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Rallye Dakar: Dirk von Zitzewitz im Interview

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Rallye Dakar  

Von Zitzewitz: "Wir fahren ins Ungewisse"

02.01.2009, 15:30 Uhr | Spiegel Online

VW-Navigator Dirk von Zitzewitz. (Foto: imago)VW-Navigator Dirk von Zitzewitz. (Foto: imago)

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Das legendärste Autorennen der Welt findet erstmals in Südamerika statt. Bei der Dakar Rallye 2009 ist Dirk von Zitzewitz aussichtsreichster Deutscher. Im Interview mit "Spiegel online" spricht der Beifahrer von Giniel de Villiers über das Risiko, in der Wüste zu verdursten und das blinde Vertrauen, das im Cockpit nötig ist.

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Herr von Zitzewitz, wer ist im Auto eigentlich der Chef? Der Mann am Steuer oder der, der sagt wo es hingeht?
Ich versuche Giniel immer auf meinen Wissensstand zu bringen. Allerdings konzentriert er sich voll auf das Fahren. Wo es genau langgeht, weiß er nicht. Speziell wenn es keine erkennbare Piste gibt, muss er mir absolut vertrauen. Für Fragen bleibt keine Zeit. Er muss davon ausgehen, dass ich uns in die richtige Richtung jage.

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Kennen Sie sich in Argentinien aus?
Ich war noch nie in Argentinien und von Chile habe ich sehr wenig gesehen. Vor mir liegt eine absolut neue Herausforderung. Nach neun Starts bei der Dakar kenne ich mich in Nordafrika ganz gut aus, aber hier? Es geht mir wie den meisten – wir fahren ins Ungewisse.

Bis einen Tag vor dem Start wissen Sie nur ungefähr, wie die Strecke aussieht. Wie haben Sie sich auf die 14 Etappen vorbereitet?
Ende November gab es vom Veranstalter eine erste offizielle Streckenbeschreibung für jeden Tag – allerdings ohne Karte oder Details. Wir haben dann im Team spekuliert, wie die Route aussehen könnte und ich habe versucht, mir mit Hilfe von Google Earth ein Bild vom Gelände zu machen. Heute gehe ich davon aus, dass es eine der schwersten Rallyes aller Zeiten wird.

Was heißt für Sie schwer?
Es bedeutet schwierige Navigation mangels Referenzpunkten in der Natur und sehr wechselhaftes Gelände, auch innerhalb einer Etappe. Der Fahrer muss sich permanent neu einstellen und der Wandel zwingt mich zu besonders akribischer Arbeit.

Sie erhalten am Abend vor dem Start das aktuelle, maßgebliche Roadbook. Wie sieht diese Wegbeschreibung konkret aus?
Ein Roadbook enthält drei Spalten: Eine mit Pfeilen und anderen Symbolen, eine mit kurzen Hinweisen auf Geländebesonderheiten und eine mit Entfernungsangaben. Damit befasse ich mich vier bis fünf Stunden intensiv.

Was passiert dann unmittelbar vor dem Start?
Ich gebe den Navigationscode des Tages ins GPS ein. Jedes Fahrzeug muss mit dem gleichen, ziemlich simplen GPS vom Veranstalter auskommen. Es ist nicht viel mehr als ein elektronischer Kompass. Im Rennen kommt es letztlich darauf an, verschiedene Punkte abzufahren. Es ist ähnlich wie in in einem Videospiel, in dem man versucht, auf verschiedenen Levels Bonuspunkte zu sammeln. Wenn wir auch nur einen Punkt ausließen, gäbe es zwei Stunden Strafzeit.

Handelt es sich bei diesen GPS-Punkten um markante Stellen im Gelände?
Nicht unbedingt. Es funktioniert so: Wenn wir in einem Umkreis von drei Kilometern an dem GPS Punkt sind, zeigt mir das Gerät eine Kompassrose und damit die Luftlinie zum Punkt. Diesen müssen wir in einem Umkreis von 200 Metern durchfahren – dann wird er automatisch gewertet. Es könnte ein Ort irgendwo in den Dünen sein. Pro Etappe gibt es fünf bis zehn solcher Punkte.

