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"Gib alles, verrückter Amerikaner"

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Rallye Dakar  

"Gib alles, verrückter Amerikaner"

14.01.2009, 11:08 Uhr | Spiegel Online

Robby Gordon in seinem mächtigen Hummer (Foto: dpa)Robby Gordon in seinem mächtigen Hummer (Foto: dpa)

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Ab in die wüsteste Wüste: Die Rallye Dakar ist in ihrer heißesten Phase - in der Atacama. Die Fahrer werden in Südamerika umjubelt, wie es keiner erwartet hatte. Der Motorzirkus ist ein Volksspektakel mit Streckenpartys, Hightech-Biwaks - und in einem Rennauto sogar einer Fritteuse.

Die Raststätte der legendären Autopiste Panamericana, irgendwo zwischen Valparaiso und Coquimbo in Chile, gehört morgens um fünf Uhr eigentlich müden Fernfahrern. Doch an diesem Tag ist alles anders.

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Selbst Lkw-Fahrer werden wie Popstars gefeiert

Um die Zapfsäulen tobt ein Blitzlichtgewitter, in der Schlange vor der Café-Theke geben die Teilnehmer der Rallye Dakar Interviews. Die Motorradfahrer stehen chilenischen Fans vor laufendem Camcorder Rede und Antwort. Dann schwingen Sie sich wieder auf ihre knatternden Enduros und rasen in der aufgehenden Sonne zum Start der Wertungsprüfung. Die Szene vom Sonntag zeigt, wie begeistert das Motorsport-Spektakel in Südamerika bejubelt wird. Selbst der letzte Lkw-Fahrer wird in seinem Führerhäuschen gefeiert wie ein Popstar.

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Dakar ist ein Markenzeichen

Etienne Lavigne, der Chef der französischen Veranstaltungsorganisation Amaury Sport Organisation, kann sein Glück kaum fassen: "Als wir uns entschieden, die Dakar in Südamerika zu veranstalten, wussten wir, dass wir eine anspruchsvolle, faszinierende Strecke anbieten können. Wie uns die Menschen in Argentinien und Chile empfangen, hat meine Erwartungen aber weit übertroffen." Der 45-jährige Franzose strahlt, denn es zeigt sich, dass die Dakar ein Markenzeichen geworden ist. Sie muss nicht mehr in der Hauptstadt des Senegal enden und sie braucht nicht zwingend die Dünen der Sahara. Die vielleicht sogar am wenigsten.

Nur der Tamarugo-Baum kann überleben

Am Dienstag wartete nämlich mit der 690 Kilometer langen zehnten Etappe der heiße Höhepunkt der Rallye. Die Anbaugebiete des chilenischen Exportschlagers, der robusten Hass-Avocado, liegen längst hinter der Karawane, ebenso die grünen Güter des berühmten Carmenère-Rotweins. Vor den Tapferen, die noch im Rennen sind, lag jetzt die Atacama, mithin die trockenste Wüste der Erde, in der es kaum Leben gibt. Nur die Wurzeln des Tamarugo-Baums finden irgendwo in der Tiefe eine Überlebensgrundlage. Tiere gibt es keine, Menschen haben hier so wenig verloren wie Fische. Oder Autos.

Guerrero im Koma

Weil dann auch noch dichter Nebel, der vom Pazifik herübergezogen war, über einem Teil der Piste lag, wurde die Etappe auf 466 Kilometer verkürzt. Zudem fehlte dem Sand in manchen Abschnitten schlicht die Tragfähigkeit. Trotz dieser Maßnahme kam es erneut zu einem schweren Unfall: Der spanische Motorradfahrer Cristobal Guerrero fiel nach einem schweren Sturz ins Koma und musste ins Krankenhaus des Start- und Zielorts Copiapo eingeliefert werden.

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Sainz: "Ich muss da durch"

Der Tuareg von VW-Pilot Carlos Sainz (Foto: dpa)Der Tuareg von VW-Pilot Carlos Sainz (Foto: dpa) Der Gesamtführende Carlos Sainz fährt mit seinem VW Race Touareg eigentlich lieber auf schnellen und kühleren Pisten. "Aber es hilft ja nichts – ich muss da durch", sagte er vor der Etappe - und startete durch. Auf den ersten Kilometern baute er seinen Vorsprung von gut 20 Minuten auf die Verfolger Giniel de Villiers und Dirk von Zitzewitz, ebenfalls VW, bereits aus.

