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Marco Bode: "Ibisevics Leistung ist absolut außergewöhnlich"

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Hinrunden-Rückblick  

Bode: "Ibisevics Leistung ist absolut außergewöhnlich"

18.12.2008, 10:38 Uhr | t-online.de

Das Interview führte Sebastian Schlichting

Marco Bode (re.) findet das Modell Hoffenheim "absolut in Ordnung". (Fotos: dpa/imago, Montage: t-online.de)Marco Bode (re.) findet das Modell Hoffenheim "absolut in Ordnung". (Fotos: dpa/imago, Montage: t-online.de) Die Bundesliga-Hinrunde ist beendet. Im Interview mit t-online.de zieht der ehemalige Profi Marco Bode Bilanz. Der Ex-Stürmer von Werder Bremen spricht über Hoffenheims Torjäger Vedad Ibisevic, den FC Bayern und die Probleme bei Werder.

t-online.de: Herr Bode, Hoffenheims Vedad Ibisevic hat in der Hinrunde 18 Treffer erzielt. Wie bewerten Sie als ehemaliger Stürmer diese Marke?

Marco Bode: Das ist unglaublich. Er hat in einem halben Jahr so viele Tore erzielt wie ich damals in zwei kompletten Saisons (lacht). Okay, ganz so ist es zum Glück nicht, aber Ibisevics Leistung ist absolut außergewöhnlich.

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Wie ist es zu erklären, dass ein Spieler, der noch vor zwei Jahren bei Alemannia Aachen auf der Bank saß, so eine Leistungsexplosion zeigt?

Da spielen mehrere Faktoren zusammen. Er hat unbestritten große Fähigkeiten. Aber er hat auch eine sehr gute Mannschaft um sich und das System ist mit drei Stürmern offensiv ausgerichtet. Das kommt Ibisevic alles entgegen. Dazu kommt, dass er einfach in einen Lauf reingefunden hat.

Kennen Sie so etwas aus ihrer eigenen Karriere über einen so langen Zeitraum?

Ja, aus der D-Jugend. Da habe ich 100 Tore in einer Saison erzielt (lacht).

100 wird Ibisevic nicht schaffen. Aber vielleicht 40 wie einst Gerd Müller…

Ich halte es für ausgeschlossen, dass er diese Marke knackt. Er wird nicht einbrechen, aber auch nicht mehr so viele Tore schießen wie in der Hinrunde. Die Abwehrspieler werden sich deutlich besser auf Ibisevic einstellen.

Hoffenheim ist Herbstmeister. Ganz ehrlich: Wo hätten Sie die Mannschaft vor der Saison zur Halbserie erwartet?

Natürlich nicht so weit oben. Eher im Mittelfeld.

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Ist die Herbstmeisterschaft ein Nachteil, weil jetzt der Druck größer wird?

Ich sehe es eher als Vorteil. Sie können aus der Winterpause kommen und sagen: Jetzt wollen wir so lange wie möglich oben bleiben und dafür alles geben.

Was macht die Mannschaft so stark?

Man hat schon nach wenigen Spielen gesehen, dass sie nicht durch Zufall da oben stehen. In dieser Mannschaft steckt sehr viel Substanz. Durch meine Tätigkeit als Kuratoriumsmitglied in der Stiftung Jugendfußball kenne ich das Modell, das Dietmar Hopp verfolgt, schon lange und weiß, dass er sich sehr um die Strukturen im Nachwuchs kümmert. Mit Ralf Rangnick und den Zugängen hat er das Team noch einmal auf ein neues Niveau gebracht. Das musste er auch, denn in der Bundesliga kannst Du nur mit Spielern aus der Region nicht bestehen.  

Hoffenheim sorgt für viel Diskussionsstoff. Verstehen Sie die ablehnende Haltung vieler Fans?

Ich finde das Modell absolut in Ordnung. Da ist etwas gewachsen, da steckt eine Philosophie hinter. Ich kann nicht nachvollziehen, warum man das ablehnen sollte, nur weil es an der Tradition fehlt.

Ist die TSG ein Titelkandidat?

