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Triathlet Al-Sultan: "Nur dopingfreier Sport ist glaubwürdig"

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Doping im Ausdauersport  

Al-Sultan: "Nur dopingfreier Sport ist glaubwürdig"

12.02.2010, 22:25 Uhr | t-online.de

Das Interview führte Johann Schicklinski

Faris Al-Sultan kämpft vehement gegen Doping. (Foto: imago)Faris Al-Sultan kämpft vehement gegen Doping. (Foto: imago) Faris Al-Sultan ist ein absoluter Weltklasse-Triathlet. 2005 feierte er mit dem Sieg beim Ironman Hawaii seinen bisherigen Karriere-Höhepunkt. Der 30-jährige Bayer kam über den Schwimmsport zum Triathlon und absolvierte als 18-Jähriger seinen ersten Wettkampf. Bereits ein Jahr darauf startete er bei seinem ersten Ironman.

Bekannt geworden ist Al-Sultan auch, weil er sich wie fast kein anderer deutscher Spitzensportler im Anti-Doping-Kampf engagiert. Im Interview mi t-online.de äußert sich der Ausnahmeathlet unter anderem über Doping, Verbesserungspotenzial im Kontrollsystem und darüber, wie er die Krise im Profi-Radsport sieht.

t-online.de: Herr Al Sultan, wie ist die momentane Form? Schon wieder im Training?

Faris Al-Sultan: Ich beginne im Moment mit dem Grundlagentraining für die neue Saison. Nach meinem Saisonhöhepunkt, dem Ironman Hawaii war ich nur locker laufen, Basketball spielen oder im Fitness-Studio. Außerdem war ich in Norwegen zum Skilanglauf, was ja auch gut für die Grundlagenausdauer ist. Mit dem zielgerichteten Training für die nächste Wettkampfsaison habe ich dann Mitte Dezember begonnen.

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t-online.de: Werden Sie denn in Ihrer Trainingspause von Dopingfahndern kontrolliert? Müssen Sie beispielsweise den Anti-Doping-Agenturen melden, dass Sie in Norwegen zum Ski-Langlauf sind?

Faris Al-Sultan: Freilich. Ich muss das ganze Jahr über angeben, wo ich mich befinde. Die Wahrscheinlichkeit, dass einem ein Dopingfahnder ins Ausland folgt, ist allerdings nicht so hoch. Das kommt nicht immer vor. Wichtig aber ist es, dass es vorkommen kann, alleine schon wegen der abschreckenden Wirkung.

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t-online.de: Finden Sie das Kontrollsystem in diesem Punkt ausreichend oder sehen Sie hier noch Optimierungspotenzial?

Faris Al-Sultan: Nun, ob jetzt ein Fahnder einem einzelnen abmeldepflichtigen Athleten nach Norwegen oder von mir aus auch auf die Fidschi-Inseln hinterher reist, ist ja auch eine finanzielle Frage. Solange die Möglichkeit besteht und es stichprobenartig Kontrollen gibt, finde ich das Kontrollsystem so in Ordnung. Allerdings gibt es auch noch genügend Verbesserungsmöglichkeiten. Zum Beispiel trainieren in St. Moritz in der Schweiz wegen der Höhenlage so viele Athleten, von Leichtathleten über Schwimmer bis hin zu den Radsportlern, dass es ein leichtes wäre, dort einen oder zwei feste Dopingfahnder zu installieren.

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t-online.de: Sie sind ja bekannt als Kämpfer gegen das Doping. Was treibt Sie an? Warum sind Sie so ein vehementer Verfechter eines strikten Anti-Doping-Kurses?

Faris Al-Sultan: Das ist eine Frage der Einstellung. Ich betrachte es nicht als Aufgabe des Hochleistungssports, dass der Medaillenspiegel bei den nächsten olympischen Spielen möglichst gut für Deutschland aussieht. Für mich ist die primäre Funktion des Hochleistungssports, dass dadurch möglichst viele Leute für den Sport begeistert und motiviert werden, selbst Sport zu machen. Das geht nur durch dopingfreien Hochleistungssport, um glaubwürdig zu bleiben.

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t-online.de: Ist Ihnen persönlich schon einmal Doping angeboten worden?

