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EM 2008: Klinsmann und Sammer - Keine Freunde fürs Leben

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EM 2008 - Nationalmannschaft  

Klinsmann und Sammer: Keine Freunde fürs Leben

28.04.2008, 18:30 Uhr | dpa

Kontrahenten beim DFB: Sammer und Klinsmann (Fotos: imago)Kontrahenten beim DFB: Sammer und Klinsmann (Fotos: imago) Bernhard Peters hat erstmals Details über seine gescheiterte Ernennung zum Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) enthüllt. In seinem Buch "Führungs-Spiel", das er in Hamburg vorstellte, schildert der frühere Hockey-Weltmeistercoach und heutige Sportdirektor des Fußball-Zweitligisten TSG 1899 Hoffenheim, wie im Frühjahr 2006 Bundestrainer Jürgen Klinsmann beim entscheidenden Treff in der DFB-Zentrale vergeblich versuchte, Peters durchzudrücken und den Rivalen Matthias Sammer zu verhindern. "Das hat Klinsmann als weitreichende Entscheidung gegen sich begriffen. Neben anderen Punkten hat ihn das mittelbar veranlasst, nach der WM aufzuhören", sagte Peters. Er betonte: "Anfangs war ich enttäuscht und traurig. Heute bin ich froh, wie es gekommen ist: Ich habe in Hoffenheim die passende Aufgabe gefunden, erfahre im DFB-Kompetenzteam großen Respekt und komme auch mit Sammer gut klar."

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Klinsmann "wie ein aggressiver Tiger im Käfig"

Dabei hatte es vor gut zwei Jahren den Anschein gehabt, als sei sein Weg zum DFB-Funktionär geebnet. Doch statt mit Klinsmann & Co. über Inhalte zu sprechen, präsentierte Teammanager Oliver Bierhoff den verblüfften Zuhörern den DFB-Präsidiums-Gegenkandidaten Sammer. "Jürgen war sofort auf 180", schrieb Peters im Kapitel "Wie ich als 'Klinsmanns Hockeytrainer' um ein Haar den deutschen Fußball ruiniert hätte" - und schildert mit dem ihm eigenen Humor die entscheidenden Stunden im 7. Stock einer Düsseldorfer Privatbank. Klinsmann sei dann "wie ein aggressiver Tiger im Käfig" aufgetreten und habe betont: "Nein! Die Sache ist entschieden. Ich will Matthias auf keinen Fall."

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"Es wird keine Zusammenarbeit geben"

Als DFB-Präsident Theo Zwanziger Tage später in der DFB-Zentrale Klinsmann von einem erneuten Gespräch mit Sammer unterrichtete, habe der Coach zwar mühsam die Contenance bewahrt, aber erneut klar gemacht: "Es wird zwischen mir und Matthias keine Zusammenarbeit geben." Peters aber war rasch klar, "dass der Widerstand gegen mich als Sportdirektor offenbar groß ist". Am Tag vor der entscheidenden Sitzung teilte ihm Zwanziger dann telefonisch mit, dass er im DFB- Präsidium von einem Votum pro Sammer ausgehe, er sich aber eine spätere Kooperation mit Peters vorstellen könne und auch wünsche.

Peters: "Sammer macht eine sehr gute Arbeit"


"Wir konnten vielen im Präsidium nicht vermitteln, wieso jemand aus einer Sportart wie Hockey durch seine Sichtweise auch im Spitzen-Fußball konzeptionell wirken kann", sagt Peters rückblickend. Dass es anders gekommen ist, empfindet er für sich als Glück und gut für alle Seiten. "Im Kompetenz-Team kann ich vieles einbringen, da ich vieles aus einem anderen Blickwinkel sehe als jene, die schon lange im System sind. Und für Matthias Sammer, der eine sehr gute Arbeit macht, spricht, dass er mich einzubinden weiß." Beim aufstrebenden Klub in Hoffenheim schuf unter Führung von Trainer Ralf Rangnick eine Art Kompetenz-Team die Basis für den baldigen Erstliga-Aufstieg. "Bei uns ist die Arbeit auf viele intelligente Füße gestellt", so Peters.

"Coach durch ständiges Hinzulernen"

Als Direktor für Sport- und Nachwuchsförderung kann er die von ihm propagierten und in seinem Buch dargestellten "Erfolgsgeheimnisse des Spitzensports" umsetzen. Wie in 21 Jahren als Coach beim Deutschen Hockey-Bund (DHB), wo 5 Teams unter seiner Führung Weltmeister-Titel gewannen, baut er auf seine innovativen Methoden und die Philosophie der emotionalen Führung. Er setzt auf akribische Vorbereitung, er vertraut einem Team ausgewiesener Experten, von denen er sich beraten lässt, und er ist auch selbst bereit, Führungsstil und Persönlichkeit stetig weiterzuentwickeln. "Wenn man von der Schulbank kommt, ist man noch kein fertiger Coach. Das wird man durch ständiges Hinzulernen."

Klinsmann: Fußball um Lichtjahre zurück

Schon als Hockey-Coach hat er großen Wert auf den "ganzheitlichen Ansatz zur Führung eines Teams" gelegt: Dahinter verbirgt sich die Notwendigkeit, die Spieler auch als Menschen zu begleiten, sie extrem zu fordern, zugleich aber auf außersportlichem Gebiet zu fördern. Damit hat Peters, der auch den für den DFB tätigen Sportpsychologen und "Führungs-Spiel"-Co-Autoren Hans-Dieter Hermann für die Nationalelf empfohlen hat, bei Klinsmann großen Eindruck hinterlassen, schrieb er in dem im Heyne Verlag erschienenen Buch, zu dem Klinsmann das Vorwort verfasst hat. Als Peters dem Fußball-Coach erstmals seine Ideen vorstellte, habe dieser interessiert mitgeschrieben: "Manchmal schaute er auf und murmelte etwas davon, dass der Fußball, ja um Lichtjahre zurück sei."

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