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Wenn die Tribüne Punkte holt...

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Sportkolleg - Fangesänge  

Wenn die Tribüne Punkte holt...

17.04.2008, 04:06 Uhr | Jörg Hausmann, t-online.de

Fußball-Fans in Mainz (Foto: imago)Fußball-Fans in Mainz (Foto: imago) Der wahre, der leidenschaftliche Fan ist für seine Arbeitskollegen noch Montag morgens kaum zu verstehen - Folge der akustischen Unterstützung am Bundesligawochenende. Voller Inbrunst und Leidenschaft dargebracht, meist angeleitet von wagemutigen Einpeitschern und an einer traditionellen Choreografie orientiert, gehört der Fangesang aus der jeweils lautesten Kurve zum guten Ton einer jeden Arena. Zum weltweit geachteten und nachgeahmten Klassiker brachte es dabei das Vereinslied des FC Liverpool: "You’ll never walk alone"

Die vielleicht berühmteste Wand der Welt

Die berühmte Stehtribüne im Stadion an der Anfield Road - "The Kop" - war vor allem in den erfolgreichsten Jahrzehnten der Reds in den 70er und 80er Jahren für so manchen errungenen Sieg oder auch nur Punkt verantwortlich. Unzählige Legenden ranken sich ganz allgemein um die Vorzeige-"Schlachtenbummler" von der britischen Insel, die ihren Mannschaften und Stars mit ihrer Stimmgewalt voranmarschieren wie dereinst die Trompeter den ins Felde ziehenden Armeen.

Die Insel schaut nur zu

Allerdings: 12 Jahre, nachdem der Fußball anlässlich der EM-Endrunde nach Hause kam in sein vermeintliches Mutterland, schauen Engländer wie Schotten, Iren wie Waliser, und auch einmal mehr die Nordiren dem Treiben beim bedeutendsten kontinentalen Kräftemessen nur zu. Auch die sprichwörtliche Stimmgewalt seines nicht immer pflegeleichten und nüchternen, aber stets lauten Anhangs verhinderte die Totalaussperrung des britischen und irischen Fußballs in Österreich und der Schweiz nicht. Trotzdem wird so mancher adaptierte Klassiker (siehe oben) zwischen dem 7. und 29. Juni von den Alpen bis zum Ärmelkanal widerhallen. Insofern dient, was eigentlich abgrenzen soll vom "Feindeslager", letzten Endes zur Völkerverständigung innerhalb der großen Fußballfangemeinde.

Der bayerische Ohrwurm

Die ist sich - was die heimische Bundesliga angeht - weitgehend einig darin, dass dem FC Bayern seine Lederhosen ausgezogen gehören. Wenig passend, um während der EM intoniert zu werden, wohl aber oft genug orales Doping für das kickende Personal des deutschen Rekordmeisters.

Das zweite Tor zur rechten Zeit

Unvergessen ist dessen Auftritt auf Schalke am 05.11.2006. Jedoch weniger aus sportlicher Sicht (Endstand: 2:2). Der ansonsten für seine Treue bekannte Anhang der gastgebenden Knappen quittierte das enttäuschende 0:3 von Stuttgart mit einem 20-minütigen Streik. Keinerlei Geste der Anfeuerung entwich dem königsblauen Block, der dem Geschehen gar gänzlich den Rücken zudrehte. Bis Levan Kobiashvilis Geschoss, das zum 2:0 an Münchens Titan Oliver Kahn vorbei in die Maschen jagte, just in dem Moment die Blockade auf den Rängen löste, als sich dort fahrplangemäß wieder Interesse regen sollte. Diese noch sehr junge Form der Verweigerungshaltung auf der Tribüne als direkte Antwort auf Arbeitsverweigerung auf dem Rasen macht in der Bundesliga in den letzten Jahren durchaus Schule und dem im Stich gelassenen Personal - siehe Schalke - durchaus Beine

Dänischer Gesangsmarathon

Ein UEFA-Pokal-Achtelfinal-Auftritt des Schalker Erzrivalen Borussia Dortmund lieferte am 25. November 1993 ein glattes Gegenbeispiel: Bröndby Kopenhagens Fans untermauerten den ausgezeichneten Ruf dänischer Fußballbegeisterter und bewiesen eine echte Pferdelunge. Die komplette zweite Halbzeit erschall im Gesang der Wikinger. Das Resultat jedoch stimmte eher für den schwarz-gelben Gast: Bröndby IF reiste mit einem 1:1 ins für seine Stimmung ebenso berühmte Westfalenstadion, wo der BVB mit 1:0 die Oberhand behielt

Hamburger Kühlschrank

Während dänische Fans in der allgemeinen Wahrnehmung, Feuer mit Fairness zu verbinden, gerne mit den Schotten auf einer Stufe stehen, waren die nur wenige Kilometer südlich der dänischen Grenze beheimateten Hamburger jahrelang dafür gefürchtet, trotz massenhafter Erfolge das Volksparkstadion des HSV in einen Kühlschrank zu verwandeln. Legendär das Klagen des früheren HSV-Liberi Franz Beckenbauer über die Totengräberstimmung in der ehemaligen hanseatischen Betonburg, als der Kaiser in seiner Funktion als DFB-Teamchef mit der Nationalmannschaft im EM-Halbfinale 1988 an den Niederländern gescheitert war. Nicht anders jedoch erlebte es Beckenbauer als Aktiver oft genug auch in seiner Münchner Heimat, im weiten Rund des oft meteorologisch wie stimmungstechnisch bitterkalten Olympiastadions. Und die schon dort nicht gerade für ihre Stimmgewalt gerühmten Fans des Rekordmeisters beweisen seit dem Umzug in die Allianz-Arena, dass auch ein schmuckes und enges Stadion nur dann lebt, wenn seine Fans leben.

Hochburg Südamerika

Tipps wüssten die brasilianischen Angestellten des FC Bayern aus ihrer südamerikanischen Heimat zuhauf zu geben. Am Zuckerhut - aber auch in Argentinien - sind Sambaklänge und -tanz an der Tagesordnung, werden Trommeln ohne Unterlass geschlagen, wie es in der Bundesliga nur der legendäre Gladbacher Einpeitscher mit dem spanischen Herzen tat: Manolo.

Kuhglocken als Pendant zu Afrikas Zauberinstrumenten

Zu Jahresbeginn 2008 lieferte auch der African Cup of Nations einmal mehr ein anhaltendes Beispiel für akustische Untermalung, wie sie sein soll: voller Lebensfreude, Schwung und Magie, voller Leidenschaft und Friedfertigkeit, mit Wiedererkennungswert und Animation. Die EM steht vor der Tür und die Schweizer Kuhglocken bereit.

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