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Ciriaco Sforza über den 1. FC Kaiserslautern und die Bundesliga

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1. FC Kaiserslautern  

Sforza: "Klinsmann tut dem Fußball gut"

30.01.2009, 16:53 Uhr | Julian Moering, t-online.de

Das Interview führte Julian Moering

Ciriaco Sforza 1998 mit der Meisterschale. (Foto: imago)Ciriaco Sforza 1998 mit der Meisterschale. (Foto: imago) Als Kapitän führte Ciriaco Sforza den Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern sensationell zur Deutschen Meisterschaft. Mit dem FC Bayern München wurde der Schweizer Spielmacher erneut Meister, gewann den UEFA Cup und die Champions League.

Mit t-online.de sprach Sforza über den Titel mit Kaiserslautern, Herbstmeister Hoffenheim, die Arbeit von Jürgen Klinsmann und seine Ambitionen als Trainer.

t-online.de: Herr Sforza, Sie sind im Sommer 1997 nach einem durchwachsenen Jahr bei Inter Mailand zum 1. FC Kaiserslautern zurückgekehrt. Die Roten Teufel waren damals gerade souverän als Meister der zweiten Liga in die Bundesliga aufgestiegen. Wie war es für Sie, von außen in eine funktionierende Mannschaft zu stoßen?
Ciriaco Sforza: Wenn man in ein gut harmonierendes Team kommt, ist das viel einfacher als wenn es Spannungen gibt - für die Alten wie für die Neuen. Und dass dieses Team gut harmonierte, konnte man nicht nur an den Ergebnissen ableiten. Auch, dass zur neuen Saison nur zwei, drei Spieler dazukamen, zeigt das.

Mit welchen Erwartungen und Perspektiven sind Sie damals in die Pfalz zurückgekehrt? Hat Trainer Otto Rehhagel ein offizielles Saisonziel ausgegeben?
Erstmal ging es darum, so schnell wie möglich viele Punkte zu holen und das rettende Ufer frühzeitig zu erreichen. Das ist bei jedem Aufsteiger so. Ich kannte ja den Verein und das Umfeld schon und wusste, worauf ich mich einlasse. Mir war auch klar, dass in dieser Mannschaft viel Potenzial steckt. An Abstieg habe ich nie gedacht. Aber mit einem solchen Saisonverlauf konnte natürlich niemand rechnen.

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Gleich zu Saisonbeginn setzte der FCK ein dickes Ausrufezeichen. Der Neuling gewann 1:0 bei Ihrem alten Klub Bayern München. Sie legten das entscheidende Tor auf. Können Sie sich noch an Szenen und Momente aus diesem Spiel erinnern?
Ja, natürlich. Das Tor fiel nach einem Freistoß von der rechten Seite, und Michael Schjönberg stand goldrichtig. Wir sind damals ohne Angst nach München gefahren und wollten den Bayern Paroli bieten. Wir hatten ja nichts zu verlieren. Mit dem Sieg haben wir auf jeden Fall eine Menge Selbstvertrauen getankt. Allen war aber klar, dass wir erst am Anfang der Saison stehen.

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Der FCK wurde Herbstmeister vor den Bayern. War Ihnen und der Mannschaft zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass es für den ganz großen Wurf, den Meistertitel, reichen könnte?
Im Hinterkopf denkt man vielleicht daran, dass so etwas möglich wäre. Aber wir haben uns mit solchen Gedanken nicht verrückt gemacht. Wir wussten, dass auch mal ein Einbruch kommen kann und dass die Bayern noch mal Gas geben werden. Auf der anderen Seite war der Druck nicht bei uns. Wir hatten das Spiel in der Hand.

Es hat gereicht. Mit der Meisterschaft hat der FCK Bundesliga-Geschichte geschrieben und als erster Aufsteiger den Titel geholt. Welche Erinnerungen haben Sie an diesen Moment?
Ich sage es immer wieder gern: Der Meistertitel mit dem FCK war der schönste Erfolg meiner Karriere. Man muss lange danach suchen, irgendwo auf der Welt eine Mannschaft zu finden, die als Aufsteiger 34 Spieltage lang in der Pole-Position lag. Das war schon großartig und steht für mich selbst über dem Gewinn der Champions League oder des Weltpokals mit Bayern.

Welchen Anteil hatte Trainer Otto Rehhagel an dem Erfolg? Was war sein Erfolgsgeheimnis?
Der Trainer gehört zu dem Erfolg dazu, auch wenn er nicht auf dem Feld steht. Seine Stärke war es sicher, dass er den Spielern sehr viel Vertrauen geschenkt und ihnen die Möglichkeit gegeben hat, sich zu entwickeln.

