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EM 2008: Lizarazu über Matthäus, Hitzfeld und Wellenreiten

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EM 2008  

"Matthäus war arrogant, Hitzfeld ist ein Supertrainer"

21.04.2008, 21:04 Uhr | t-online.de

Das Interview in St. Jean de Luz führte Jörg Runde

Bixente Lizarazu lobt Ottmar Hitzfeld (Foto: imago)Bixente Lizarazu lobt Ottmar Hitzfeld (Foto: imago) Vor fast genau zwei Jahren beendete Bixente Lizarazu seine Karriere. Der 1,69-Meter große Linksverteidiger ist einer der erfolgreichsten Fußballer aller Zeiten. Mit Frankreich wurde er Welt- und Europameister und mit dem FC Bayern München gewann er neben sechs deutschen Meisterschaften auch die Champions League und den Weltpokal. Heute lebt er in seinem Geburtsort St. Jean de Luz im französischen Teil des Baskenlandes. Im T-Online Interview spricht der 38-Jährige über sein neues Leben als Surfer, Fußball-Experte und über Lothar Matthäus.

T-Online: Herr Lizarazu, waren Sie heute eigentlich schon surfen?
Bixente Lizarazu: Nein, die Wellen waren zu klein.

Freunde von Ihnen erzählen aber, Sie seien täglich im Wasser und dann auch gar nicht mehr raus zu kriegen.
Ich versuche wirklich jede freie Minute mit Wellenreiten zu verbringen. Und so bin ich schon ab und zu sechs oder sieben Stunden am Tag im Wasser.

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Auch im Winter?
Nein, ich war in diesem Winter nur zweimal im Wasser. Und dann auch nur knapp vier Stunden.

Das muss lausig kalt sein?
Ist es auch. Das Wasser hatte glaube ich 12 Grad und die Luft hatte so um die drei Grad. Aber wenn ich surfe, vergesse ich das alles. Auch die Kälte.

Was bedeutet Ihnen Surfen?
Im Sommer 2006 habe ich meine Karriere beendet. Seitdem ist Surfen, nach meiner Familie und meinen Freunden natürlich, das Wichtigste überhaupt. Es hilft mir, körperlich fit zu bleiben. Wenn man ein ganzes Leben lang täglich Sport gemacht hat, ist das ganz wichtig. Ich liebe diesen Sport, er tut mir gut.

Planen Sie eine zweite Karriere als Profisurfer?
Nein absolut nicht. Das funktioniert nicht mehr. Dafür fehlt mir zu viel. Ich will mich so gut es geht verbessern. Diesen Ehrgeiz habe ich noch. Ich spüre voller Freude, wie ich mit jeder Session ein kleines bisschen stärker werde. Das ist ein neues Gefühl, beim Fußball ging es doch am Ende nur noch darum, das hohe Niveau zu halten. Besser werden, ging fast gar nicht mehr.  

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Was war Ihre größte Welle, die Sie gesurft sind?
Die war vier Meter hoch, das war in Indonesien. Das war ein Hammerteil aber ein wunderschönes Gefühl.

Da reagiert jeder normale Mensch mit Angst.
Ich auch. Aber nur einen Moment, als ich aufstand. Das ist immer so. Beim Wellenreiten gibt es diesen kurzen Augenblick, wenn einen die Welle ergreift und man in die Wellenwand schaut. Da kommt die Angst. Dann muss man aber bereits handeln und jeden Fehler vermeiden. Sonst endet es böse. Das ist das Faszinierende am Wellenreiten. Diese volle Konzentration auf einen kurzen Moment, um dann den Fluss der Welle zu spüren.

Ist Surfen für Sie auch eine Art von Meditation?
Surfen ist sehr vielschichtig. Entscheidend ist: Wenn ich im Wasser bin, fühle ich mich frei. Ich kann nachdenken, reflektieren, Kraft sammeln und werde nicht von Handys, Emails und anderen Dingen abgelenkt. Ich fühle dann eine unglaubliche Freiheit. Dazu ist jeder Tag auf den Wellen ein wahnsinniges Naturerlebnis, das ich über alles genieße.

Sie sorgen sich um dieses Naturerlebnis und engagieren sich deshalb im Umweltschutz.
Ja, ich unterstütze die Surfrider Foundation und habe eine eigene Umwelt-Organisation, die sich „Liza für ein blaues Meer“ nennt. Wir gehen an Schulen und informieren die Kinder, wie man den Strand sauber hält, wie man Energie und Wasser spart. Zuletzt war sogar der französische Umweltminister bei einer unserer Aktionen. Ich will unbedingt, dass die Menschen respektvoll mit der Natur umgehen.

Wie kam es zu ihrem Engagement?
Der Auslöser für meine Umweltinitiative war die Tanker-Katastrophe 2003, als das Öl des gebrochenen Tankers Prestige die baskische Küste komplett verdreckte. Das war eine Katastrophe. Und ich wollte nicht nur über die Umweltprobleme reden, sondern auch etwas tun. Ich will einen Beitrag leisten, dass unser Planet geschützt wird.

Sehen wir Bixente Lizarazu bald als Politiker?
Nein, ich glaube ich kann mit meinem Namen auch einiges bewegen. Und als Surfer bin ich doch als Umweltschützer absolut authentisch. Die Politik ist ein Geschäft, das mir nicht gefällt. Das ist nicht meine Welt, in die passe ich absolut nicht hinein.  

Ist das Fußball-Geschäft ihre Welt?
Ja. Fußball ist nach wie vor sehr wichtig in meinem Leben. Ich bin Experte beim TV-Sender Canal Plus und dem Radiosender RTL sowie als Kolumnist bei der täglichen Sportzeitung  L’ Equipe aktiv. Da gibt es viel zu tun und ich bin viel unterwegs. Bei der Champions League, der Europameisterschaft und auch bei Olympia in Peking – immer bin ich vor Ort.

