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Britta Steffen will sich in Peking freischwimmen

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Olympia 2008 - Schwimmen  

Britta Steffen will sich in Peking freischwimmen

14.07.2008, 14:34 Uhr | dpa

Britta Steffen bei der offiziellen Einkleidung der Olympia-Mannschaft. (Foto: imago)Britta Steffen bei der offiziellen Einkleidung der Olympia-Mannschaft. (Foto: imago) Britta Steffen strahlt unentwegt, lacht, scherzt - doch Deutschlands Top-Schwimmerin steht unter massivem Druck. Olympia und die schwere Bürde, 16 Jahre nach Dagmar Hase endlich wieder Schwimm-Gold für Deutschland holen zu sollen, machen ihr zu schaffen. "Es gibt keine Steigerung mehr für enorm. Ich bin wirklich hin- und hergerissen zwischen 'Ich schmeiße alles hin' und 'Mann, macht das Spaß'", sagte sie.

In Berlin holen sich Deutschlands Schwimm-Olympioniken den letzten Schliff für Peking. Britta Steffen fühlt sich wie in einer Zwangsjacke, "wenn ich wirklich nur noch darauf fokussiert werde, die erwartete Goldmedaille nach Hause zu bringen".

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Die Angst vor dem Patzer

Sie zweifelt. Mit der letzten Vorbereitungsphase wachsen Ungeduld und Ungewissheit: Kann ich's? Kann ich's nicht? Ein kleiner Fehler, vielleicht ein Patzer bei der Wende - und plötzlich könnten vier Jahre harte Arbeit vergebens gewesen sein. "Ich habe tierisch Angst, nach den 100 Metern Kraul anzuschlagen, Zweite geworden zu sein und mich darüber überhaupt nicht freuen zu können."

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WM-Bronze 2007 war "nichts wert"

Wie nach Bronze bei der WM 2007 in Melbourne, als die damalige Weltrekordlerin hinter der Australierin Lisbeth Lenton und Marleen Veldhuis aus den Niederlanden anschlug: "Die Bronzemedaille war mir nichts wert. Das hat mir ganz schön wehgetan." Und in China? Selbst bei einem Olympiasieg ist ihr momentan überhaupt nicht klar, ob sie sich restlos darüber freuen könnte, "weil's nur ein Ergebnis wäre, das die Erwartungen erfüllt".

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Steffen will "ihr Ding" machen

Sie versucht, den Druck auszublenden. Ihre Mentaltrainerin Friederike Janofske ist ihr dabei wertvolle Stütze. Und eine Einstellung, die ihr Coach Norbert Warnatzsch zu vermitteln versucht - mit drastischen Worten, die Steffen zunächst gar nicht äußern will, es aber dann doch tut - gern sogar, wie deutlich zu spüren ist: "Er sagt, dann musst du einfach denken, leckt mich alle am Arsch, ich mache mein Ding." Wie Skispringer Sven Hannawald, der auch immer sein Ding machte und mit dieser Attitüde allen davonflog.

Mentaltrainerin ist eine große Stütze

"Hätte ich meine Mentaltrainerin nicht, bräuchte ich gar nicht zu den Spielen zu fahren, weil mich die von allen Seiten erwartete Goldmedaille fertigmachen würde." Steffen öffnet ihr Innerstes, will den Leuten diktieren, was sie wirklich vorhat: ein optimales Rennen abrufen, ohne den ultimativen Zwang, danach irgendein Metallteil aus Gold, Silber oder Bronze überreicht zu bekommen. "Für mich wäre das besser. Aber danach fragt leider niemand." Sie will "den Innenraum freihalten", sie will bei sich selbst ankommen, sie will "das Außen ausblenden" - nur dann, dessen ist sie sicher, kann sie sich in Peking freischwimmen.

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Äußere Erwartungshaltung nagt an Steffen

Zu Gold? "Mann, Leute, ihr wisst gar nicht, was dahinter steckt, wieviel Arbeit da drin steckt." Arbeit, die zuletzt mehr Last als Lust war, obwohl ihr das Schwimmen prinzipiell die helle Freude ist. Als sie sich nach Athen 2004 eine schöpferische Pause gönnte, fehlte ihr ein Teil des Lebensinhalts: "Ich habe es vermisst, kaputt zu sein, richtig Hunger und Muskelkater zu haben." Doch das wird ihr immer öfter vermiest, seit sie in Budapest 2006 zum Weltrekord über 100 Meter Freistil schwamm: Die äußere Erwartungshaltung, die Angst, "dass man dieser nicht entspricht" - das alles nagt an ihr.

Sehnsucht nach dem olympischen Startsprung

Sie sehnt ihren ersten Startsprung in Peking herbei, weil sie dann wissen wird, ob es "flutscht. Wenn nicht, dann wird es hart." Dann könnte sie sich als "kleines Sportlerchen" so ohnmächtig fühlen wie bei dem Gedanken an Tibet. Da merkt sie, dass es ihr gut geht, da weiß sie, "in welchem Luxus wir in Deutschland leben".

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