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Guido Buchwald ist für das Duell mit Portugal optimistisch - EM 2008

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Guido Buchwald im Interview  

"Das Team muss an die Grenzen gehen"

18.06.2008, 11:07 Uhr | Das Gespräch führte Patrick Brandenburg

Guido Buchwald (Foto: imago)Guido Buchwald (Foto: imago) Die deutsche Nationalmannschaft tat sich schwer in der vermeintlich leichtesten Gruppe B, steht nach dem 1:0-Zittersieg gegen Österreich nun aber doch im EM-Viertelfinale. Dort wartet am Donnerstag Portugal auf die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw. Weltmeister Guido Buchwald äußert sich im Interview mit t-online.de über die Chancen der deutschen Elf, das Formtief von Mario Gomez, die Trendwende in der deutschen Abwehr und warum Rippenbrüche manchmal kein Hindernis sind.

t-online.de: Die deutsche Nationalmannschaft hat erst mit dem knappen Sieg über Österreich im letzten Vorrundenspiel das EM-Viertelfinale erreicht. Hat es Sie überrascht, wie viele Schwierigkeiten das DFB-Team in der als leicht eingeschätzten Gruppe B hatte?

Guido Buchwald: Ja, sehr. Vor allem nach dem verheißungsvollen Auftakt gegen Polen. Da dachte ich, das ist ein lockerer Aufgalopp für die weiteren Spiele. Aber wenn ich mir die Ergebnisse der Gruppe B ansehe und wie wenig Tore insgesamt gefallen sind, dann muss ich feststellen: In der leichtesten EM-Gruppe hat sich die Mannschaft sehr schwer getan.

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Nach dem Kroatien-Debakel war in der Partie gegen Österreich immerhin wieder ein Aufwärtstrend festzustellen. Was muss in der K.-o.-Runde gegen Portugal besser werden?

Grundsätzlich erst einmal die läuferische Leistung. Selbst im kampfbetonten Spiel gegen Österreich war zu sehen, dass Konter in der 80. Minute nicht konsequent abgeschlossen werden. Anstatt mit drei, vier Leuten die Entscheidung zum 2:0 zu suchen, läuft nur ein Spieler mit und die Situation verläuft im Sande. Auch das Umschalten von Abwehr auf Angriff muss enorm verbessert werden, sonst haben wir es sehr schwer gegen Portugal.

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In der viel kritisierten Defensive gab es zuletzt immerhin eine Steigerung. Ist das schon die Trendwende?

Möglich. Jens Lehmann zum Beispiel wirkte gegen Österreich sehr sicher und hatte eine gute Ausstrahlung auf seine Vorderleute. In den ersten beiden Partien fehlte das noch. Lehmann war wieder der ruhende Pol, das gibt der Verteidigung Sicherheit. Außerdem wirkt Arne Friedrich, der für den verletzten Marcell Jansen ins Team rückte, als stabilisierendes Element. Er hat seine Sache sehr gut gemacht. Dazu kommt noch Philipp Lahm, die große Konstante im Abwehrverbund. Lahm ist bislang mit Abstand der beste deutsche Verteidiger.

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Vor vier Monaten hatten Sie in einem Interview mit t-online.de gesagt, auf einen Spieler wie Christoph Metzelder lohne es sich notfalls sehr lange zu warten. Hat er ihre hohe Meinung enttäuscht?

Metzelder hat sich unheimlich schwer getan, seit er nach der überstandenen Fußsohlen-Verletzung wieder im Kreise der Nationalmannschaft ist, das ist wahr. Aber er wird schon besser, wie gegen Österreich zu sehen war. Christoph ist ein Spieler, der sich reinsteigern kann in ein solches Turnier. Im Gegensatz zu anderen Nationalspielern hat er auch Leader-Qualitäten, das darf man nicht vergessen. Von daher bleibe ich dabei: Es hat sich gelohnt, auf ihn zu warten.

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Guido Buchwald, 47, gehört zu den besten Verteidigern, die der deutsche Fußball hervorgebracht hat. In seiner aktiven Karriere feierte der Schwabe zwei Meisterschaften mit dem VfB Stuttgart. Beim Gewinn des Weltmeistertitels 1990 verurteilte er Argentiniens Diego Maradona zur Bedeutungslosigkeit. Nach drei erfolgreichen Jahren als Trainer in Japan gab Buchwald zu Beginn dieser Saison ein kurzes Gastspiel beim Zweitligisten Alemannia Aachen.Guido Buchwald, 47, gehört zu den besten Verteidigern, die der deutsche Fußball hervorgebracht hat. In seiner aktiven Karriere feierte der Schwabe zwei Meisterschaften mit dem VfB Stuttgart. Beim Gewinn des Weltmeistertitels 1990 verurteilte er Argentiniens Diego Maradona zur Bedeutungslosigkeit. Nach drei erfolgreichen Jahren als Trainer in Japan gab Buchwald zu Beginn dieser Saison ein kurzes Gastspiel beim Zweitligisten Alemannia Aachen.Im Vergleich der beiden Innenverteidiger hat Per Mertesacker gerade die Nase vorn.

