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Bundesliga: Streit über Olympia-Teilnahme hält an - IOC und DFL drohen mit Sperren

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Bundesliga  

Olympia-Abstellung: Rafinha sorgt für Wirbel

21.07.2008, 11:35 Uhr | t-online.de, dpa

Rafinha will für Brasilien die Goldmedaille holen. (Foto: imago)Rafinha will für Brasilien die Goldmedaille holen. (Foto: imago) Im seit Tagen andauernden Streit um die Abstellung von Bundesliga-Profis am olympischen Fußball-Turnier hat der Brasilianer Rafinha für eine Eskalation gesorgt. Der Schalker Rechtsverteidiger fehlte bei der Abfahrt seines Klubs ins Trainingslager nach Österreich, um mit der brasilianischen Olympia-Auswahl an diesem Dienstag Richtung Peking zu reisen.

Der FC Schalke 04 hatte dem vom Verband angeforderten Rafinha keine Freigabe erteilt. "Wir werden jetzt gemeinsam mit DFB und DFL überlegen, wie wir damit umgehen. Es ist zum ersten Mal vorgekommen, dass ein Spieler eigenmächtig eine Entscheidung gegen die Forderung des Klubs fällt", sagte Schalkes Manager Andreas Müller. "Ich kann verstehen, dass er den Traum hat, bei Olympia zu spielen, doch die Interessen des Vereins stehen nun mal im Vordergrund", stellte Müller klar.

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Keine Chance für die Bundesliga-Spieler

Rafinha steht ebenso wie seine Bundesliga-Kollegen Diego (Werder Bremen) und Breno (Bayern München) im Aufgebot der Brasilianer, nur der Bayern-Spieler aber hat eine Freigabe. Rafinha, der betonte, die Olympischen Spiele seien für ihn und sein Land sehr wichtig, stützt sich bei seiner eigenmächtigen Handlung auf die Aussagen von IOC-Chef Jacques Rogge, der von einer Abstellungspflicht sprach und den Klubs bei verweigerter Freigabe sogar mit Sperren für die Spieler drohte.

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Niersbach sorgt für Klarheit

Dem widersprechen jedoch die nationalen Fachverbände und auch der Fußball-Weltverband. FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke sorgte im Telefonat mit dem Generalsekretär des Deutschen Fußball- Bundes (DFB), Wolfgang Niersbach, für Klarheit. "Es besteht keine Verpflichtung, Spieler abzustellen, egal ob unter oder über 23 Jahre", teilte Niersbach der "Sport-Bild" mit. Holger Hieronymus, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), will nun sogar prüfen lassen, ob man Spieler, die ohne Zustimmung ihrer Vereine nach Peking reisen, für das olympische Turnier sperren lassen kann.

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Rafinhas Zukunft ungewiss

Gegenüber der brasilianischen Zeitung "O Globo" sprach Rafinha von Drohungen der Schalker Verantwortlichen. Er sieht möglichen Strafen seines Vereins allerdings gelassen entgegen. Selbst eine Auflösung des Vertrags scheint für ihn keine Hürde auf dem Weg nach Peking zu sein, da er nach eigener Aussage Angebote einiger Top-Klubs hat. S04-Manager Müller dementierte in der "Bild-Zeitung" die Drohungen, bekannte aber dass es sich um eine "unangenehme Situation" handele. Die Schalker denken bereits über Sanktionen nach. "So etwas hat natürlich einen anderen Charakter, als wenn ein Spieler zwei Tage zu spät zum Training kommt", sagt Müller. Von einer hohen Geldstrafe bis zur Entlassung des Spielers ist alles möglich.

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Verwirrung bei der FIFA

Verantwortlich für den Zickzackkurs ist vor allem die FIFA, deren Statuten für das Fußball-Turnier bei den Olympischen Spielen keine Abstellungspflicht vorsehen. "Wir hätten uns von der FIFA eine einheitliche Sprachregelung gewünscht, damit diese Diskussion um Abstellungspflicht gar nicht erst aufkommt", befand Schalkes Manager Müller. Der Weltverband hat natürlich kein großes Interesse daran, dass ein mit Stars gespicktes Olympia-Fußballturnier in Konkurrenz zu den alle vier Jahre stattfindenden Fußball-Weltmeisterschaften tritt. Dennoch hatte FIFA-Sprecher Alain Leiblang auf Anfrage erklärt: "Wir haben die Vereine informiert, dass sie die Spieler abstellen müssen." Dies sei den Klubs schriftlich zugestellt worden.

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Leverkusen bleibt hart

Den Eingang des Schreibens bestätigte zwar auch Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. Es sei an "das Gewohnheitsrecht erinnert und keineswegs von Abstellungspflicht gesprochen", sagte Holzhäuser, dessen Club mit dem Ivorer Constant Djakpa auch einen angeforderten Spieler in den Reihen hat. Doch am Montag einigten sich Club und Akteur auf Djakpas Olympia-Startverzicht. Dagegen erteilte Bundesliga-Aufsteiger 1899 Hoffenheim seinem Torjäger Chinedu Obasi nach langem Hin und Her die Freigabe für Peking - unter Auflagen. Hertha BSC hingegen bleibt beim klaren Nein für Marko Pantelic (29). Der Serbe sollte einen der drei für über 23 Jahre alte Spieler im Olympia-Team einnehmen, erhält aber keine Freigabe.

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Sanktionen sind angedacht

Noch offen ist, wie sich Bremens Mittelfeldstar Diego verhält. Er ist vom Klub nicht freigestellt. Geschäftsführer Klaus Allofs rechnet allerdings nicht damit, dass Diego wie Rafinha eigenmächtig zu seinem Olympia-Team reist. Allofs: "Ich befürchte nicht, dass das passiert." Auch Mittelfeldspieler Clemens Fritz geht nicht davon aus. Gegenüber der "Syker Kreiszeitung" sagte er: "Ich glaube nicht, dass er sich vom Acker macht." Am Dienstag soll das klärende Gespräch der Werder-Verantwortlichen mit Diego und seinem Vater stattfinden.

Rechtliche Schritte gegen den Spieler?

"Arbeitsrechtlich ist die Sache klar. Der Spieler muss an seinem Arbeitsplatz erscheinen. Wenn nicht, kann er fristlos gekündigt werden. Vielleicht wird er zuvor noch eine Abmahnung erhalten, damit ihm auch der Ernst der Lage deutlich wird", sagte der renommierte Bundesliga-Anwalt Christoph Schickhardt zu dem brisanten Fall. Man darf also gespannt sein, wie der Konflikt endet.

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