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Fußball: Torhüter leben immer gefährlicher

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Hintergrund  

Torhüter leben immer gefährlicher

18.10.2008, 12:40 Uhr

Von Jörg Runde

Schwer verletzt: Andreas Reinke (Foto: imago)Schwer verletzt: Andreas Reinke (Foto: imago) Jürgen Hoffelner geht es besser. Die Ärzte haben ihn am Mittwoch aus dem künstlichen Koma geholt. Sogar ein telefonisches Lebenszeichen an seine Familie erlaubten ihm die Ärzte. Mehrere Tage befand sich der kleine Ort bei Darmstadt im Schockzustand.

"Jetzt ist die Erleichterung groß“, sagt Stefan Billing, Präsidiumsmitglied des Oberligisten FC Viktoria. "Wir hatten am Samstag nach dem Spiel das Schlimmste befürchtet."

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Der Teamarzt dachte, Hoffelner stirbt

Was war passiert? Es lief die 50. Minute des Oberliga-Spiels zwischen Eschborn und Urberach, als es zum folgenschweren Zusammenprall zwischen dem Eschborner Sascha Volk und Viktoria-Keeper Hoffelner kam. Hoffelner erlitt Frakturen des Unter- sowie des Oberkiefers, Risswunden an beiden Nasenschleimhäuten, eine Jochbeinfraktur und ein Hirnödem - der Verdacht auf eine Hirnblutung bestätigte sich zum Glück aber nicht. "Ich dachte, er stirbt", sagt Mannschaftsarzt Ulrich Krämer im Rückblick auf die unfassbare Szene. Und trotz allem wagt er eine positive Prognose: "Hoffelner kommt auf den Platz zurück, da bin ich ganz sicher."

Reinke leidet noch immer

Andreas Reinke ist da weniger optimistisch: "Das wird ein ganz harter Weg. Er soll erst einmal sehen, dass er überhaupt wieder gesund wird. Dann kann man weiter sehen.“ Der ehemalige Torwart von Werder Bremen weiß, wovon er spricht. Zweieinhalb Jahre ist es her, da prallte er im Bundesliga-Spiel beim VfB Stuttgart mit Gegenspieler Martin Stranzl zusammen. Die schockierenden Bilder vom blutüberströmten Reinke gingen um die Welt. "Ich habe mir im Gesicht so ziemlich alles gebrochen, was man sich brechen kann“, sagt Reinke im Interview mit t-online.de. Der Augenbogen war an acht Stellen gebrochen und seine Nase war komplett zertrümmert. Noch heute plagen ihn die Folgen der schweren Verletzung. "Ich habe eigentlich permanent Kopfschmerzen. Bei Belastung werden sie unerträglich“, sagt Reinke und ergänzt mit nasaler Stimme: "In meiner Nase sind alle Nerven durch. Ich schmecke nichts, ich rieche nichts, und ich bekomme schlecht Luft.“

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Medikamente gehören zum Alltag

Kopfschmerztabletten und Nasensprays sind zu seinen ständigen Begleitern geworden. "Ich musste letzten Endes wegen der Verletzung meine Karriere beenden. Den Belastungen konnte ich nicht mehr standhalten. Im Nachhinein bin ich aber glücklich, überhaupt noch zu leben“, sagt er. Reinke ist der Branche treu geblieben und arbeitet derzeit als Torwarttrainer der U21-Nationalmannschaft. Er macht das gern, weil er selber leidenschaftlich gern Torhüter war, und weil ihn die Einzigartigkeit der Position noch heute fasziniert. Den Nachwuchs lehrt er deshalb auch weiter seine Art des Torwartsspiels, auch wenn sie für den Athleten nicht ungefährlich ist.