Faris Al-Sultan: Nein, mir ist es noch nie persönlich angeboten worden. Ich habe auch noch nie etwas mitbekommen. Gerüchte hört man immer einmal, aber glücklicherweise bin ich bisher nie angesprochen worden.

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Al-Sultan plädiert für einen dopingfreien Ausdauersport. (Foto: imago)Al-Sultan plädiert für einen dopingfreien Ausdauersport. (Foto: imago) t-online.de: Um einen Ironman durchzustehen, muss man als Profi acht bis neun Stunden unmenschliche Leistungen vollbringen. Mal Hand aufs Herz: Kommt da während eines Wettkampfs nicht der Gedanke auf: "Mit Doping geht alles leichter!"?

Faris Al-Sultan: Das hab ich während eines Wettkampfes noch nie gedacht, mir gehen da andere Dinge durch den Kopf, zum Beispiel setze ich mir Teilziele. Mir geht es ja darum, dass ich meine persönliche Leistungsgrenze im Wettkampf verschieben kann. Das sind Grenzerfahrungen, die ich ohne chemische Hilfsmittel machen will. Das Glücksgefühl ist danach auch viel größer, als wenn ich im Hinterkopf hätte, dass meine Leistung auf unnatürlichen Voraussetzungen basieren würde.

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t-online.de: Jetzt mal hypothetisch: Denken Sie denn, dass Sie Ihre Leistung mit Doping signifikant steigern könnten?

Faris Al-Sultan: Es ist ja bekannt, das Schwimmen, Radfahren und Laufen Sportarten sind, in denen man eine Leistungssteigerung relativ schnell durch illegale Mittel erreichen kann. Auch ich könnte dann sicherlich noch etwas gut machen, allerdings käme das, wie gesagt, für mich nie in Frage. 

t-online.de: Was kann man in einem Sport wie Triathlon denn überhaupt durch gezieltes Doping erreichen?

Faris Al-Sultan: Klar ist, dass das Doping im Ausdauersport vor allem zwei Effekte hat. Erstens: die Regenerationszeiten herabzusetzen, sei es nach einem Wettkampf oder nach einem Training an der Belastungsgrenze. Zweitens: die körperlichen Vorraussetzungen zu optimieren. Beides würde natürlich auch in einem Sport wie Triathlon helfen, die Leistung zu verbessern.

t-online.de: Gibt es Unterschiede zwischen dem „normalen“ Triathlon, also einer olympischen Distanz, und dem Ironman? Wo wäre Doping sinnvoller?

Faris Al-Sultan: Ich glaube, dass es auf der olympischen Distanz mehr Sinn machen würde. Die Jungs powern den kompletten Wettkampf über am Rande ihrer Belastungsgrenze, während bei den „Ironmen“ die Herzfrequenz beziehungsweise der Puls zumindest nicht in den roten Bereich geht.

t-online.de: Was denken Sie? Was sind die gebräuchlichsten Dopingmittel im Triathlon?

Faris Al-Sultan: Das Wachstumshormon EPO ist ja das Dopingmittel im Ausdauersport schlechthin. Aber auch durch andere Wachstumshormone sowie anabole Steroide kann man die Leistung illegal steigern. Wobei ich hier keine konkreten Fälle kenne, ich weiß nur, dass es theoretisch möglich wäre.

t-online.de: Von Ihnen gibt es das bekannte Zitat "Illusionen über einen sauberen Profisport mache ich mir nicht mehr". Ist das nicht ein Eingeständnis, dass der Anti-Doping-Kampf nicht zu gewinnen ist?

Faris Al-Sultan: Ich vergleiche das immer gern mit der Kriminalität. Man kann auch mit noch so viel Polizei nicht die Kriminalität abschaffen, aber man kann die bestehenden Verhältnisse immer verbessern. Klar ist, dass es immer schwarze Schafe geben wird, einen komplett dopingfreien Sport wird es nicht geben. Im Großen und Ganzen sollen der Sport und auch das Triathlon sauberer und diejenigen, die gegen die Regeln verstoßen, immer weniger werden.

Lesen Sie im zweiten Teil des t-online-Interviews mit Faris Al Sultan, was der Hawaii-Sieger von dopenden Hobbysportlern hält und warum der Radsport in Deutschland seiner Meinung nach vor einer ungewissen Zukunft steht.

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