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Sportwissenschaftler: Doping gehört im Fitnesssport dazu

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Doping  

Doping gehört im Fitnesssport dazu

12.02.2010, 22:53 Uhr | t-online.de

Von Jörg Runde

Muskelberge durch Medikamente. (Foto: imago)Muskelberge durch Medikamente. (Foto: imago) In Deutschlands Fitnessstudios wird geschluckt und gespritzt, was der Markt hergibt. Anabolika, Wachstumshormone, Appetitzügler und Entwässerungsmittel gehören zum Alltag vieler Kraftsportler und Bodybuilder. An der Universität Tübingen haben Forscher herausgefunden, dass jeder 10. Fitnessstudio-Besucher schon einmal illegale Mittel genommen hat. Insider glauben, dass es viel mehr sind. Mischa Kläber, Sportwissenschaftler von der TU Darmstadt sagt: „Ich gehe davon aus, dass ein Viertel der Besucher Doping-Präparate benutzt.“

Warum die Freizeitsportler das machen? Laut einer Studie der Robert-Koch-Stiftung erhoffen sich 40 Prozent der Doper ein besseres Aussehen. Sportliche Erfolge (20 Prozent) und Kraftzuwachs (7 Prozent) spielen nur eine untergeordnete Rolle.

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Unterschiede in den Studios

Die Rezepte für die richtige Mischung der Coacktails gibt es in zahlreichen Internetforen. Verkauft werden die Tabletten und Spritzen in den Fitnessstudios, auf dem Internet-Schwarzmarkt aber auch von Ärzten und Apotheken. Studien zum Doping außerhalb des Leistungssportes zeigen, dass insbesondere Fitnessstudios betroffen sind. Die Quote des Missbrauchs schwankt zwischen einzelnen Studios stark und reicht von 0 bis 46 Prozent der Besucher. Hier werden von einem Teil der Kunden verbotene Substanzen eingenommen, insbesondere Anabolika, um Muskelaufbau und Kraftzuwachs zu fördern.

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Anabole Steroide stehen im Mittelpunkt

Da insbesondere anabole Steroide meist über einen längeren Zeitraum in höheren als therapeutischen Dosen und nicht ärztlich kontrolliert eingenommen werden, stellen sie eine große Gefahr für die Gesundheit dar. Anabolika stören den Fettstoffwechsel und erhöhen dadurch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Es können Leberschäden auftreten, auch Verkalkungen im Gehirn und Depressionen werden als Nebenwirkungen vermutet. Menschen, die über einen längeren Zeitraum Anabolika einnehmen bekommen eine ölige Haut, Akne und Haarausfall. Bei Frauen nimmt die Körperbehaarung zu, bei Männern ist eine Vergrößerung von Brustdrüsengewebe die Folge. Werden gleichzeitig mehrere Dopingsubstanzen eingenommen, kann das in Einzelfällen sogar zum Tode führen.

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Ärzte als Infoquellen

Als Infoquellen für den Einstieg dienen andere Sportler, aber auch Ärzte und Sportärzte. Neben dem Umfeld wird in den letzten Jahren das Internet immer wichtiger und gefährlicher, da oft Falschinformationen gegeben werden und bezogene Mittel die oft nicht das enthalten, was auf dem Etikett steht. Genau quantifizieren lässt sich das gesamtgesellschaftliche Doping-Problem allerdings nicht. Nur wenige der angesprochenen Fitness-Studios beteiligten sich an einer großen Fragebogenaktion der EU. "Die Mitgliedsländer haben zum Teil sehr restriktive Anti-Doping-Gesetze", erklärt Anja Surmann, Leiterin des Sportreferats im niedersächsischen Innenministerium, das die EU-Studie ins Rollen gebracht hatte. "Viele Fitness-Studios und Sportler haben aus Angst vor Repressionen ihre Teilnahme verweigert."

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Kuren und Jahresprogramme

Besonders die deutschen Studio-Betreiber zeigten sich nicht gerade kooperativ. Gerade einmal 100 Fragebögen konnten die Sportwissenschaftler hierzulande auswerten. Nicht genug, um zu repräsentativen Ergebnissen zu gelangen. Zusammen mit Vorläuferstudien allerdings genug, um ein Problem zu verifizieren, das in Deutschland besonders groß ist. Hier kann man relativ leicht an die gewünschten Präparate kommen. Zudem liefern zahlreiche Bücher detaillierte Anleitungen, wie man die Medikamente am wirkungsvollsten einsetzt. Von Kuren und Jahresprogrammen ist dort dann die Rede. Und wirklich harte Gesetze, um dagegen vorgehen zu können, gibt es nicht.

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Problem wird verharmlost

Die Mentalität des Geschehenlassens treibt Hans Geyer von der Deutschen Sporthochschule Köln die Tränen in die Augen: „Das ist Wahnsinn. Das Thema wird total verharmlost. Dabei werden die Sportler teilweise in den Tod getrieben.“ Der Darmstädter Doping-Experte Mischa Kläber steht auch für eine offene Informationspolitik. „Aufklärung kann als Prävention immer helfen.“ Er weiß, wovon er spricht. Einer seiner Probanden erkrankte auf Grund der Doping-Einnahme an Hodenkrebs, andere wurden mit akuten Blutvergiftungen eingeliefert.

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