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Triathlet Al-Sultan: "Radsport ist dopingverseucht"

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Doping im Ausdauersport  

Al-Sultan: "Radsport ist dopingverseucht"

18.05.2011, 18:37 Uhr | t-online.de

Faris Al-Sultan bei seinem größten Triumph, dem Sieg beim Ironman Hawaii 2005. (Foto: imago)Faris Al-Sultan bei seinem größten Triumph, dem Sieg beim Ironman Hawaii 2005. (Foto: imago) Im zweiten Teil unseres Interviews mit Faris Al-Sultan bezieht der Weltklasse-Triathlet Stellung, wie man dopenden Sportlern begegnen sollte. Außerdem sagt der 30-Jährige, was er von Doping unter Hobbysportlern hält und warum dem Radsport wohl nicht mehr zu helfen ist.

t-online.de: Was wäre in Ihren Augen die richtige Maßnahme, um dopenden Athleten, aber auch den Leuten, die dahinter stehen, zu begegnen?

Faris Al-Sultan: Ich bin für eine zweijährige Sperre für Dopingsünder, im Wiederholungsfall sollten sie lebenslang gesperrt werden, also ungefähr so, wie es im Moment bereits gehandhabt wird. Allerdings bin ich auch dagegen, wenn Leute, die erwischt werden, sich hinstellen und sagen, wie leid es ihnen tut. Ich bin ganz klar dafür, dass die Dopingsünder ihre Quellen und Kontaktmänner offen legen müssen, damit die ganze Struktur, die dahinter steht, und das ganze Doping-Netzwerk sichtbar wird. Kooperation sollte sich dann strafmildernd oder zumindest nicht strafverschärfend auswirken. Nur so ist dem Problem auf Dauer beizukommen.

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t-online.de: Wie oft werden Sie denn während Ihrer Wettkampfsaison kontrolliert?

Faris Al-Sultan: Im Training über das Jahr verteilt etwa vier- bis fünfmal, in unregelmäßigen Abständen. Und natürlich bei den Wettkämpfen.

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t-online.de: Ist das für Sie in Ordnung, oder plädieren Sie dafür, noch öfter Trainingskontrollen vorzunehmen?

Faris Al-Sultan: Ich finde die Zahl in Ordnung, hätte aber auch kein Problem damit, wenn es noch häufiger Kontrollen geben würde.

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t-online.de: Wie häufig wird denn Ihre Konkurrenz aus dem Ausland kontrolliert, zum Beispiel aus den USA oder Australien?

Faris Al-Sultan: Dazu fehlt mir eigentlich das Hintergrundwissen, aber ich habe zumindest gehört, dass die Australier ein ähnlich effektives Kontrollsystem wie wir hier haben. Insgesamt gibt es knapp 120 Länder, in denen Triathlon ausgeübt wird, davon haben 40 Länder Institutionen, die der hiesigen NADA (Nationale Anti-Doping-Agentur) ähneln. Dann bleibt nur, darauf zu vertrauen, dass die auch ähnlich effektiv arbeiten.

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t-online.de: Wie denken Sie über legale leistungsfördernde Mittel im Ausdauersport wie beispielsweise Eiweiß oder Kreatin?

Faris Al-Sultan: Kreatin habe ich vor zehn Jahren auch schon mal im Krafttraining genommen, ein legales Mittel, dass hilft, die Muskeln besser mit Energie zu versorgen. Auch Eiweiß sowie andere Nahrungsergänzungsmittel sind im Ausdauersport üblich, ohne sie ginge es nicht auf höchstem Level. Auch Eisentabletten nehme ich häufig, da ich ansonsten durch das viele Laufen einen Eisenmangel hätte. Generell sind das für mich keine Dopingmittel, es ist ja alles legal und auch aus gesundheitlicher Sicht unbedenklich.

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t-online.de: Was würden Sie dem Hobbyathleten sagen, der vor dem Wettkampf noch zwei Aspirin nimmt, um damit sein Blut zu verdünnen?

Faris Al-Sultan: Damit habe ich keine Erfahrungen, da ich eh keine Pillen nehme. Im Zweifelsfall würde ich ihm aber davon abraten.

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t-online.de: Wie erleben Sie den „Zusammenbruch des Radsports“, der 2008 fast täglich von neuen Skandalen erschüttert wurde?

Faris Al-Sultan: Für mich ist das eher ein Zusammenbruch des Radsports in Deutschland. In Deutschland wird die Zukunft für den Radsport hart, in den USA beispielsweise boomt er mehr denn je und auch die Wirtschaft engagiert sich mehr denn je. Was da im Moment passiert macht mich traurig, weil ich, wie wohl jeder Triathlet, ein großer Fan des Radsports bin und das einfach eine unglaublich schöne Sportart ist.

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t-online.de: Ist der Radsport in Deutschland noch zu retten?

Faris Al-Sultan: Dass der Radsport dopingverseucht ist, das weiß man seit 100 Jahren. Ich bin dagegen, jetzt pharisäerhaft mit dem Finger auf die erwischten Athleten zu zeigen. Wer rückt denn an ihre Stelle? Als Jan Ullrich damals die Koffer packen musste, war er der Buhmann, aber die gleichen Leute jubelten dann Winokourow und Klöden zu. Das ist eine Doppelmoral. Der ganze Sport müsste revolutioniert werden, um das Übel in den Griff zu bekommen. Man muss sich ja nur mal anschauen, wer mit dem Radsport beruflich zu tun hat. Pfleger, Masseure, Mechaniker, die Teamleitungen – alles Ex-Rad-Profis, die in diesem System groß geworden sind. Die kennen das ja gar nicht anders. Deswegen hat der Radsport im Moment sicher ein großes Glaubwürdigkeitsproblem und steht, zumindest in Deutschland, vor einer ungewissen Zukunft.

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t-online.de: Sind Sie der Meinung, dass die Möglichkeit, Dopingproben bis zur Entwicklung neuer Nachweisverfahren einzufrieren und diese dann eventuell aufzutauen, eine präventive Wirkung besitzt?

Faris Al-Sultan: Das ist schwierig zu beantworten. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob es von höchster Stelle unbedingt immer gewollt ist, Dopingproben im Nachhinein noch einmal aufzutauen und zu kontrollieren. Ob das wirklich eine so ultra-abschreckende Wirkung hat? Ich weiß es wirklich nicht. Am wirkungsvollsten sind meiner Meinung nach auch weiterhin Kontrollen, die regelmäßig, unangemeldet und oft stattfinden.

t-online.de: Herr Al-Sultan, vielen Dank für das Gespräch.

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