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Toyota  

Entwicklung mit Software und Stoppuhr

18.07.2008, 16:41 Uhr

Toyota-Mechaniker arbeiten an einem Modell des TF-08 (Foto: Toyota)Toyota-Mechaniker arbeiten an einem Modell des TF-08 (Foto: Toyota) Wenn die Piloten des Formel 1-Teams Panasonic Toyota Racing, Timo Glock und Jarno Trulli, an diesem Wochenende auf dem Hockenheimring in ihren TF 108 steigen, kommt es wie immer auf die Zehntelsekunde an. Vollgas müssen auch die Konstrukteure des Teams geben. Denn während einer Rennsaison müssen die Ingenieure den Wagen innerhalb weniger Tage und unter hohem Zeitdruck für den nächsten Parcours fit machen. Und das auf den Punkt genau. Termine verschieben und eine Woche später zum Rennen erscheinen - kaum möglich. Berücksichtigen müssen die Konstrukteure während der Saison mögliche Änderungen des FIA-Reglements, den besonderen Fahrstil des Piloten oder den Streckenverlauf.

Video Timo Glock bereitet sich auf das Heimrennen vor

Neue Teile für das Rennen in Hockenheim

Monza ist so ein Fall: Für die extrem schnelle Strecke in Italien wird jedes Jahr kurzfristig ein neuer Frontflügel entwickelt, der zur gesamten Aerodynamik des Autos und zur Strecke passt. Und auch in Hockenheim werden neue Teile im Fahrzeug eingesetzt. "Wir werden ein weiteres neues Paket mit aerodynamischen Modifikationen zur Hand haben, das wir nach dem Test der letzten Woche in Hockenheim finalisiert haben", so Pascal Vasselon, leitender Generaldirektor Chassis bei Toyota Motorsport.

Software ermöglicht virtuellen Entwurf der Boliden

Das virtuelle Modell des TF-08 (Foto: Toyota)Das virtuelle Modell des TF-08 (Foto: Toyota) Was für die Teams in den Boxen beispielsweise die Schlagschrauber sind, ist für die Konstrukteure die Informationstechnologie, die sie bei der Entwicklung unterstützt. "Für die hohen Anforderungen benötigen wir leistungsfähige Werkzeuge und gute Partner. Ohne entsprechende Software könnten wir das heute nicht mehr leisten", sagt Waldemar Klemm, Senior Manager IT Systems und verantwortlich für die technischen Softwareanwendungen bei Panasonic Toyota Racing. Mit der so genannten PLM-Software - sie stammt von Dassault Systèmes, Weltmarktführer für diese Art von Software - können die Entwickler einen Wagen bereits vor dem tatsächlichen Bau im Computer virtuell entwerfen, testen und dessen Montage unterstützen.

Jedes Teammitglied hat Zugriff auf Fahrzeugmodell

PLM steht für "Product Lifecycle Management". Sprich: Toyota Motorsport verfügt über eine virtuelle Entwicklungszentrale für seine Formel-1-Wagen. Auf diese hat beispielsweise jedes Teammitglied Zugriff und kann sich das digitale, dreidimensionale Modell des Rennwagens und sämtlicher Fahrzeugteile, etwa den Frontspoiler, anzeigen lassen. Das hat den Vorteil, dass die Entwickler anhand der geometrischen Lage schnell Widersprüche in der Konstruktion erkennen und somit korrigieren können. Auf die mehr als 8500 Fahrzeugteile haben aber nicht nur die Mitarbeiter in der Konstruktion und Fertigung Zugriff.

3D-Modell hilft der Boxencrew bei der Arbeit

Über das angeschlossene Datenmanagementsystem können sich auch die Teams an der Rennstrecke per Knopfdruck den aktuellen Fahrzeugstand auf dem Bildschirm holen. "Die Boxenmechaniker können sich in 3D genau anschauen, wie sie die einzelnen Teile einbauen müssen", so Waldemar Klemm. Wie wichtig die Software für die Entwicklung ist, zeigte sich beim Wechsel auf eine neue Version der Dassault Systèmes-Software. "Dadurch sind wir noch schneller geworden und haben bei der Entwicklung des Frontflügels eine Einsparung der Entwicklungszeit um etwa 80% erreicht", so Klemm.

Unterstützung bei den Tests im Windkanal

Selbst im Vorfeld einer Saison - der Rennstall startet fünf bis sechs Monaten vor ihrem Beginn - gilt: Je schneller der Wagen entwickelt und gebaut ist, desto ausgiebiger lässt er sich im Windkanal testen. Auch hier setzen die Entwickler auf die PLM-Software: "Mit ihr können wir beispielsweise schon die Fahrzeugmontage prüfen, während wir noch in der Entwicklungsphase sind, da die Entwickler nicht isoliert vom Rest der Mannschaft arbeiten", sagt Pascal Vasselon. "Früher konnte die Montage zwei oder sogar drei Wochen in Anspruch nehmen. Heute schaffen wir das in zwei oder drei Tagen."

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