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Rudi Völler: Es wird keinen Bayern-Alleingang in der Bundesliga geben

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Bundesliga - Bayer Leverkusen  

Völler: "Unser Anspruch ist das internationale Geschäft"

16.08.2008, 19:55 Uhr | Das Interview führte Thomas Tamberg, t-online.de

Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler (Foto: imago)Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler (Foto: imago) Mit dem Spiel FC Bayern München gegen den Hamburger SV ist die 46. Bundesliga-Saison gestartet. Eine besondere Rolle will in dieser Spielzeit auch Bayer Leverkusen spielen. Der Werksklub hat in Bruno Labbadia einen neuen Trainer, aber die Ziele sind die alten: internationales Geschäft.

Doch ein Selbstläufer wird das nicht, denn die Konkurrenz hat mächtig aufgerüstet. Da weiß auch Rudi Völler. t-online.de sprach mit dem Sportdirektor von Bayer Leverkusen über den Stellenwert der Bundesliga, die neue 3. Liga, die Erfolgsaussichten der Leverkusener und natürlich auch über Jürgen Klinsmann und den FC Bayern.

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Herr Völler, viele Mannschaften haben mächtig aufgerüstet und drängen ins internationale Geschäft. Steht uns vielleicht die spannendste Bundesliga-Saison aller Zeiten bevor?
Das kann passieren. Ich bin da sehr optimistisch. Natürlich wäre es schön für die Liga und vor allem für die Zuschauer, wenn es relativ lange spannend bleibt. Insbesondere im Abstiegskampf. Letztes Jahr war er ja relativ schnell entschieden. Das wird dieses Jahr nicht passieren. Die drei Aufsteiger sind dieses Mal potenzielle Bundesligisten. Die werden ihr Heil sofort im Mittelfeld suchen.

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Der Abstiegskampf verspricht also Nervenkitzel. Doch wie sieht es weiter oben aus?
Der Kampf um die UEFA-Cup-Plätze wird sehr, sehr spannend werden. Da gibt es sehr viele Vereine, die da hin wollen. Auch um die Champions-League-Plätze wird es spannend werden. Und es wird auch mit Sicherheit – auch wenn Bayern München der Top-Favorit ist – enger in der Meisterschaftsfrage zugehen. Ich bin überzeugt, dass die Bayern einen solchen Alleingang wie in der letzten Saison, nicht noch einmal hinkriegen werden.

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Einerseits ist das Gejammer groß, dass man zu wenig TV-Gelder bekommt, andererseits rüsten viele Vereine kräftig auf. Wo steht die Marke Bundesliga genau?
Im UEFA-Pokal spielen deutsche Teams immer eine gute Rolle. In der Champions League ist es allerdings schwieriger geworden. In anderen Verbänden wie in England, Italien oder Spanien wird viel mehr Geld für die Spieler ausgegeben. Da können wir in Deutschland bis auf Bayern München nicht mithalten. In den nächsten Jahren wird es schwierig werden, in der Champions League ganz vorne zu landen. Bis auf Bayern München, die haben immer eine Außenseiter-Chance. Aber im UEFA-Pokal können wir mitspielen. Das liegt auch daran, dass in der Bundesliga gut gewirtschaftet, gut eingekauft sowie gut ausgebildet wird. Daher können wir immer eine ordentliche Rolle spielen.

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Seit der WM 2006 feiert der Fußball in Deutschland eine Renaissance. Wie sehen Sie diese Entwicklung?
Der Fußball boomt. Das liegt allerdings nur zum Teil daran, dass wir tollen Fußball spielen. Es liegt vor allem daran, dass wir tolle Stadien haben. Die Menschen möchten heute nicht nur gut unterhalten werden, sondern sich in den Stadien auch wohlfühlen bzw. sicher fühlen. Das ist bei uns durch die Weltmeisterschaft gegeben. Selbst die Vereine in Städten, die kein WM-Standort waren, haben mittlerweile neue Stadien errichtet. Das ist heutzutage das Nonplusultra. Und das ist toll. Deshalb boomt die Liga. Zumal Fußball schon immer die Sportart Nummer eins in Deutschland gewesen ist.