Ja, weil er sein Potenzial abgerufen hat im Gegensatz zu Metzelder. Er spielt gut, ohne absolut zu glänzen. Mit seiner Zweikampfstärke und der Lufthoheit bei Flanken und Standards ist Mertesacker ist ein hervorragender Spieler, keine Frage. Aber Metzelder ist im Kommen. Außerdem ist der Vergleich unnötig. Beide Innenverteidiger bilden ein Team, sie kennen und verstehen sich und das Zusammenspiel wird besser, je länger sie Gelegenheit zum Praktizieren haben.

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Der Knackpunkt im Viertelfinale am Donnerstag könnte sein, Cristiano Ronaldo in den Griff zu bekommen. Ist Arne Friedrich auf der rechten Abwehrseite der richtige Mann dafür?

Er könnte wohl der Richtige sein. Aber grundsätzlich kommt Ronaldo ja nicht nur über eine Seite. Ronaldo wechselt oft und schon von daher bleibt die Aufgabe nicht an einem einzigen DFB-Spieler hängen. Die Deutschen müssen ihn in Zweikämpfe verwickeln, ihn auf die Außenbahn abdrängen, ihn zum Stehen bringen, wo immer es geht. Da muss die Innenverteidigung mitmachen und auch auf Torsten Frings im defensiven Mittelfeld kommt einiges an Arbeit zu.

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Ob Frings überhaupt spielen kann, ist nach seinem Rippenbruch fraglich...

...aber noch nicht ausgeschlossen. Das EM-Endspiel 1992 habe ich auch mit gebrochener Rippe bestritten. Das sind ungeheure Schmerzen, aber wenn man ein solch großes Spiel vor Augen hat, verdrängt man das. Wenn es kein gefährlicher Bruch ist und die Mediziner keine Bedenken haben, wird Frings schon auf die Zähne beißen. So schätze ich ihn ein. Er ist ein Führungsspieler, den die deutsche Mannschaft braucht.

Auch in der Offensive öffnen sich einige Baustellen. Ausgerechnet der einstige Parade-Teil der Mannschaft präsentiert sich bei der EM nicht gerade in Gala-Form.

Tja, das ist schon enttäuschend. Vor allem der Auftritt von Mario Gomez. Sein Formtief bremst auch den Rest der Offensive. Ich glaube, der Bundestrainer tut Mario gerade keinen Gefallen, ihn immer wieder in die Startelf zu beordern. Spätestens bei der Großchance gegen Österreich war zu sehen: Er hat wenig Selbstvertrauen, ihm fehlt die Überzeugung. Selbst wenn ihm der Ball unglücklich verspringt - auch den Abpraller hätte er noch im Tor unterbringen müssen. Es würde Mario vielmehr gut tun, mal von der Bank zu kommen, als überraschendes Element. Und falls Lukas Podolski bis zum Donnerstag nicht  fit wird, wäre Oliver Neuville eine Alternative für den Sturm. Wir werden dieses Spiel nicht dominieren, also warum nicht einen schnellen Konterstürmer bringen?

Wie Sie bereits andeuten: Die Favoritenrolle ist die deutsche Mannschaft im Duell mit Deco, Ronaldo und Co. los. Kann das ein Vorteil sein?

Natürlich. Die Portugiesen haben doch sicher auch die Spiele gegen Kroatien und Österreich gesehen und nehmen unsere Mannschaft vielleicht nicht mehr ganz so ernst.

Immerhin hat das Team von Luiz Felipe Scolari deutlich länger Zeit, zu regenerieren und sich auf die Partie vorzubereiten. Im letzten Gruppenspiel hat der Trainer der Portugiesen nur drei Stammspieler gebracht.

Wenn man es positiv wendet: Vielleicht verlieren sie ja dadurch ihren Rhythmus. Aber ganz im ernst: Das macht keinen großen Unterschied. Es sind doch alles Profis, die durchaus nach drei, vier Tagen wieder spielen können. Von der deutschen Mannschaft jedenfalls sollte man erwarten, dass sie am Donnerstag neunzig oder auch hundertzwanzig Minuten gehen kann.

Wie sehen Sie die Aussichten für das Viertelfinale?

Realistisch betrachtet ist Portugal der Favorit. Mit der Leistung aus dem Österreichspiel, nein, mit der Leistung der gesamten Vorrunde hat die deutsche Mannschaft keine Chance. Das DFB-Team muss schon an seine Grenzen gehen, großes Engagement allein wird nicht reichen. Immerhin: In ein Duell mit einem großen Gegner kann sich die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw auch reinsteigern.

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