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Handball-WM: Schiedsrichter "sind die Amateure in dem Sport"

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Handball-WM  

"Wir sind die Amateure in dem Sport"

29.01.2009, 11:27 Uhr | Spiegel Online

Die deutschen Handballer fühlen sich bei der WM in Kroatien von den Schiedsrichtern benachteiligt. (Foto: imago)Die deutschen Handballer fühlen sich bei der WM in Kroatien von den Schiedsrichtern benachteiligt. (Foto: imago) Die Schiedsrichter stehen bei der Handball-WM in Kroatien im Blickpunkt - wieder einmal. Seit Jahren gibt es ein starkes Leistungsgefälle unter den Referees und viele dubiose Entscheidungen. Erste Änderungen der Rahmenbedingungen greifen bei dieser WM, doch es muss mehr passieren.

"Wenn man sich die Situationen noch einmal anschaut, dann weiß man, wie das hier heute gelaufen ist", sagte Bundestrainer Heiner Brand nach der Partie gegen Dänemark - und meinte einige strittige Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns Din/Dinu aus Rumänien. Sein Torhüter Johannes Bitter beklagte sich: "Von diesen Leistungen träume ich noch in zehn Jahren." Und der verletzte Kapitän wurde noch deutlicher: "Das grenzt schon fast an Betrug", so Michael Kraus. Schiedsrichterdiskussionen, wie sie der Handball-Sport seit Jahren immer wieder erlebt.

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Diskussion übertrieben?

"Ich finde die aktuelle Diskussion ein bisschen übertrieben", sagt der deutsche Top-Schiedsrichter Bernd Ullrich zu "Spiegel Online". "Sicherlich gab es zwei, drei unglückliche Entscheidungen, aber man muss sich nicht gleich verfolgt fühlen", so Ullrich, der mit seinem Partner Frank Lemme seit vielen Jahren zu den renommiertesten Gespannen der Handball-Welt zählt. 2005 leiteten sie das WM-Finale, im vergangenen Jahr das Endspiel der olympischen Spiele in Peking.

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Betrugsvorwürfe von Frankreich bei der WM 2007

"Das erinnert mich ein bisschen an die Franzosen vor zwei Jahren", so Ullrich. Im Halbfinale der damaligen Titelkämpfe wurde den Franzosen zum Ende der zweiten Verlängerung der vermeintliche Ausgleich durch Linksaußen Michael Guigou aberkannt. Sie schieden aus, Nationaltrainer Claude Onesta erhob Betrugsvorwürfe und verweigerte sich der anschließenden Pressekonferenz. Gegner damals: Deutschland.

Skandalspiel in der Olympia-Qualifikation

Unvergessen auch die zweifellos skandalöse Schiedsrichterleistung in der entscheidenden Partie der asiatischen Olympia-Qualifikation im September 2007. Kuwait besiegte damals geradezu sensationell das Team aus Südkorea. Die Unparteiischen aus Jordanien, kurzfristig angesetzt, boten eine haarsträubende Leistung, trafen zahllose offensichtlich falsche Entscheidungen. Er habe diese Partie in der Halle miterlebt, noch nie etwas Schlimmeres gesehen, berichtete später Frank Lemme. Nach langem Hin und Her wurde die Begegnung neu angesetzt, Südkorea siegte.

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Entwicklung im Handball zu rasant

Für Schiedsrichter-Gespanne, die nicht regelmäßig auf höchstem Niveau pfeifen, sondern nur alle zwei Jahre bei einer WM den besten Spielern der Welt begegnen, ist es kaum möglich, die rasante Entwicklung des Handballs mitzugehen. "Der Sport ist schnell geworden", sagt Ullrich, "und wir versuchen ja mitzuhalten. Aber wir sind die Amateure in dem Sport."

Mit 50 ist für Schiris Schluss

Drei Wochen Urlaub hat Ullrich sich genommen, um bei der WM dabeizusein. 100 Franken bekommt er vom Handball-Weltverband IHF pro Tag, für eine Bundesliga-Begegnung werden ihm 500 Euro überwiesen - selbstverständlich alles noch zu versteuern. Rund 50 Begegnungen leitet er pro Jahr. Die Möglichkeit, dass Handball-Schiedsrichter als Profis arbeiten könnten, sieht er nicht: "Mit 50 ist Schluss", erklärt Ullrich. Ab diesem Alter werden Schiedsrichter nicht mehr eingesetzt. "Und dann muss man ja noch mindestens zehn Jahre arbeiten", so der 48-Jährige.

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Psychologe steht den Referees zur Seite

Verbesserungen für die Schiedsrichter aber sieht er trotzdem. Erstmals wurden sie fünf Tage vor Turnierbeginn zusammengezogen, üblich waren bislang zwei, maximal drei Tage. Ihnen wurde ein Psychologe zur Seite gestellt, der sie auf den Druck von Außen und die Stimmung in den Hallen vorbereiten sollte. Der isländische Nationaltrainer reiste an, um mit den Schiedsrichtern taktische Neuerungen zu besprechen.

Neu: Funkverbindung zwischen Feld- und Torschiedsrichter

Inhaltliche Schwerpunkte wurden gesetzt, darunter das besonders vom deutschen Bundestrainer Heiner Brand oft kritisierte seitliche Stoßen in der Luft. "Das soll eigentlich immer mindestens Gelb geben, wenn nicht sofort zwei Minuten", sagt Ullrich. Neu eingeführt bei diesem Turnier wurde auch das im Fußball schon weit verbreitete Headset, eine Funkverbindung unter den beiden Schiedsrichtern, die deren Kommunikation verbessern soll. "Gewöhnungsbedürftig" fand das Ullrich, erkannte aber nach einiger Zeit Vorteile. So könne man sich beispielsweise besser abstimmen, wann man Zeitspiel anzeigen wolle. Und wenn der Feldschiedsrichter nicht erkennen könne, ob ein Ball die Torlinie überschritten hat, würde ihm dies sein Partner auf der Grundlinie jetzt schnell durchfunken können.

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Ball mit elektrischen Signalen in der Testphase

Für letzteres Problem ist zudem ein Ball entwickelt worden, der elektronische Signale senden soll, wenn er die Torlinie überschritten hat. Aktuell befindet er sich noch in der Testphase. Ullrich kann sich den Einsatz eines solchen Spielgerätes durchaus vorstellen - "solange wir damit nichts zu tun haben", so der Schiedsrichter. Diese Pflicht würde er gerne an das Kampfgericht abgeben, um sich auf das Spiel konzentrieren zu können. Denn immer mehr Aufgaben bedeuten immer mehr Fehler. Und immer mehr Diskussionen.

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