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EM 2008: Sollte Löw den EM-Titel holen, hat er selbst Beckenbauer übertrumpft

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EM 2008 - Deutschland  

Löw will Beckenbauer und Klinsmann übertreffen

03.06.2008, 12:48 Uhr | dpa

Joachim Löw kann den Kaiser in den Schatten stellen (Foto: imago)Joachim Löw kann den Kaiser in den Schatten stellen (Foto: imago) Joachim Löw will bei seinem ersten Turnier als Chefcoach etwas schaffen, was selbst den Weltmeister-Trainern Franz Beckenbauer und Helmut Schön nicht vergönnt war. Schon bei seinem ersten Turnier als Chef der deutschen Fußball-Nationalmannschaft soll der Titel her: "Warum sollen wir mit dem Zweitbesten zufrieden sein, wenn wir das Beste erreichen können?", sagte Löw, der sich vor der EM-Endrunde in Österreich und der Schweiz ganz und gar nicht wie ein Bundestrainer-Lehrling fühlt. Als rechte Hand von Jürgen Klinsmann hatte der Badener schon von 2004 an die Revolution in der Elite- Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wesentlich mitgeprägt. Dem nahtlosen Übergang vom Assistenten zum Boss folgte die souveräne EM- Qualifikation - und auch für den erhofften Gipfelsturm sieht sich Löw gerüstet: "Ich gehe mit Sicherheit und Überzeugung in das Turnier."

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Nur Derwalls Bilanz ist besser

Von den 22 Länderspielen unter seiner Regie verlor das DFB-Team nur zwei. Nur Jupp Derwall konnte eine bessere Bilanz in der Zeit bis zum ersten Turnier vorweisen: In den 15 Partien vor der EM 1980 war die Nationalmannschaft sogar ungeschlagen geblieben - und in Italien wurden Schumacher, Schuster, Rummenigge, Hrubesch & Co. dann Europameister. Das gleiche Kunststück strebt Perfektionist Löw in Österreich und der Schweiz an. "Die WM-Spieler haben sich entwickelt", skizzierte der 48-Jährige jenes Qualitäts-Merkmal, das ihm für die Umsetzung seines "Drehbuchs" besondere Zuversicht gibt.

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Löw scheut harte Entscheidungen nicht

Löw ist nicht der Draufgänger, der kompromisslose Durchpeitscher, wie es Klinsmann von 2004 bis 2006 war. Löw ist eher ein Mann der zurückhaltenden Töne, ein Analytiker, der aber auch über den Fußball-Tellerrand hinausschaut und einen ebenso direkten Weg geht wie sein ehemaliger Partner Klinsmann. Spätestens die Streichung von Torwart Timo Hildebrand und später von Frischling Marko Marin, den Löw erst lobte und dann doch für zu leicht befand, aus dem EM-Kader, hat auch der Öffentlichkeit demonstriert, dass der nette Herr Löw seine Linie konsequent durchziehen kann.

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Löws Vorgänger: Beckenbauer (li.) und Klinsmann (Foto: imago)Löws Vorgänger: Beckenbauer (li.) und Klinsmann (Foto: imago)

Zurückhaltend in der Öffentlichkeit

Der Leiter der Bergtour 2008, der selbst schon so manchen Alpen-Gipfel und sogar den Kilimandscharo in Afrika bestiegen hat, möchte auch wenige Tage vor dem EM-Auftakt gegen Polen seine Rolle nicht überhöhen. Auf der Promibühne bewegen sich die Löws nur in Ausnahme-Fällen. Seine Frau Daniela lebt lieber unerkannt und blieb auch zu Hause, als etliche Nationalspieler oder auch Torwart-Coach Andreas Köpke ihre besseren Hälften mit ins Trainingscamp nach Mallorca nahmen. Löw hat seine Freunde außerhalb des Fußballs, er weiß aber natürlich: "Wenn ich vor die Haustüre gehe, bin ich ein Stück Allgemeingut." Das ist der Preis eines Bundestrainers.

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Teamwork wird groß geschrieben

Sportlich setzt Löw auf Arbeitsteilung. "Wir haben schon bei der WM viel im Team gearbeitet. Gefühlt ist es jetzt die gleiche Verantwortung. Deshalb ist es nicht ganz etwas Neues", betonte Löw und ergänzte: "Ich habe im Hintergrund ein Team, das mir viel Arbeit abnimmt." Und bei dem jeder Einzelne - wie etwa Köpke im Fall Hildebrand, oder Chef-Scout Urs Siegenthaler in der Beobachtung der Gegner - großen Einfluss auf die Entscheidungen des Chefs hat.

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Löw fordert "mitreißende Spielweise"

Als zehnter DFB-Cheftrainer in der über 100-jährigen Länderspiel-Geschichte versteht es Löw wie kaum ein anderer vor ihm, den Spielern das Gefühl zu vermitteln, "dass es etwas Besonderes ist, zum Kader zu gehören", wie Teammanager Oliver Bierhoff berichtete. Löw fordert und fördert die Elite, verlangt auch für das schwerste Turnier aller Zeiten Außergewöhnliches. Der einstige Bundesliga-Spieler, mit dem VfB Stuttgart schon einmal DFB-Pokalsieger, will von seinen Auserwählten eine "mitreißende Spielweise" sehen.

Berti Vogts (li.) und Helmut Schön (Foto: imago)Berti Vogts (li.) und Helmut Schön (Foto: imago)

Nur Ergebnisse zählen

Gemessen aber wird auch Löw vor allem am EM-Ergebnis. Zwar hat Abwehrchef Christoph Metzelder schon angemahnt, als Maßstab für Löws Arbeit vor allem die bisherigen zwei Jahre heranzuziehen: "Innerhalb eines Turniers kann man trotz großer Qualität früh ausscheiden." Doch ein neuerlicher Vorrunden-K.o. wie 2000 und 2004 würde auch 2008 die Konstellation verändern. "Ich komme als Held oder Vaterlandsverräter zurück", hatte einst Berti Vogts den Anspruch an einen Bundestrainer bei einem großen Turnier zugespitzt formuliert. Zuletzt hatte vor vier Jahren in Portugal Volksheld Rudi Völler das Handtuch geworfen, um einen Neuanfang zu ermöglichen.

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K.-o.-Runde ist Minimalziel

Für Löw zählt die alte Frage aus Vogts' Zeiten nur bedingt. Der Freiburger, bereits mit einem Vertrag bis zur WM 2010 ausgestattet, hat keine Negativ-Strategie. Er muss auch nicht sofort den EM-Titel gewinnen. Doch um Löws weitere Chance in zwei Jahren in Südafrika nicht zu gefährden, muss das Team um Kapitän Michael Ballack die K.o.-Spiele erreichen. Auch Sepp Herberger (WM 1954), Schön (EM 1972 und WM 1974), Beckenbauer (WM 1990) und Vogts (EM 1996) krönten erst bei späteren Turnieren ihre Arbeit mit Titeln.

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