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TSG 1899 Hoffenheim setzt den "Tagesspiegel" auf den Index

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Bundesliga - 1899 Hoffenheim  

Hoffenheim setzt den "Tagesspiegel" auf den Index

01.10.2008, 10:46 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

Auch Trainer Rangnick will dem "Tagesspiegel" nichts mehr sagen (Foto: imago)Auch Trainer Rangnick will dem "Tagesspiegel" nichts mehr sagen (Foto: imago) Die TSG 1899 Hoffenheim und ihr Mäzen Dietmar Hopp mussten sich, seit sie in der Bundesliga spielen, viel Kritik anhören. Und es kommt dabei gar nicht mal selten vor, dass die ziemlich unsachlich und emotionsgeleitet ausfällt. Genau so oft kommt es aber vor, dass sich die Vertreter des Klubs durch extreme Dünnhäutigkeit selbst in die Schlagzeilen bringen.

Aus - zuweilen sogar nachvollziehbarer - Empörung über Vergleiche mit dem Chelsea-Investor Roman Abramowitsch ("Russen-Mogul") in manchen Medien und offenem Hass aus der ein oder anderen Fankurve schoss schon so gut wie jeder Vereinsvertreter einmal über das Ziel hinaus. Hopp erweckte zuletzt in einem "kicker"-Interview den Eindruck, als habe ein Verein das moralische Recht, jeden Fan, dessen Benehmen einem nicht passt, aus dem Stadion zu werfen.

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Etat fast schon grotesk klein gerechnet

Und Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick empörte sich Mitte August nach dem 3:0-Sieg zum Bundesliga-Auftakt in Cottbus über die Berichterstattung der "Lausitzer Rundschau". In dem Artikel war es um die ungleichen finanziellen Möglichkeiten des Kellerkindes Cottbus und des Neulings Hoffenheim gegangen. Rangnick, der sich schnell ungerecht behandelt fühlt, rechnete den eigenen Etat fast schon grotesk klein.

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"Hoffenheim Provokation für die Fans"

Jüngstes Beispiel ist die Replik des Vereins auf einen Kommentar im Berliner "Tagesspiegel". In dem hält Chefredakteur Lorenz Maroldt dem Club vor, er sei "eine Provokation für die Fans" und legt nahe, Hopp werde vom DFB auch deshalb gegen Anfeindungen aus der Fankurve geschützt, weil der Sohn des DFB-Präsidenten, Ralf Zwanziger, beim Verein als Koordinator für Frauen- und Mädchenfußball arbeite. Scharfe Geschütze, zumal nach Aussage des Clubs zuvor offenbar weder mit dem Verein noch mit Zwanziger junior gesprochen worden war.

Durch Pressefreiheit gedeckt

Man mag den Text ungerecht finden, vielleicht sogar streckenweise ein wenig polemisch. Eines aber ist er in jedem Fall: Durch das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung und das Gebot der Pressefreiheit gedeckt. Die meisten Bundesligaclubs mussten sich in ihrer Geschichte schon solch deutlicher Kritik erwehren - und das teilweise über Monate.

Unter Hopps Niveau

TSG-Pressesprecher Markus Sieger setzte sich an den Schreibtisch und verfasste ein Schreiben an den "Sehr geehrten Herrn Maroldt", in dem er zu den Anwürfen Stellung nahm und die zu zerstreuen suchte: "Es ist natürlich richtig, dass Ralf Zwanziger bei 1899 Hoffenheim den Frauen- und Mädchenfußball, übrigens sehr erfolgreich, koordiniert. Es mag für Sie den Anschein einer "Klüngelei" geben, aber: Denken Sie in der Tat, dass die Herren Hopp und Zwanziger es tatsächlich nötig haben, sich auf dieses Niveau zu begeben? (…) Herrn Hopps Wunsch war es frühzeitig, auch Frauen- und Mädchenfußball zu fördern und nicht nur den Jungs eine sportliche Perspektive zu geben. Auf dieser Basis bewarb sich Ralf Zwanziger", heißt es dort unter anderem.

Ein bitterer Nachgeschmack bleibt

Wäre der letzte Satz des Schreibens unterblieben - "Ich gehe von Ihrem Verständnis aus, dass zukünftige Anfragen des 'Tagesspiegel' bei uns nicht mehr berücksichtigt werden" - das Berliner Blatt wäre wohl nicht auf die Idee gekommen, den Inhalt eines Schreibens auf seiner Homepage zu veröffentlichen, das Sieger als "rein persönliches Schreiben" verfasst hat. So aber entsteht der fatale Eindruck, dass nur den Medien eine Berichterstattung ermöglicht wird, die ausschließlich positiv über den Verein schreiben.

"Ein Maulkorb ist indiskutabel"

Erich Laaser, Präsident des Verbandes der deutschen Sportjournalisten (VDS) wollte sich auf Anfrage von "Spiegel online" nur vorsichtig zu dem Vorgang äußern, den genauen Wortlaut des Schriftwechsels kannte er zum Zeitpunkt des Anrufes noch nicht. Er halte es jedoch für "indiskutabel, dass man Medien, die kritisch berichten, einen Maulkorb umhängt", so Laaser.

"Müssen uns nicht alles gefallen lassen"

Mit dieser Einschätzung fühlt sich Sieger allerdings missverstanden: "Wir erwarten ja nicht, dass alle Hurra schreien, weil wir jetzt in der Liga sind. Wir müssen uns als Klub aber auch nicht alles gefallen lassen."

Noch ist alles möglich

Die Frage, ob der Verein tatsächlich künftig Interviewanfragen des "Tagesspiegel" abschlägig bescheiden will, ließ Sieger einstweilen offen. "Wenn unsere Sportredaktion demnächst die TSG kontaktiert wegen Interviewwünschen oder ähnlichem, werden wir wissen, wie haltbar die Ankündigung ist", sagte "Tagesspiegel"-Chefredakteur Maroldt. Einem persönlichen Gespräch mit dem Blattmacher werde man sich aber nicht entziehen.

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