Bloß nicht zum Stillstand kommen

Doch Sainz weiß: Wenn er sich in einem der gigantischen Sandberge festfährt, müssen er und sein Co-Pilot Michel Périn die sechs Bleche und die beiden Spaten aus dem Kofferraum holen. Eine Situation, in der kein Fahrer cool bleibt. Von Zitzewitz, Beifahrer von Sandspezialist de Villiers, sagt: "Eine Düne fahren wir wie in Serpentinen rauf. Hin und her arbeiten wir uns nach oben. Wir dürfen nicht zum Stillstand kommen, denn dann kann man sich verdammt schnell festfahren."

Robby Gordon fühlt sich pudelwohl

Einer, der sich auf die Sandkastenspiele bei rund 60 Grad im Cockpit angeblich besonders freut, ist der Amerikaner Robby Gordon. Er fährt in einem umgebauten schwarzen Hummer und sagt selbstbewusst: "Je schwieriger die Düne, umso besser für den Hummer." Auf seinem Nummernschild aus dem Grand-Canyon-Staat Arizona steht in Großbuchstaben "DAKARH 1", und wenn er durch die Pampa rauscht, brüllen die Fans begeistert "Arriba Gringo Loco!" - was man in diesem Falle übersetzen kann mit: "Gib alles, verrückter Amerikaner."

Größte Freiluft-Werkstatt der Welt

"Alles geben" ist für die 15 Tage der Dakar auch das Motto der Mechaniker im Biwak. Was sich Biwak nennt, ist in Wahrheit die größte Freiluft-Werkstatt der Welt. Generatoren brummen, Druckpistolen zischen. Die KTM-Mechaniker des Spaniers Marc Coma lassen den Motor aufheulen. Ein paar Meter weiter kümmern sich bei VW um jeden der vier Race-Touareg sechs Mechaniker. Was sie am Zielort jeden Abend leisten, ist die reinste Sisyphusarbeit.

"Es ist eine echte Leidenschaft"

Die Profischrauber nehmen die verstaubten Wagen fast komplett auseinander, prüfen alle Teile bis zu den Gelenken der Antriebswelle auf ihre Funktion, wechseln Luftfilter und polieren am Ende die Motorhaube. Arthur Wronski, der seit 2003 bei der Dakar dabei ist und als Chefmechaniker des Allrad-Autos von Carlos Sainz viel Verantwortung trägt, ist trotzdem glücklich, wieder dabei zu sein: "Ein Teil dieser Herausforderung zu sein, ist etwas Besonderes. Es ist eine echte Leidenschaft dahinter, denn ansonsten würde ich mich auf diesen harten Job nicht immer wieder einlassen. Mein größter Traum ist, die Rallye endlich zu gewinnen und auf dem Heimflug ordentlich im Team zu feiern."

Die Frittenbude mit Startnummer 713

Weniger mit Motoröl dafür aber mit Sonnenblumenöl und Pommes Frites, beschäftigen sich Dominique Dupont und Jean-Jaques Finot. Die Franzosen werfen, umgeben von ambitionierten Teams und Schraubern, munter Kartoffelstreifen in ihre brutzelnde Fritteuse. Nein, die beiden betreiben keinen herkömmlichen Schnellimbiss. Sie braten in einem umgebauten Toyota-Pick-up mit Startnummer 713 durch die Pampas. Werbeaufschrift: "Ch'ti Friterie".

Lieblingskomödie fortgesetzt

Der Umbau ihres gelben Gefährts bezieht sich im Wesentlichen auf den Einbau der Fritteuse. Hintergedanke der verrückten Aktion: Im französischen Kinolacherfolg des vergangenen Herbstes, "Willkommen bei den Sch'tis", spielte eine Frittenbude eine wichtige Rolle. Bei der Dakar setzen Dupont und Finot ihre Lieblingskomödie eigenwillig fort. In der Atacama bleibt die Fritteuse dann aber doch aus.

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