Können Sie es nachvollziehen, wie ein Verein innerhalb von zehn Jahren von Meisterschaft und Champions League fast in die Drittklassigkeit und Insolvenz abrutschen kann?
Was heißt nachvollziehen? Ich war ja lange Zeit mit dabei und habe manches intern angesprochen. Einige Probleme waren wirklich hausgemacht. Aber es ist nicht meine Sache, nachzukarten. Wenn ich den FCK heute sehe, hat man dort aus Fehlern gelernt. Das freut mich für den Verein und die ganze Region.

Im Moment sieht es ja mit Platz zwei in der zweiten Bundesliga hinter Mainz 05 wieder ganz gut aus für den FCK. Wie beurteilen Sie die Chancen der Roten Teufel im Aufstiegskampf?
Sie haben es selbst in der Hand. Ich habe mir in der Vorbereitung zwei Spiele des FCK angesehen. Man sieht, dass dort positiv gearbeitet wird und die Mannschaft lebt. Das sind schon mal gute Voraussetzungen.

Welchen Anteil hat der neue Vorstandsvorsitzende Stefan Kuntz am momentanen Aufschwung des 1. FC Kaiserslautern?
Stefan ist einer vom Betze, der sich mit dem Verein und der Region identifiziert. Es war für ihn bestimmt keine einfache Entscheidung, diesen Job in einer sehr schweren Zeit anzutreten. Aber er hat Persönlichkeit und hat eine Menge bewegt. Allein wird er das nicht gemacht haben. Er wird sich Leute gesucht haben, die seine Strategie mitverfolgen und an einem Strang ziehen. Anders geht es auch nicht.

Mit 1899 Hoffenheim steht derzeit erneut ein Aufsteiger an der Tabellenspitze. Trauen Sie dem Team von Trainer Ralf Rangnick eine ähnliche Erfolgsstory zu?
Es ist ähnlich wie bei uns damals: Der Druck liegt nicht bei Hoffenheim. Die dürfen sich jetzt nicht verrückt machen lassen, selbst wenn die Bayern die ganze Rückrunde so spielen wie beim Pokalspiel in Stuttgart. In Hoffenheim wird nach meinem Eindruck sehr professionell gearbeitet, und der Trainerstab wird die Mannschaft in der Winterpause gut vorbereitet haben. Auch die Ausfälle von ein, zwei Leistungsträgern müssen sich nicht unbedingt negativ auswirken. Das bietet immer auch eine Chance für andere.

Angenommen, Hoffenheim wird Meister. Wäre es für Sie ein Problem, nicht mehr als einziger Aufsteiger den Titel geholt zu haben?
Um Himmels Willen, nein! Neidgefühle sind mir wirklich fremd. Wenn Hoffenheim am Ende auf Platz eins steht, haben sie es verdient. Bis dahin ist aber noch ein langer Weg.

Auch mit Bayern München sind Sie 2001 Deutscher Meister geworden. Wie beurteilen Sie die Arbeit von Jürgen Klinsmann, und wo landen die Bayern am Ende der Saison?
Ich muss vor allem Uli Hoeneß, Kalle Rummenigge und Franz Beckenbauer ein großes Kompliment machen. Sie haben bei der Verpflichtung von Jürgen Klinsmann wirklich Mut bewiesen. Alle haben mit einem großen Trainernamen gerechnet, stattdessen bauen sie auf einen, der noch nie eine Vereinsmannschaft trainiert hat. Sie haben alte Zöpfe abgeschnitten und einen wirlichen Neuanfang gemacht. So etwas tut dem Fußball gut. Nach der Leistung im Pokalspiel in Stuttgart muss ich sagen: Respekt vor Jürgens Arbeit! Wie da mit und ohne Ball gearbeitet wurde, war schon gut anzusehen. Auf diesem Niveau wird es für Hoffenheim verdammt schwer, mitzuhalten. Ausschließen würde ich eine solche Überraschung trotzdem nicht.

Der Schweizer Erstligist FC Luzern war Ihre erste Station als Cheftrainer. Können Sie sich vorstellen, eines Tages den FCK zu trainieren?
Vorstellbar ist alles. Ganz unabhängig vom FCK gilt: Bevor ich ein Engagement antrete, prüfe ich sehr genau, ob es eine gemeinsame Philosophie gibt und eine professionelle Infrastruktur im Verein, die erfolgreiches Arbeiten erst ermöglicht. Nach meiner Zeit in Luzern, wo wir mit einer sehr jungen und erstligaunerfahrenen Mannschaft einiges erreicht haben, werde ich mir die nächste Trainerstation vorher sehr genau ansehen.

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