In Sachen Stadion-Komfort ist Deutschland ziemlich weit vorne.
Bei den Stadien sind wir weltweit die Nummer eins. Die Italiener kaufen unwahrscheinlich viele Spieler für hohe Ablösesummen mit hohen Gehältern, aber haben ganz schlechte Stadien. Die sind immer noch aus den 70er-Jahren. Da muss man sagen, dass ist toll, was bei uns gemacht wurde.

Kann Deutschland durch diese Investitionen wie z.B. in die Infrastruktur Italien irgendwann überholen?
Das wird man sehen. Solange es in Italien noch Berlusconis, Morattis oder Agnellis gibt, wird es natürlich trotzdem schwierig diese Vereine zu überholen. Die halten sich Vereine als Spielzeug und buttern ihr eigenes Geld rein.

Das Modell Hoffenheim ist von gewissen italienischen Klubs nicht weit entfernt. Auch Hoffenheim könnte bald in der Champions League spielen. Ist so ein "gebutterter" Dorfklub für die Bundesliga einen Segen oder ein Fluch?
Im Grunde es egal, wie man es sieht. Man kann es sowieso nicht ändern. Hoffenheim hat das Glück, so einen Mäzen zu haben wie Herrn Hopp, der dort aufgewachsen ist und auch dort gekickt hat. Er sagt sich jetzt: Okay, ich habe viel Geld verdient in meinem Leben und will jetzt Hoffenheim davon ein bisschen zurückgeben. Und das macht er jetzt eben.

Eine große Änderung im deutschen Fußball ist die Einführung der dritten Profi-Liga. Was halten Sie davon?
Diese Liga ist toll. Diese Umstrukturierung ist auch ganz im Sinne unseres Vereins. Unsere zweite Mannschaft spielt dadurch in der vierten Liga. Das ist genau die Klasse, in die sie auch hingehört. Dadurch, dass die 3. Liga viel professioneller geworden ist, ist sie auch für die Medien interessanter geworden. Ein paar Vereine haben zwar etwas gestöhnt, doch das wird sich in den nächsten Jahren einspielen. Ich halte diese Liga für eine sehr gute Lösung. Auch für die Traditionsvereine ist diese Lösung besser, da sie nicht auf so viele zweite Mannschaften treffen. Die paar, die jetzt noch dabei sind, werden noch nach unten rutschen.

Zurück zur Bundesliga. Ganz besonders steht natürlich Jürgen Klinsmann beim FC Bayern München im Blickpunkt. Kann er den FC Bayern in eine neue Ära führen?
Was heißt neue Ära? Die Bayern sind sowieso die erfolgreichste Mannschaft Deutschlands. Ich sag immer, wenn du einen Fünf-Jahres-Vertrag bei Bayern München unterschreibst, wirst du drei oder vier Mal deutscher Meister. Das kannst du gar nicht ändern. Aber das hat sich der FC Bayern auch in den letzten zwanzig Jahren erarbeitet. Dass der Druck dann besonders groß ist, ist klar. Egal, wer der Trainer ist. Das war bei Ottmar Hitzfeld vorher so oder auch bei Felix Magath. Magath wurde entlassen, obwohl er zuvor zweimal das Double gewonnen hat. Beim FC Bayern sind die Ansprüche anders als bei anderen Vereinen. Das weiß der Jürgen aber auch und kann damit sehr gut umgehen.

