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Punk in Peking: "Olympia ist scheiße"

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Olympia 2008 - Hintergrund  

Punk in Peking: "Olympia ist scheiße"

15.08.2008, 13:54 Uhr | t-online.de

Aus Peking berichtet Arne Henkes

Die Angry Jerks geben auf der Bühne Vollgas. (Foto: t-online.de)Die Angry Jerks geben auf der Bühne Vollgas. (Foto: t-online.de) Es ist kurz vor 22 Uhr in Pekings Norden. Während die meisten Zuschauer aus dem Olympia-Gelände strömen, öffnet wenige Kilometer entfernt das D22 seine Tore. Das D22 ist einer der wenigen Punk-Clubs in Peking, die während der Olympischen Spiele geöffnet sind.

"Die meisten Läden mussten schließen. Die Olympia-Organisatoren wollten Peking von seiner besten Seite zeigen, dabei haben sie keine Ahnung, was die besten Seiten dieser phantastischen Stadt sind", sagt Michael Pattis der sich mit seinem Club "irgendwie durchgewurschtelt hat“. Der amerikanische Weltenbummler hat den kleinen Club an der Chengfu Road vor sechseinhalb Jahren übernommen und sieht mit Freude, dass die alternative Musikszene in Chinas Hauptstadt wächst. Dass er dabei eigenes Geld drauflegt, anstatt Gewinne einzufahren, nimmt der Punk-Idealist mit einem Lachen hin.

"Wozu brauchen wir Olympia?"

Der Besucher-Andrang hält sich wegen der Sommerferien an der nahen Universität und der Spiele an diesem Abend in Grenzen. 30 Leute tummeln sich in dem kleinen Club, der von der Innenausstattung her ebenso gut in London oder New York stehen könnte. "Olympia ist scheiße", fasst der 50-Jährige das Verhältnis der meisten Kunden in seinem Laden zusammen. "Wozu brauchen wir das? Überall werden Häuser abgerissen, riesige neue entstehen und dann kommen noch mehr Autos auf die Straßen, die ohnehin schon verstopft sind", schimpft Xiaona, die heute mit ihrer Band Angry Jerks auftritt.

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Vom Kontrabass bis zur italienischen Oper

Das Quartett macht Punkabilly, eine Mischung aus Punk und Rockabilly, die musikalischen Vorbilder kommen mit der Berliner Band Mad Sin aus Deutschland. Und doch hebt sich das Quartett angenehm von den westlichen Vorbildern ab. Während sich Gitarrist Ghaofeng und Sänger Zhouge die Seele aus dem Leib kreischen, sorgt Kontrabassistin Xiaona mit ihrem hellen Background-Gesang für einen interessanten Stilbruch. Die hohen Stimmlagen liegen der 28-Jährigen, die als Gesangslehrerin ihr Geld verdient und nach dem Konzert italienische Opern trällert.

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Chinesische Bands stecken in der Zwickmühle

Reich werden kann man mit Punk in China nicht. Nach dem Konzert, das wegen eines Stromausfalls recht abrupt endet, verkaufen Xiaona, Ghaofeng, Zhouge und Drummer Sun an der Theke ihre CDs. 15 Yuan kostet ein Exemplar, umgerechnet 1,50 Euro. Pattis beschreibt das Dilemma, in dem die meisten Bands stecken. "Wenn die Bands eine CD veröffentlichen wollen, muss die vom Kulturministerium abgesegnet werden. Entweder sie machen Kompromisse oder verkaufen illegal auf dem Hinterhof."

Pattis fühlt sich an das New York der 80er und 90er erinnert

Die Angry Jerks ziehen weiter, in zwei Tagen spielen sie ihr nächstes Konzert und hoffen, dass dann trotz Olympia ein paar mehr Leute kommen. Pattis glaubt an das Potenzial der Jerks und der zahlreichen anderen Bands die sich auf seiner Bühne austoben. "Das erinnert mich alles stark an New York vor 20, 30 Jahren“, schwärmt der Club-Besitzer, der in Peking bleiben will, bis "sie mich hier rausschmeißen“.

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