Gesetzt den Fall, Sie starten von Platz drei – wie gehen Sie mit den Spuren im Sand der vor Ihnen fahrenden Teams um?
Ich nehme Spuren wahr, manchmal ist es aber besser, sie zu ignorieren. Wenn wir als Dritte starten, haben wir zum Beispiel Stéphane Peterhansel und einen anderen Top-Fahrer vor uns. Dann kommen wir an eine Gabelung und zwei Spuren führen nach rechts, obwohl ich eigentlich links fahren wollte. Die vor uns hatten sicher einen guten Grund, nach rechts zu fahren. Die sind ja nicht doof! Es stellt sich also die Frage: Halte ich an meiner Ausarbeitung fest, oder nicht? Folge ich den Spuren, bin ich zumindest nicht langsamer als die vor mir.

Wenn aufgrund richtiger Entscheidungen Zeit gutgemacht wird, ist das also der wahre Triumph des Navigators?
So ist es. Wenn wir durch Navigation eine Etappe gewinnen, ist das für mich das Größte. Eine Etappe zu eröffnen und im Ziel der Schnellste gewesen zu sein – das ist wie ein Ritterschlag. Will man ein ganzes Rennen gewinnen, sollte man dieses fantastische Gefühl mindestens einmal spüren.

Der Franzose Stéphane Peterhansel, der die Dakar schon neunmal gewonnen hat, hat Giniel de Villiers und Sie als seine härtesten Konkurrenten bezeichnet. Was ist Ihr persönliches Ziel?
Wir wollen das Ding gewinnen. Wir haben die Gesamtwertung 2007 angeführt, als uns ein Motorschaden stoppte. Wir wissen also, dass wir es draufhaben.

Es wäre der erste Sieg für VW überhaupt. Angesichts der Krise in der Automobilindustrie wäre ein solcher Erfolg sicher doppelt wichtig.
Natürlich. Toyota, Suzuki und Subaru haben sich von der Rallye-WM zurückgezogen und in Krisenzeiten wird der Sinn solcher Investitionen überall hinterfragt. Ich glaube allerdings, dass die Dakar ein positiv besetztes Abenteuer ist, was mit seiner technischen Herausforderung auch in unsere Zeit passt.

Aber allein der logistische Aufwand hinter einer Rallye in Südamerika ist gewaltig und entsprechend kostspielig.
Sicher ist das aufwendig, sicher wird viel Geld bewegt. Aber wenn wir jetzt alle zu Hause sitzenbleiben und keiner mehr etwas macht, wird die Krise immer schlimmer. Jeder muss wissen, was er sich leisten kann und möchte und was nicht.

Man muss es aber auch gegenüber den Arbeitern im Werk rechtfertigen können.
Klar – aber wir fahren ja auch nicht durch die Gegend, um Geld zu verbrennen, sondern um das VW-Know-how zu präsentieren. Wir zeigen der Welt, wie gut Volkswagen Autos bauen kann. Wenn der Hersteller keine Werbung mehr macht, hat der Arbeiter am Fließband früher oder später ein Problem.

Die Dakar hatte schon häufiger Probleme – ganz besonders, wenn Menschen ums Leben gekommen sind. Seit Bestehen der Rallye gab es schon 54 Tote.
Viele kamen in den ersten Jahren um, weil sie sich verirrt hatten. Sie sind jämmerlich verdurstet, aber so etwas sollte mit den technischen Hilfsmitteln von heute eigentlich nicht mehr passieren. Dank GPS und Satellitentelefon weiß der Veranstalter immer, wo jeder ist. Das ist ein wichtiger Aspekt der Gefahrenminimierung. Was bleibt, ist das Risiko eines Unfalls.

Vor drei Jahren sind zwei Kinder überfahren worden.
Das war schrecklich, aber wir und die Veranstalter tun alles dafür, das Rennen so sicher wie möglich zu machen. Zugegeben: In den ersten Jahren wurde teilweise recht ignorant durch die Pampa geblasen. Mit Vollgas durch die Dörfer – das gibt es aber längst nicht mehr. Es gibt sogenannte Speedzones, in denen wir nur 30 oder 50 fahren dürfen. In Afrika habe ich es allerdings auch in einsamen Gegenden so erlebt, dass kein Mensch im Dorf ist, sondern alle da stehen, wo wir wieder durchstarten dürfen. Die Einheimischen begeistern sich eben auch für das Spektakel. Sie freuen sich, dass endlich mal was vor ihrer Tür passiert. Trotzdem: In keinem Sport darf das Leben eines Zuschauers gefährdet werden.

Im Überblick Dakar-Sieger Autos
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Im Überblick Dakar-Sieger Trucks

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