Wer wird am Ende der 46. Bundesliga-Saison ganz oben stehen und wo landet ihr Klub Bayer Leverkusen?
Wenn man Bayern München als Meister tippt, kann man in diesem Geschäft nie etwas verkehrt machen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, obwohl, wie bereits erwähnt, die Bayern es nicht so souverän schaffen werden, wie im letzten Jahr. Bayer Leverkusen hat letztes Jahr knapp den UEFA-Cup-Platz verpasst, das wollen wir diese Saison vermeiden. Wir wollen unter die ersten sechs Mannschaften kommen. Ganz realistisch sehen wir uns zwischen Platz vier und acht. Dazwischen werden wir irgendwo landen. Hoffentlich möglichst weit oben.

Viele Teams haben stark aufgerüstet. Was macht sie so selbstbewusst?
Wir sind zwar im letzten Jahr Siebter geworden, man darf aber nicht vergessen, dass wir lange Dritter, Vierter oder Fünfter waren. Wir haben sogar ein bisschen an der Champions League geknabbert und kamen bis ins Viertelfinale des UEFA-Pokals. Diese Saison wird es schwieriger, da wir enorme Konkurrenz bekommen haben. Wolfsburg hat unwahrscheinlich aufgerüstet und andere Vereine sowieso. Aber wir sind ja auch keine Träumer und sagen, wir wollen in die Champions League. Aber zu sagen, dass wir zwischen Platz vier und acht mit Tendenz zu Platz fünf oder sechs hin landen wollen, muss unser Anspruch sein. Diese Ziele müssen wir uns einfach setzen.

Mit Rudi Völler und Bruno Labbadia sind zwei Hessen für die sportlichem Geschickte bei Bayer verantwortlich. Wird da auch mal hessisch gebabbelt?
Das kann schon mal vorkommen, der Bruno kommt ja aus der Darmstädter Ecke. Aber es ist reiner Zufall, dass wir einen Hessen als Trainer geholt haben. Ich habe schon seit längerem die Karriere von Bruno Labbadia verfolgt, daher war klar, dass er sofort unsere Top-Lösung ist, als wir uns von Michael Skibbe trennen mussten. Weil Bruno alles mitbringt, um ein guter Trainer zu werden.

Der Saisonstart im DFB-Pokal wurde beinahe verpatzt, als Oberhausen in der Verlängerung das zwischenzeitliche 2:1 erzielt hatte.
Wir sind letztes Jahr in der ersten Runde in St. Pauli ausgeschieden. Hätte sich das jetzt wiederholt, wäre es natürlich enttäuschend gewesen. Dann hat man gleich mit einem neuen Trainer bis zum nächsten Sieg eine gewisse Negativstimmung. Aber das gehört ja im Sport dazu. Das Leben wäre trotzdem weitergegangen.

Spürt man in solchen Situationen schon wieder den gewaltigen Druck, noch bevor die Saison richtig begonnen hat?
Nein. Dass man ein bisschen aufgeregt ist, das gehört dazu, aber dafür habe ich in meinem Leben zuviel mitgemacht, als dass mich ein Erstrunden-Aus im DFB-Pokal gegen Oberhausen umschmeißen würde. Es wäre zwar bitter gewesen, aber es wäre trotzdem weitergegangen. In meiner Funktion als DFB-Teamchef hatten wir zwei Relegationsspiele gegen die Ukraine. Davon hing ab, ob wir zur WM 2002 nach Asien fahren oder nicht. Es ist noch nie passiert, dass sich eine deutsche Nationalmannschaft nicht für eine WM qualifiziert hat. Ich kann Ihnen sagen: Das war Druck.

Sie haben als Spieler alles im Fußball gewonnen und könnten jederzeit sofort in Rente gehen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Was treibt sie an, sich in diesem hektischen Geschäft Profi-Fußball so sehr zu engagieren?
Auch wenn ich selbst nicht mehr spiele macht es unheimlich viel Spaß, hinter den Kulissen bei einem tollen Verein, in einem tollen Umfeld als Sportdirektor die Fäden zu ziehen. Bei einer Sportart, die ich als Aktiver selbst lange ausgeübt habe.

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