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Olympia 2008: Doping-Spekulationen um Michael Phelps

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Olympia 2008 - Doping  

"Unmenschliche" Leistungen ganz ohne Medizin?

15.08.2008, 16:40 Uhr | dpa, sid

US-Schwimmgigant Michael Phelps (Foto: AFP)US-Schwimmgigant Michael Phelps (Foto: AFP) Sieben Starts, sechs Mal Weltrekord, sieben Mal Gold: Schwimm-Souverän Michael Phelps muss sich natürlich als erster Athlet mit dem Vorwurf der Leistungsmanipulation auseinandersetzen. Vor allem muss sich der 23-Jährige rechtfertigen. "Jeder kann glauben, was er will", sagte der US-Übersportler. "Ich weiß, dass ich sauber bin."

Sehr gerne würden dem Schwimmwunder alle glauben: Fans, Funktionäre, Fahnenaufzieher. Vom Glauben aber sind anno 2008 die meisten Beobachter des olympischen Treibens längst abgefallen.

Olympia-Blog Phelps: "Nudeln und viel Schlaf"

Abwarten, was noch rauskommt

Die Weltrekordflut bei den olympischen Schwimm-Wettkämpfen in Peking hat eine lebendige Kontroverse über Doping-Spekulationen ausgelöst. Während der dreimalige Olympiasieger Michael Groß vor einer Vorverurteilung der herausragenden Leistungen des Amerikaners warnt, beobachtet Hochsprung-Olympiasiegerin Heike Henkel die Großtaten von Phelps mit "gemischten Gefühlen". Auch der Kölner Doping-Analytiker Wilhelm Schänzer ist skeptisch. "Es würde mich nicht wundern, wenn im Nachhinein noch unerlaubte Mittel entdeckt würden", sagte er in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Arbeit und Hingabe als alleinige Erfolgskomponenten

"Die Menschen können sich Fragen stellen, aber Fakten sind Fakten. Und ich habe Ergebnisse, um es zu beweisen", wehrte sich Phelps und wies auf seine Teilnahme am "Projekt Glaubwürdigkeit" der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA hin. Dieses sieht neben den normalen Kontrollen zusätzliche Blut- und Urinproben vor. "Nur mit Talent allein schaffst du es nicht. Da steckt eine Menge harte Arbeit dahinter. Und viel Hingabe."

Lässt sich das IOC blenden?

Bisher hat das IOC 2203 Tests in der chinesischen Hauptstadt durchgeführt. Die niedrige Zahl der positiven Proben sei eine Folge des "erhöhten Bewusstseins bei den Athleten, dass Doping inakzeptabel" sei, betonte Arne Ljungqvist, Vorsitzender der Medizinischen Kommission des IOC. Die Zahlen seien auf jeden Fall "sehr ermutigend". Unterdessen wurden jedoch zwei weitere Doping-Fälle bekanntgemacht: Der zweifache Medaillengewinner Kim Jong-Su und die Turnerin Thi Ngan Thuong aus Vietnam sind positiv getestet worden. Zuvor war unter der IOC-Hoheit bereits die spanische Radfahrerin Maria Isabel Moreno mit dem Blutdopingmittel EPO erwischt worden.

Video Erster Dopingfall bei Olympia: Spanierin Maria Isabel Moreno

Immer noch bestehen beste Chancen, Unentdeckbares zu verwenden

Laut Schänzer könne man angesichts der Flut von 23 Welt- und 24 Europarekorden im "Wasserwürfel" von Peking den Missbrauch von illegalen Mitteln nicht ausschließen. "Gewisse leistungsfördernde Mittel wie Insulin oder Fremdblut-Doping können momentan nicht entdeckt werden", berichtete Schänzer. Das IOC hatte angekündigt, alle 4500 Doping-Proben der Pekinger Spiele für einen Zeitraum von bis zu acht Jahren einzufrieren und mit neuen Analysetechniken auch nachträglich zu prüfen.

Technik, die begeistert

Die deutsche Schwimm-Legende Michael Groß sieht dagegen in den außergewöhnlichen Leistungen in Peking keinen Grund für einen Generalverdacht. "Ich würde mir verbitten zu sagen, das geht nur mit Doping", sagte er im Interview mit dem "Deutschlandradio Kultur". Wenn das so wäre, "müssten wir die Spiele einstellen und sie 'Olympischen Zirkus' nennen". Hinter den extremen Leistungen stehe vor allem die starke Professionalisierung des Sports. Das habe zunächst einmal nichts mit Doping zu tun, meinte Groß. Der lange Oberkörper von Phelps, sein extremer Beinschlag sowie die Technik der Startsprünge und Wenden seien die halbe Miete des Erfolgs, glaubt der einstige Weltklasse-Schwimmer: "Er benutzt seinen Armzug wie eine Wand, um sich daran hochzuziehen. Da ist tierisch Power dahinter, die seine Leistungs-Dimension erklärt."

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Groß: "Fast unmenschlich"

Bereits seit dem 15. Lebensjahr schwimme der Amerikaner auf extrem hohem Niveau. Seine Entwicklungs-Kurve sei nachvollziehbar und relativ normal. "Das Einzige was mich beeindruckt und erstaunt, ist dieses extrem hohe Leistungsniveau mehrfach hintereinander. Das ist schon fast unmenschlich", äußerte Groß. "Vielleicht wäre es für ihn mal gut, wenn er ein Rennen verliert, um zu zeigen, dass er kein Übermensch ist."

Henkel: "Das ist nicht nur der Anzug!"

Einen solchen Persilschein mag Phelps die frühere Hochspringerin Heike Henkel nicht ausstellen. "Wenn ich die Zeiten sehe, werde ich skeptisch. Da frage ich mich schon: Wie ist das möglich ohne unterstützende Mittel?", sagte die Olympiasiegerin von 1992 "Zeit online". "Dass er nur wegen seines speziellen Schwimm-Anzugs so schnell schwimmt, kann ich mir nicht vorstellen." Sie verstehe, wenn gegen Sportler ein Generalverdacht besteht und könne "nachvollziehen, dass ein Großteil des Publikums den Glauben verloren hat".

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