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Klingt nach vielen Verpflichtungen.
Stimmt. Aber ganz wichtig ist, ich entscheide, was ich tun und lassen kann. Ich teile mir die Jobs ein. Wenn ich Ski fahren will, gehe ich Skifahren. Wenn ich surfen gehen will, gehe ich surfen. Das ist der pure Genuss.

Andere Ex-Profis wirken weniger zufrieden mit ihrem Leben nach der Sportlerkarriere. Für Sie ist das bestimmt schwer nachzuvollziehen?
Keineswegs. Ich kann das gut verstehen. Wenn Du dein ganzes Leben auf eine Sache fokussierst und das fällt dann weg, das ist hart. Das wichtige ist, die neue Rolle zu akzeptieren. Ich bin ja auch weiterhin Teil des Fußball-Geschäftes und will das auch bleiben. So wie Franz Beckenbauer, der ist auch immer irgendwie dabei geblieben. Für mich ist es entscheidend, jetzt mein eigener Chef zu sein.

Als Profi war das nicht so. Hat Sie das gestört?
Ja, im Fußball bist Du niemals, wirklich niemals dein eigener Chef. Es gibt so viele Leute die etwas zu sagen haben. Der Trainer, der Präsident, der Vorstand. Alle wissen es besser. Das war immer sehr hart für mich. Ich war froh einen Großteil meiner Zeit mit Ottmar Hitzfeld und Aimé Jaquet zusammen gearbeitet zu haben.

Was war so Besonders an den beiden?
Sie habe es verstanden uns Spieler zu akzeptieren wie wir sind. Sie hatten Vertrauen in uns und haben uns individuellen Freiraum gelassen. Vor allem Ottmar Hitzfeld hat das in der täglichen Arbeit beim FC Bayern immer sehr gut hinbekommen. Er hat mir den Freiraum gegeben, mein Leben selber zu organisieren. Vor Hitzfeld habe ich riesengroßen Respekt. Er ist ein sensationell guter Trainer, der beste Vereinstrainer, den ich hatte.

Würden Sie auch mit dem Trainer Lothar Matthäus klar kommen?
Warum nicht?

Sie haben ihm immerhin mal eine geklebt.
Damals hatte sich in mir etwas angestaut. Ich hatte einfach genug davon, wie Lothar mit den Kollegen umgegangen ist. Gar nicht unbedingt mit mir, sondern mit anderen Spielern. Er war damals der große Star und sehr arrogant. Er wusste immer alles besser und hat es die Kollegen spüren lassen. Mich hat das genervt und irgendwann war das Fass übergelaufen. Aber nach meiner Aktion wurde alles anders.

Inwiefern?
Danach hatten weder ich noch Kollegen Probleme mit Lothar. Er hatte kapiert, dass er über das Ziel hinaus geschossen war. Und der Respekt mir gegenüber war noch viel größer. Jeder in der Mannschaft und in der Öffentlichkeit wusste: Lizarazu ist freundlich und nett aber er kann auch anders.

An welches Spiel im Bayern-Trikot denken Sie am liebsten zurück?
Da ist natürlich der Champions-League-Sieg 2001. Das war ein großartiges Erlebnis. Das beste Spiel war allerdings das Zwischenrunden-Duell mit Real Madrid eine Saison zuvor. Da haben wir in Madrid mit 4:2 gewonnen. Das war ein toller Sieg und ich habe einen wahnsinnigen Teamgeist gespürt, der den Charakter dieser Bayern-Mannschaft ausgemacht hat.

Beschreiben Sie einmal den Mythos FC Bayern.
Den FC Bayern zeichnet ein starker Charakter aus. Es werden immer Spieler geholt, die den unbedingten Willen haben zu gewinnen, die von sich absolut überzeugt sind. Zu meiner Zeit war sowohl im Training eine große Aggressivität zu spüren, als auch im Spiel. Wir hatten große Spieler wie Oliver Kahn, Lothar Matthäus, Stefan Effenberg oder Giovane Elber. Das waren Charaktere, die niemals aufgegeben haben.

Hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft genug Charakter um den Europameister-Titel zu holen.
Sie hat auf jeden Fall das Talent dazu, genau wie Frankreich, Italien, Portugal oder auch Spanien. Wer am Ende die Nase vorne hat entscheidet sich in der Vorbereitung und im Laufe des Turniers. Da entwickelt sich neben der körperlichen Stärke auch der Charakter.

Wen sehen Sie ganz vorne?
Die Mannschaften, die ich aufgezählt habe, sehe ich vorne. Vor allem die Spanier muss man auf der Rechnung haben. Sie erinnern mich an unsere WM-Mannschaft von 1998. Damals haben wir als Nationalteam von Spielern in den verschiedenen Ligen Europas profitiert. Alle haben ihre Erfahrungen eingebracht und die Mannschaft vorangetrieben. So könnte es bei den Spaniern auch sein. Sie akzeptieren endlich ihre internationalen Starts wie Fabregas und Torres.

Und wer wird der Superstar?
Franck Ribéry ist sicherlich ein Kandidat. Und natürlich Christiano Ronaldo. Er hat sich in den vergangenen zwei Jahren am besten weiterentwickelt.

Wenn Sie an ihre eigenen Titel denken. Welches war der Wichtigste?
Den WM-Titel im eigenen Land war einfach unbeschreiblich, phänomenal, phantastisch. Diese Welle der Begeisterung, dieses Gefühl, das war unerreichbar. So etwas wird nie wiederkommen.

Nicht einmal, wenn Sie die perfekte Welle surfen?
Dann vielleicht schon.

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