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Die Wissenschaft zieht in der Bundesliga ein

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Die Wissenschaft zieht in der Bundesliga ein

04.01.2009, 14:00 Uhr | t-online.de

Von Jörg Runde

Maximilian Nicu in der Höhenkammer von Hertha BSC. (Foto: imago)Maximilian Nicu in der Höhenkammer von Hertha BSC. (Foto: imago) Beim Anblick der fast 30 Sportler in einheitlichen Trainingsanzügen staunten die Studierenden der Deutschen Sporthochschule in Köln nicht schlecht. Stars wie Patrick Helmes, Rene Adler, Renato Augusto und Simon Rolfes schlenderten gemütlich über den Campus. Die Fußball-Profis von Bayer Leverkusen waren dem Ruf ihres Konditionstrainers Holger Broich gefolgt.

Im deutschen Forschungszentrum für Leistungssport „Momentum“ wurde auf dem Fahrradergometer geradelt, an Kraftmaschinen gedrückt und auf Sprungplatten gehüpft. Der Körperscanner lief über jeden Spieler. Und es flossen auch Blut und Urin. „Wir haben viele verschiedene Körperwerte gemessen“, sagt Broich, der sich von der fünfstündigen Testreihe Antworten auf viele Fragen erhofft.

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Defizite aufzeigen

Wie gut ist die Sauerstoffaufnahme? Wie funktioniert der Stoffwechsel? Welche Defizite bringt die Kraftdiagnostik zum Vorschein? Welche Fehlhaltungen haben sich eingeschlichen? „Die Leistungsdiagnostik ist heute von immer größerer Bedeutung“, sagt Broich und ergänzt: „Unser Ziel ist der gläserne Athlet. Ich meine das im positiven Sinne. Je mehr wir über einen Spieler wissen, umso besser ist es für ihn und seine Leistung.“

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Parameter werden gemessen

Beim Tabellenfünften der Fußball-Bundesliga sind die Profis daran bereits gewöhnt.  Dort gibt es Tests auch während der Spielzeit. Zu den täglich aufgenommenen Parametern gehören Gewicht, Körpertemperatur, Herzfrequenz. Wöchentlich werden mehrmals Creatinkinase und Harnstoff ermittelt und elektronisch gesammelt. Hinzu kommt die permanente Ermittlung der Ausdauer- und Kraftleistungsfähigkeit. Alle Informationen werden in einer speziellen Datenbank zusammengetragen, ausgewertet um dann als Grundlage für die Trainingssteuerung zu dienen.

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Trainingskontrolle für Bayer-Spieler

Denn trotz aller Wissenschaftlichkeit, liegt die Wahrheit auf dem Platz. Bayer-Trainer Bruno Labbadia hält viel von den Daten. „Aktivismus bringt nichts. Die Interpretation der Daten ist wichtig. Sie hilft mir weiter und ich kann die Belastung individuell steuern“, sagt er. So erkennt der Trainer anhand der Daten, dass beispielsweise Helmes einmal reduzierter trainieren muss oder dass Rolfes noch Reserven hat.

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Auch Schalke vorne mit dabei

Bei Schalke läuft es mit der individuellen Steuerung des Trainings ähnlich. Verantwortlich ist Jürgen Freiwald von der Universität Wuppertal. "Mit den üblichen Laktat-Messungen können wir zwar bestimmen, wie schnell Fußballspieler einen Marathon laufen könnten aber das ist für die Leistungsfähigkeit des Fußballers auf dem Platzeigentlich nicht interessant", sagt der Sportwissenschaftler. „Wir setzen auf fußballspezifische Parameter.“

Das Spiel hat sich verändert

Der Grund liegt auf der Hand. „Das Fußball-Spiel hat sich verändert. Die Aktionen finden auf immer kleinerem Raum statt, dafür mit viel höheren Belastungen als noch vor 15 Jahren", sagt Freiwald und verweist auf die aktuellen Daten. Mehr als 60 Saisonspiele absolvierte Leverkusens Nationalspieler Rolfes zum Beispiel. Bis zu zwölf Kilometer legt er während eines Spiels zurück. Fast doppelt soviel wie noch vor zehn Jahren. Und schneller geworden ist das Spiel auch noch, weswegen sich die Anzahl der Sprints von rund 110 auf 160 pro Partie erhöht hat. Insgesamt ist die Belastung eines Spitzenfußballers enorm gestiegen.

Unterschiedliche Einheiten

Und jeder Mannschaftsteil hat seine eigenen Belastungsschwerpunkte. „Stürmer bewegen sich äußerst azyklisch. Immer wieder sind sie bei kurzen Sprints gefordert. Also müssen sie anders trainieren als Innenverteidiger oder Spieler, die die Außenpositionen besetzen. Sie müssen ständig vor und zurück laufen und trotz großer Ermüdung eine große Ballsicherheit haben“, erklärt Freiwald den Sinn der positionsbezogenen Einheit.

Alles herauskitzeln

"Auf höchstem Niveau geht es darum, die letzten 5 bis 6 Prozent aus den Spielern herauszukitzeln. Nur dann ist man erfolgreich. Und genau deshalb wird so intensiv an einer individuellen Trainingssteuerung gearbeitet", erklärt Freiwald und fügt an: „Die Effizienz des Trainings steigt dadurch enorm."

Höhenkammer in Berlin

Dabei wagen die Vereine immer häufiger den Blick über den Tellerrand. Bei Hertha BSC radeln die Spieler oft in einer Höhenkammer, um die für die Ausdauer wichtigen roten Blutkörperchen zu vermehren.  Die Europameisterschaft im Sommer habe aufgezeigt, dass die Unterschiede zwischen den Mannschaften zunehmend geringer würden, sagt Hertha-Manager Dieter Hoeneß: „In der Bundesliga ist es genauso. Viele Spiele stehen auf der Kippe, werden nur durch ein spätes Tor entschieden.“ Bei Schalke absolvieren die Spieler auch deshalb oft drei oder vier Einheiten am Tag.  „Die Arbeit im Krafttraum und in der Schwimm- oder Leichtathletikhalle ist sehr wichtig", sagt Freiwald.

Vorreiter Klinsmann

Als Vorreiter dieser systematischen Verbesserung gilt der heutige Coach des FC Bayern München. „Jürgen Klinsmann hat sich viel mit Training in anderen Sportarten befasst. Er hat einen großen Anteil daran, dass wissenschaftliche Erkenntnisse im deutschen Fußball immer wichtiger werden“, sagt Freiwald. Kollege Broich sieht das ähnlich, sagt aber auch: Was Jürgen Klinsmann auf dem Weg zur WM 2006 mit der Nationalmannschaft machte, war für die Fachleute nichts Neues. Wichtig ist, dass durch die Darstellung in der Öffentlichkeit der Stellenwert der Leistungsdiagnostik gestiegen ist."

Magath bleibt konservativ

Und dennoch gibt es noch immer Trainer, die sich den wissenschaftlichen Erkenntnissen verschließen. Felix Magath, Trainer des VfL Wolfsburg, bittet seine Spieler nicht einmal zum Laktattest. „In den 70er Jahren beruhte die Trainingsgestaltung hauptsächlich auf langjährigen Erfahrungswerten. Heutzutage werden neue Methoden öffentlichwirksam präsentiert, wissenschaftlich begründet und verkauft. Dabei hat sich doch der Spieler in den letzten 40 Jahren vom Körperbau nicht verändert. Verändert hat sich nur das Umfeld.“ So kann man es auch sehen.

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