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FC Bayern München: Der letzte Einsatz des Oliver Kahn

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FC Bayern München  

Der 557. und letzte Einsatz des Titans

17.05.2008, 19:46 Uhr | sid

Der Titan geht: Mach's guat, Olli! (Foto: imago)Der Titan geht: Mach's guat, Olli! (Foto: imago) Ein Jahr lang wurde dieser Moment vor allem auch medial vorbereitet, der Betroffene durch die Fernsehstudios gereicht und von manchem intellektuellen Blatt als Interviewpartner entdeckt: Nach 21 Jahren Bundesliga und 557 Spielen hat Oliver Kahn heute gegen Hertha BSC seine aktive Karriere beendet. Eine Karriere mit unzähligen Höhepunkten, aber auch schmerzlichen Rückschlägen. Drei Mal wurde der so genannte Titan zum Welttorhüter gewählt. Der gebürtige Karlsruher war Europameister, Champions-League- und UEFA-Cup-Sieger, achtmaliger deutsche Meister und sechsmaliger Pokalsieger. Und vor allem wurde er in den vergangenen Wochen, Monaten und gar Jahren vielen Fans, die ihn auf Grund seines Ehrgeizes auf dem Platz nie mochten, tatsächlich sympathisch: als Mensch Kahn.

Rückblick Kahns Karriere in Bildern
Foto-Show Kahns Ausraster

Dieses verflixte WM-Finale gegen Brasilien

Ein entscheidendes Bild ist als Initialzündung in diese Richtung bereits vor sechs Jahren geschossen worden: Damals saß der heute 38-Jährige auf dem Rasen, lehnte am Pfosten und blickte ins Leere. Kurz zuvor war der beste Spieler der Weltmeisterschaft noch der Titan, der King Kahn - jetzt, nach seinem Fehler im Finale gegen Brasilien, nur noch ein trauriger Mensch. Ein Wendepunkt in seiner Laufbahn. Der stete Aufstieg zum Übermenschen war vorbei. "Die Tragik des Torhüterspiels" zeige diese Szene, sagt Kahn im Rückblick, und zugleich den anspornenden "Kitzel, zwischen Held und Versager zu schweben".

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Der Mensch Kahn scheint plötzlich durch

Heute hat Kahn sein 557. und letztes Bundesliga-Spiel erlebt - und bei seinem Abschied die ganze Zuneigung aufgesaugt, die ihm in seiner beeindruckenden Karriere erst spät zuteil wurde. Eigentlich erst seit seiner Ausbootung im Vorfeld der WM 2006 im eigenen Land. Urplötzlich in die Rolle des Ersatzmannes und eines Mannschaftsmaskottchens gedrängt, ging das fußballinteressierte Volk plötzlich auf Tuchfühlung zum Menschen Kahn, der da hinter der Fassade des "Tiers", das alle vom Rasen kannten, durchschimmerte. Unvergessen jene Szene vor dem spannenden Elfmeterschießen des Viertelfinals gegen Argentinien, als Kahn jeden Konkurrenzkampf mit Jens Lehmann vergessen ließ und der neuen Nummer eins kameradschaftlich Aufmunterung und Tipps spendete. "Die Erfahrung, dass man nicht immer nur auf dem Platz stehen und gewinnen muss, um wirklich erfolgreich zu sein, war sehr befreiend", sagt Kahn heute.

Den Fußballtunnel verlassen

Kapitän Kahn geht - Bayern München und der deutsche Fußball verlieren eine Symbolfigur. Die bittere 0:2-Niederlage im WM-Endspiel 2002, eingeleitet durch Kahns einzigen Patzer im Turnier, kennzeichnete nicht den Beginn eines Abstiegs, sondern den einer Wandlung. "Der Fehler im Finale sollte mir zeigen, dass irgendetwas an meinem Weg nicht in Ordnung ist", sagte Kahn dem "Spiegel". Als er die Korrektur, die Flucht aus dem unendlichen Tunnel Fußball, vorgenommen hatte, "ging es mir besser".

Noch wichtiger als Effenberg und Matthäus

Ob er Angst vor der eigenen Rührung habe, wurde Kahn gefragt: "Nein, dann weine ich halt." Die Elogen auf eine Weltkarriere, auf 20 Jahre Ehrgeiz, Erfolge und besondere Momente sind ihm gewiss. "Wir hatten viele gute Spieler - Stefan Effenberg, Lothar Matthäus -, aber für den Stellenwert, sportlich und in der Außendarstellung, war Kahn der wichtigste Mann", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Als "lebende Legende" und eine der "größten Persönlichkeiten, die es jemals im deutschen Sport gab", bezeichnete Trainer Ottmar Hitzfeld den ehemaligen Karlsruher, der in seiner Laufbahn - abgesehen vom WM-Pokal - alle Titel gewonnen hat.

Aktuell Die Bundesliga-Tabelle
Aktuell Die Torjägerliste der Bundesliga

Emotionen, die in wirkmächtigen Bildern haften bleiben

Merkwürdig sei es, meint Kahn, dass vor allem die negativen Erlebnisse haften geblieben seien. Die 1:2-Niederlage in der Nachspielzeit im Champions-League-Finale 1999 gegen Manchester United oder sein berühmter Fehlgriff 2002. Aber auch seine Ausraster wie der Kung-Fu-Sprung gegen Stephane Chapuisat und der Halsbiss gegen Heiko Herrlich - zwei Aktionen in einem Spiel, die später auch bei Kahn die Frage aufwarfen: "Wozu habe ich mich von der Emotion des Fußballs führen lassen?"

Befreiung von diesem ewigen Druck

"Dieser ewige Druck fällt weg, die Nummer eins sein zu müssen", sagte er zu Beginn seiner letzten Saison, "befreit und beflügelt" fühle er sich: "Ich habe gelernt, Zufriedenheit nicht mehr von Paraden und Titeln abhängig zu machen." Respekt habe er davor, "wenn ich plötzlich den Stecker rausziehe, aber keine Angst". Konkrete Pläne für die nähere Zukunft gibt es keine: "Ich plane momentan gar nichts, sondern werde erstmal versuchen, die Übergangsphase zu bewältigen, die sicher das eine oder andere Jahr dauern wird."

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