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Kopfverletzungen nehmen zu

Reinke will den mitspielenden, den aggressiven Torwart, der keine Angst kennt. "Das Spiel ist schneller und dynamischer geworden. Da muss man auch als Torwart noch mehr handeln.“ Angst dürfe man in keiner Situationen haben. „Verletzungen können immer passieren. Das Risiko muss man ausblenden“, sagt Reinke. Die Statistik kann man nicht ausblenden. Die belegt, dass die Anzahl der Kopfverletzungen bei den Torhütern in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Von der Champions League über die Bundesliga bis in die Amateurklassen - immer wieder werden Torhüter mit schweren Schädelblessuren vom Platz getragen.

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Torhüter mit Helm

Petr Cech vom FC Chelsea spielt mit Helm. (Foto: imago)Petr Cech vom FC Chelsea spielt mit Helm. (Foto: imago) Petr Cech, tschechischer Nationaltorwart in Diensten des FC Chelsea, spielt nach einem 2006 erlittenen Schädelbruch noch immer mit einem Helm. Zuletzt erwischte es Markus Miller vom Karlsruher SC schwer. Er musste wegen einer schweren Gehirnerschütterung, erlitten in der Bundesliga-Partie gegen Wolfsburg, einige Wochen pausieren. Angesichts der vielen schweren Kopfverletzungen stellt sich die Frage: Riskieren Torhüter heute mehr, oder sind die Angreifer aggressiver geworden? Für Reinke trifft beides zu: "Der Druck auf die Torleute wird immer größer. Sie sollen möglichst oft die Unhaltbaren rausfischen und immer Kopf und Kragen riskieren. Aber das gehört genauso dazu wie das aggressivere Spiel der Stürmer. Von denen wird doch auch verlangt, dass sie dahin gehen, wo es weh tut.“ Da sind schmerzhafte Konfrontation quasi vorprogrammiert.

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Faszination des Torhüterspiels

Jörg Stiel, ehemaliger Torwart von Borussia Mönchengladbach, sieht in der Entwicklung des schnelleren Spiels den großen Reiz: "Das macht den Job des Torhüters so kreativ. Die Anforderungen haben sich dramatisch verändert in den letzten zwanzig Jahren. Früher wartete der Torhüter ab und reagierte. Es gab den Typ des ausgesprochenen Linientorhüters, der sich auf seine Reflexe verließ. Dann wurde von ihm gefordert, dass er den Strafraum beherrscht, und heute muss er auch dreißig Meter vor der Linie eingreifen. Er spielt Libero, dirigiert die Abwehr, löst den Gegenangriff aus. Diese Spielweise birgt natürlich Risiken.“ Auch für die Gesundheit.

Psychologen sind gefordert

Durch das höhere Tempo kommt es immer häufiger zu unkontrollierten Situationen. Torhüter bewegen sich insgesamt in Bereichen des Spielfelds, in denen sie früher nicht zu finden waren. „Auch die psychische Belastung ist durch das veränderte Anforderungsprofil enorm gestiegen. Das setzt die Torhüter unter Druck und macht den Job schwieriger“, sagt Werner Mickler, Sportpsychologe an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Angst ist in diesen Situationen die denkbar ungünstigste Begleiterscheinung. Und so wundert es nicht, dass vor allem Torhüter heutzutage mehr denn je mit Mentaltrainern arbeiten, um ihre Psyche für Drucksituationen zu trainieren und die Angst vor gefährlichen Zweikämpfen zu überwinden.

Selbst Kahn holte sich Unterstützung

Selbst Oliver Kahn betonte zu seiner aktiven Zeit immer wieder: „Der psychische Aspekt hat für Torhüter eine große Bedeutung.“ Ohne psychologische Hilfe wird es auch Jürgen Hoffelner nicht zurück ins Tor von Viktoria Urberach schaffen. Dem 35-Jährigen macht Mickler Mut: „Wenn er die Verletzung innerlich gut verarbeitet und Lösungsmöglichkeiten findet, wie er in einer ähnlichen Situation sich vor einer erneuten Verletzung schützen kann, kann er sogar gestärkt aus der Situation hervorgehen.“

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