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Fußballgott: Die Wege des Herrn sind unergründlich

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Sportkolleg - Fussballgott  

Die Wege des Herrn sind unergründlich

01.05.2008, 17:19 Uhr | Jörg Hausmann, t-online.de

Luca Toni im Interview mit Dr. Marcel Reif-Ranicki (Foto: T-Online)Luca Toni im Interview mit Dr. Marcel Reif-Ranicki (Foto: T-Online)Die Suche nach ihm ist schier so alt wie das Spiel selbst. Nicht wenige Fans haben ihren Fußballgott indes längst gefunden und feiern ihn Spieltag für Spieltag lautstark bei jeder Ballberührung. Andere wiederum glauben nicht an seine Personalisierung in Fleisches Form und Trikot des Lieblingsvereins. Sie sind Anhänger der stillen, inneren Einkehr: in dem festen Glauben, dass der Fußballgott im entscheidenden Moment eingreifen und sich insofern im Endergebnis zeigen wird.

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Der Fußballgott ist ein Bayer

Wer den UEFA-Pokal-Auftritt des FC Bayern München in Getafe am 10. April 2008 verfolgt und darum noch in frischer Erinnerung hat, wird sich in der Ansicht bestätigt fühlen, dass der Fußballgott in der bayerischen Landeshauptstadt residiert. Und auch das DFB-Pokalendspiel gegen Borussia Dortmund am 19. April 2008 verlief unter dem Strich nicht unbedingt ungünstig für den deutschen Rekordmeister und –pokalsieger.

Die Sache mit dem Dusel

Als Sinnbild des angeblichen "Bayern-Dusels", das mehr ein gefühltes denn ein wissenschaftlich nachweisbares Phänomen darstellt, gilt aber wohl für alle Tage das Bundesligafinale von 2001. Damals ließ der vermeintliche Fußballgott den FC Schalke 04 und dessen königsblauen Anhang schmählichst im Stich und ermöglichte stattdessen den Bayern in Hamburg in letzter Sekunde noch den dritten Meisterschaftshattrick ihrer Bundesligageschichte.

1999 – aber auch 2001

Doch irgendwie ist die These, der Fußballgott sei eingetragenes Mitglied bei den Roten, alleine auf Grund des Champions-League-Finales von Barcelona am 26. Mai 1999 gegen Manchester United und seines legendären Endes nicht haltbar. Andererseits beweist wiederum der Sieg der Bayern im Mailänder Elfmeterschießen von 2001 über den FC Valencia, dass der Fußballgott auch gerecht ist.

Göttliche Konzessionsentscheidungen?

Insbesondere nach strittigen Schiedsrichterentscheidungen, die in ihrer Unantastbarkeit manches Mal einer "göttlichen" Entscheidung gleichkommen, bemühen die Beteiligten gerne die Weisheit des sich während einer Saison ausgleichenden Glücks und Pechs. Da scheint etwas dran zu sein, und folgende Beispiele stärken den Glauben an eine ebenso unsichtbare wie gerechte Macht: Warum gewann Englands Nationalmannschaft seit Tofik Bachramows Abnicken des berühmten Wembley-Tores im WM-Finale 1966 gegen Deutschland nichts mehr und schied 30 Jahre später an gleicher Stelle im Elfmeterschießen ausgerechnet gegen Deutschland aus der heimischen EM aus? Warum büßte Diego Maradona die "Hand Gottes" aus dem WM-Viertelfinale 1986 gegen England mit dem Verlust des Titels 1990 und seinem spektakulären Drogen-Ausschluss von der WM 1994? Warum siegte Schalke nach den "meisterlichen" Tränen 2001 und 2002 zwei Mal nacheinander im DFB-Pokal?

Göttlicher Übersteiger zum 5:1

Die zwei Mal nacheinander nur äußerst knapp am Aufstieg gescheiterten Mainzer hatten den Glauben an den Fußballgott bereits verloren, während er in Frankfurt schon zum Saisonende 1999 erschien – in Person des norwegischen Stürmers Jan Age Fjörtoft. Dessen entscheidendes fünftes Tor gegen den 1. FC Kaiserslautern setzte seinerzeit den Schlusspunkt unter das unglaublichste Abstiegsfinale der Bundesliga. Seitdem jedoch flossen am Main auch schon wieder zwei Mal bittere Abstiegstränen...

Riten und Mythen

Unbeeinflussbar scheint das Schema des Gebens und Nehmens, oder – um im kirchlichen Jargon zu bleiben: „Die Wege des Herrn sind unergründlich.“ Trotzdem führen uns vor allem die afrikanischen Fußballer und deren Anhänger immer wieder auf skurrilste und bizarrste Art und Weise ihre magischen Versuche vor, den Herrn gnädig zu stimmen und auf den Spielausgang Einfluss zu nehmen. Auch der Südeuropäer ist nicht ganz frei von derlei eigenwilligen Ritualen des Aberglaubens, die mit der Bekreuzigung beim Gang aufs Spielfeld beginnen und mit dem Verspritzen geweihten Wassers, das Italiens Maestro Giovanni Trapattoni während der WM 2002 in Japan und Südkorea gerne mit sich führte, enden

Die Bibel im Mittelkreis

Leverkusens zahlreiche Brasilianer führten vor knapp zwei Jahrzehnten das Buch der Bücher, dessen intensives Studium in Bibelkreisen und mit dem Namen "Jesu" versehene Shirts in der Bundesliga ein, deren spontane Veröffentlichung seitdem Teil des gepflegten Torjubels nach Art des Zauberers vom Zuckerhut ist.

Seit 1954 ist der Fußballgott bekannt

Der Gefahr der Verwechslung des tatsächlichen Gottes mit jenem, der für die Fußballer zuständig ist, baute schon am 4. Juli 1954 ein gewisser Herbert Zimmermann vor. Der deutsche Radioreporter hat ihn damals gesehen, den Fußballgott, leibhaftig und 90 Minuten lang, gekleidet in unauffälligem Schwarz und auf den eingängigen Namen "Toni" hörend. Er stand im Tor der deutschen Nationalmannschaft und ließ die Ungarn den Glauben an die Kraft ihrer höheren Fußballkunst verlieren.

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