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1. FC Köln  

Lukas Podolski - Risiken einer Rückkehr

19.01.2009, 20:32 Uhr | Spiegel Online

Wird in Köln für Lukas Podolski wirklich alles besser?Wird in Köln für Lukas Podolski wirklich alles besser? Ende eines Transfer-Epos: Lukas Podolski wechselt im Sommer zum 1. FC Köln. Die Stadt sehnt seine Rückkehr herbei und soll sie mitfinanzieren. Der Daum-Klub bekommt einen Nationalspieler - und eine Menge Probleme.

Die Vollzugsmeldung ist an Nüchternheit kaum zu überbieten. Am Montagmorgen um 9 Uhr verkündete Lukas Podolski auf seiner Homepage das Ende eines wohl beispiellosen Transfer-Epos. "Ich habe mich mit dem 1. FC Köln auf einen Vertrag ab dem 1. Juli 2009 geeinigt. Ich bin froh, dass die Entscheidung über meine sportliche Zukunft gefallen ist und die Spekulationen um meine Person ein Ende haben", teilte der Nationalspieler vom FC Bayern München mit. Er erhält einen Vertrag bis 2013 und kostet den Aufsteiger rund zehn Millionen Euro.

Birgt der Podolski-Wechsel nach Köln wirklich Risiken? Teilen Sie uns ihre Meinung am Ende des Artikels mit.

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Bier trinken gegen den Schuldenberg

Drei Viertel dieser Summe können die Kölner direkt stemmen - größtenteils über Schulden - der Rest soll mit einer Party rund um ein "Abschieds-Rückkehrspiel" gegen die Bayern eingenommen werden. Sponsoren spenden Bier, und die Fans sollen kräftig konsumieren. "Ganz Köln wollte die Rückkehr von Lukas Podolski, jetzt kann ganz Köln helfen, dass wir das auch hinbekommen", sagt der stolze Manager Michael Meier. Das passt zum Klub und zur Stadt, die ihren Poldi nach Hause feiert. Vermutlich werden schon im Karneval viele Tausende Poldis durch die Straßen ziehen.

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Podolski bringt die Hierarchie in Gefahr

Keine Frage, es handelt sich hier um die Rückkehr eines Superhelden - vor kritischen Anmerkungen schützt das die Kölner jedoch nicht. Die Probleme, die Podolski mit in die geliebte Heimat bringt, lassen sich mit dieser Form des kölnischen Optimismus nämlich kaum aus der Welt schaffen. In einem Kraftakt hat Christoph Daum seinen multinationalen und charakterlich nicht ganz einfachen Kader in der Vorsaison zu einer homogenen Einheit geformt. Seither herrscht eine konstruktive Gemeinsamkeit. Die Hierarchie funktioniert. Vor allem Milivoje Novakovic blüht in seiner Kapitänsrolle auf, nachdem er in früheren Jahren immer wieder mit nächtlichen Eskapaden oder öffentlich verbreiteten Wechselabsichten für Unruhe gesorgt hat. Seit einem Dreivierteljahr haben sie alle ihren Platz in Köln gefunden.

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Das Poldi-Phantom geht um

Dieses fragile Gebilde wird spätestens mit Podolskis Ankunft auf eine harte Probe gestellt. Schon jetzt könnte die phantomartige Allgegenwärtigkeit des Stürmers unerwünschte Wirkungen auf das Mannschaftsgebilde entwickeln. Denn Podolskis Vertrag gilt nur für die Erste Liga. Die Mannschaft spielt also fortan nicht nur um den Klassenerhalt. Auf ihren Schultern lastet auch die Verantwortung für die Vollendung der herbeigesehnten Rückkehr.

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Im Sommer soll erneut investiert werden

Die sportliche Leitung hat diese Effekte intern gründlich diskutiert, ebenso wie die enormen Kosten des Transfers, welche die dringend notwendige Weiterentwicklung anderer Mannschaftsteile erheblich komplizieren. Daum ließ sich vor seinem Einverständnis zusichern, dass im Sommer weiteres Geld für Verstärkungen bereitgestellt wird.

Gegenentwurf zu Hoffenheim

Dennoch profiliert sich der 1. FC Köln mit diesem Transfer als Gegenmodell zu einem Klub wie 1899 Hoffenheim, bei dem auf flache Hierarchien gesetzt wird. Die Rheinländer haben sich für einen leuchtenden Stern im Kader entschieden, und sie sagen das auch ganz offen. "Wir wollen hier eine Geschichte schreiben", verkündet Meier, "und Lukas soll das Gesicht der Geschichte werden." Es ist ein Modell alter Schule, die Vorbilder: der ewige Hamburger Uwe Seeler oder die Dauer-Münchner Uli Hoeneß und Sepp Maier.

Klinsmann: "Podolski bleibt einfach stehen"

Ungewiss bleibt, ob die Rückkehr Podolski aus seiner gegenwärtigen Lethargie heraushilft. Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann hat vorige Woche gesagt, dass es ihn innerlich schmerze, "wenn man sieht, dass da ein besonderes Talent ist, das einfach stehen bleibt und nicht weiterkommt". Der 60-fache Nationalspieler sei offenbar "nicht der Typ, den Spielern, die vor ihm stehen, den Kampf anzusagen". Eine solche Rückzugsreaktion darf Podolski sich in schwierigeren Phasen - die sicher auch in Köln kommen werden - nicht erlauben.

Schramm: "Podolski zahlt Vertrauen zurück"

Die andere Sichtweise hat Podolskis Berater Kon Schramm einmal vorgetragen: "Immer wenn man Lukas Vertrauen schenkt, dann zahlt er es auch zurück." Bei aller Kritik an der mangelnden Durchsetzungsfähigkeit des Stürmers - auch diese Aussage ist korrekt. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrung riet selbst Joachim Löw Podolski zu einer Rückkehr nach Köln. "Ich denke, das wird seiner Entwicklung guttun", sagt der Bundestrainer. Offenbar hält Löw Podolski für einen Spieler, der private Sicherheit und Anerkennung dringender benötigt als internationale Erfahrung.

Die Sehnsucht nach dem Rheinland

Nicht zuletzt hat es schließlich etwas sehr Menschliches, dass Podolski so dringend zurückkehren wollte ins heimische Bergheim, wo die vier Großeltern seines neun Monate alten Sohnes Louis leben. Vor allem seine Freundin Monika (21) ist nie richtig angekommen in der mondänen Welt der Münchner Spielerfrauen, sie sehnte sich zurück ins Rheinland. Podolski ist ein Mann, dem so etwas wichtig ist. Statt Woche für Woche internationalen Spitzenfußball zu spielen, muss der 23-Jährige nun eine andere Form des Reifeprozesses durchlaufen.

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