einem Endspiel auf deutschem Boden stehen und erneut mit 0:2 verlieren sollte: in München gegen die Niederlande, im Kampf um die EM-Krone.

Aprilscherz?

Dass es die deutsche Elf um ein Haar bis in dieses EM-Finale von München schaffen würde, wo dann die UdSSR auf des Kaisers Mannen gewartet hätte, war am 31. März nicht abzusehen. Vielmehr mussten sich 23.709 Besucher in Berlin fühlen, als hätten sie Eintritt für einen vorzeitigen Aprilscherz bezahlt.

Im Paket mit drin

Der Leistung der Mannschaft um Kapitän Klaus Allofs entsprechend, erfüllten Pfiffe der Enttäuschung den weitgehend leeren Stadionriesen. Plötzlich hätte Berlin auf dieses Spektakel gerne verzichtet. Dabei war es ein vermeintlich hochkarätiger Ersatz für Entgehendes, hatte es doch die UEFA dem DFB bei der Vergabe der EM-Ausrichtung auf Grund der weltpolitischen Lage zur Auflage gemacht, auf das geteilte Berlin – anders als 1974 – als Austragungsort zu verzichten. Im Gegenzug verlegte der DFB seine Pokalendspiele nach Berlin – und packte jenes unspannende Vier-Länder-Turnier noch obendrauf.

Erste Torchance genutzt

Dessen erste 45 Minuten beendeten die müden Platzherren sogar in Führung liegend – wenn auch unverdient. Allofs hatte die erste Gelegenheit bei seiner Abschiedsvorstellung gleich zu seinem 17. und letzten Länderspieltreffer genutzt. Der EM-Torschützenkönig von 1980 versenkte einen Freistoß unhaltbar für Schwedens Torwart Jan Möller.

Keine Verlängerung

Nach der Pause dauerte es bis zur 74. Minute, ehe die Gäste aus Skandinavien mit dem längst überfälligen Ausgleichstor durch Peter Truedsson ihren Sieg einleiteten. Den stellten schließlich vier verwandelte Strafstöße sicher. Das Reglement sah das Elfmeterschießen direkt nach der regulären Spielzeit vor. Die Verlängerung wurde ausgelassen. An jenem Tag hätte sie das Leiden der DFB-Auswahl und ihrer Fans auch sicher nur verlängert.

Und Matthäus zielt schon wieder zu hoch

Dass die Elfmeter der Leistungsträger Lothar Matthäus (58. Länderspiel) und Rudi Völler (46.) ihr Ziel nicht fanden, passte dafür ins traurige Bild. Wie schon vier Jahre zuvor im DFB-Pokalfinale von Frankfurt jagte Matthäus die Kugel über die Querlatte und untermauerte seinen seinerzeit noch manifestierten Ruf des Versagens in großen und wichtigen Momenten. Mit der WM in Italien zwei Jahre später sollte sich dies grundlegend ändern.

Kaum Interesse am WM-Finale von 1986

Unerwarteterweise kam es am 2. April 1988 also nicht nur zum Aufeinandertreffen Schwedens und der Sowjetunion um den Turniersieg, sondern vor allem im "Kleinen Finale" auch zur Neuauflage des WM-Endspiels von 1986 gegen Argentinien. Das interessierte wiederum lediglich 25.000 Menschen.

Ersatzkapitän Matthäus stellt den Sieg sicher

Lothar Matthäus (li.) bejubelt sein Siegtor gegen Argentinien (Foto: dpa)Lothar Matthäus (li.) bejubelt sein Siegtor gegen Argentinien (Foto: dpa) Sie erlebten einen kaum motivierten Weltmeister aus Südamerika, der einer von Franz Beckenbauer umformierten deutschen Elf den Roten Teppich ausrollte, um sich zu rehabilitieren. Elfmeterversager Matthäus, der für den verletzten Allofs die Kapitänsbinde trug, entschied nach einer halben Stunde die Auseinandersetzung mit einem sehenswerten Schuss.

Klinsmann und Eckstein fallen auf

Argentiniens Kapitän Diego Maradona (li.) wird von Uli Borowka gelegt (Foto: dpa)Argentiniens Kapitän Diego Maradona (li.) wird von Uli Borowka gelegt (Foto: dpa) Ansonsten gefielen noch die beiden neuen Stürmer Jürgen Klinsmann und Dieter Eckstein - mit zusammen sieben Länderspielen – dank ihrer Lauffreude. Zuschauen mussten nach dem Schweden-Spiel die beiden Verteidiger und späteren Aachener Cheftrainer Michael Frontzeck und Guido Buchwald. Dafür debütierte der Bremer Ulrich Borowka, dem die Sonderbewachung Diego Maradonas zufiel. Der gegen die "Tre Kronors" nach 75 Minuten gegen Wolfgang Rolff ausgetauschte Pierre Littbarski machte dem Leverkusener vom Anpfiff weg Platz. Und auch Borowkas Vereinskollege Frank Neubarth durfte sich für neun Minuten an Stelle Ecksteins Nationalspieler nennen.

Auf dem Weg zum WM-Sieg 1990

Schweden gewann durch Tore von Hans Eskilsson und dem früheren Düsseldorfer Hans Holmqvist ein Turnier, das aus deutscher Sicht den heutigen Bremer Sportdirektor Klaus Allofs und Bielefelds heutigen Cheftrainer Michael Frontzeck aus dem EM-Kader gespült und bewiesen hatte, wieviel Arbeit noch auf den Teamchef wartete. Aus heutiger Sicht waren diese vergessene EM-Sichtung und die darauf folgende EM jedoch wichtige Schritte zum WM-Triumph von Rom 1990.

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.

Kommentare

(0)
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Rutschpartie des Jahres 
Selbst der Schneepflug scheitert an diesem Hügel

Das Video begeistert schon mehr als 22 Millionen Menschen im Internet. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
Jetzt EntertainTV Plus bestellen und 1 Jahr sparen!

EntertainTV Plus 1 Jahr statt 14,95 € für 4,95 €* mtl. sichern. www.telekom.de Shopping

Shopping
Macht den Kaffeemoment zur besten Zeit des Tages

Siemens Kaffeevollautomat der EQ Serie: Erfahren Sie vollendeten Kaffeegenuss. von OTTO

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de
Sport von A bis Z

Anzeige
shopping-portal