Das glaube ich nicht. Aber ich erwarte auch keinen Absturz. Die Qualifikation für die Champions League ist machbar und im UEFA Cup sehe ich Hoffenheim mindestens.

Also werden sich doch wieder die Bayern durchsetzen?

Dass sie der Meisterschaftsanwärter Nummer eins sind, steht außer Frage. Ich rechne auch damit, dass sie Meister werden. Ob es ein Alleingang wird, hängt aber von den anderen ab: Spielen ein oder zwei andere Teams konstant gut, wird es eng für die Bayern. Sonst werden sie sich absetzen.

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Haben Sie die Startschwierigkeiten so erwartet?

Im Nachhinein ist es immer einfach so etwas zu sagen, aber: Vieles ist schon erklärbar. Es ist Jürgen Klinsmanns erste Station als Vereinstrainer, er hat viel im Umfeld verändert. Ich will nicht sagen, dass er von seinen Prinzipien abgerückt ist, aber er hat im Laufe der Hinrunde eingesehen, dass man auch Kompromisse machen muss. Zudem hat Franck Ribéry zu Anfang gefehlt. Er ist der beste Spieler, den wir in der Bundesliga haben.

Ist er der Mann der Hinrunde?

Nein, das ist für mich Ibisevic. Bei Ribéry ist seit langem bekannt, was er kann. Ibisevics Leistung war etwas Besonderes, weil sie so überraschend kam.

Wer hat außer Hoffenheim positiv überrascht?

Vom Tabellenplatz her Hertha BSC. Sie haben eine gute Hinrunde gespielt, aber ich muss sagen, dass noch nicht die ganz großen Bilder bei mir hängen geblieben sind. Eine positive Erscheinung ist Jürgen Klopp. Er hat mit Dortmund zwar noch nicht wie angekündigt Woche für Woche den tollen, leidenschaftlichen Fußball gezeigt. Aber eine Entwicklung ist unübersehbar.

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Was Werder Bremen gezeigt hat, dürfte Ihnen weniger gefallen haben.

Es waren einige tolle Spiele dabei, aber insgesamt war es schon enttäuschend. Vor allem das frühe Aus in der Champions League. Und Diego hat nicht die Form erreicht, die man von ihm kennt. Das wiegt bei einem solchen Ausnahmespieler schwer.   

Was muss sich ändern?

Erstmals seit vielen Jahren war Unruhe bei Werder. Da müssen Klaus Allofs und Thomas Schaaf wieder Ruhe reinkriegen.  In der Winterpause müssen ein bis zwei Transfers realisiert werden und im aktuellen Kader stehen hinter einigen Spielern Fragezeichen. Aber ich sehe keine Anzeichen, dass etwas generell nicht stimmt bei Werder.

Unruhe war auch anderswo, zum Beispiel auf Schalke.

Die Schalker lagen mit einigen Transfers daneben. Dann kam der sportliche Misserfolg und schon ging es rund. Da stecken so viele Emotionen drin, dass es, wenn es nicht läuft, sehr schnell solche Reaktionen gibt. Das ist noch einmal eine ganz andere Dimension als in Bremen.

In der Hinrunde fielen pro Partie über drei Tore im Schnitt, es gab einen neuen Zuschauerrekord. Wie beurteilen Sie das Niveau der Bundesliga?

Sie ist attraktiv, auch sportlich. Auch wenn sie nicht die Qualität der Premier League erreicht.

Im Europapokal stoßen die deutschen Mannschaften jedoch schnell an Grenzen.

Es gab Enttäuschungen. Werder gehört dazu, Schalke auch. Aber auf die Bundesliga bezogen, bieten die Klubs gute Unterhaltung. Nehmen Sie Hoffenheim, Leverkusen oder auch die Bayern und Werder. Das ist schneller, attraktiver Fußball, der den Zuschauern gefällt.

Marco Bode absolvierte 379 Bundesligaspiele für Werder Bremen und erzielte 101 Tore. Nach der WM 2002 beendete er seine Karriere. Heute ist er Experte beim TV-Sender Premiere und arbeitet in einer Agentur für Sportmarketing.

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