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Doping: Experte warnt vor drohender "EPOkalypse"

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Doping  

Experte warnt vor neuem Wundermittel

12.02.2010, 22:25 Uhr | t-online.de

Von Arne Henkes

Das Medikament Hematide bereitet Doping-Jägern Kopfzerbrechen.  (Foto: imago)Das Medikament Hematide bereitet Doping-Jägern Kopfzerbrechen. (Foto: imago) Es ist eine Sisyphusarbeit, der die Anti-Doping-Jäger weltweit nachgehen: Zwar konnten die Wächter des sauberen Sports bei der letztjährigen Tour de France, den Olympischen Spielen von Peking und im Vorfeld der Biathlon-WM Achtungserfolge erzielen, doch ein Durchbruch im Anti-Doping-Kampf scheint nicht in Sicht.

Im Gegenteil: Experten wie der Lübecker EPO-Spezialist Prof. Dr. Horst Pagel sehen eine neue Dopingwelle auf den Profi-Sport zurollen. Es drohe eine "Epokalypse", wie es der Wissenschaftler am Institut für Physiologie der Universität zu Lübeck drastisch ausdrückt.

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Horst Pagel warnt vor einer neuen Dopingwelle (Foto: Horst Pagel)Horst Pagel warnt vor einer neuen Dopingwelle (Foto: Horst Pagel)

Gleiche Wirkung, anderer Aufbau

Nachdem im vergangenen Jahr Sportlern wie Stefan Schumacher, Bernhard Kohl und Riccardo Ricco der Missbrauch von dem im Radsport als Wundermittel gehandelten EPO-Derivats CERA nachgewiesen wurde, ist die Branche bei der Suche nach neuen Leistungsbeschleunigern laut Pagel schnell fündig geworden. EPO-Biosimilars, Nachahmerpräparaten für Medikamente, deren Patentschutz ausgelaufen ist und, der neueste Trend, so genannte EPO-Mimetika werden am häufigsten benutzt. "Ich habe Hinweise bekommen, dass einzelne Athleten auf Hematide umgestiegen sind. Dieses Medikament ist eine EPO-Abart. Es ist vom Molekül her völlig anders aufgebaut als klassisches EPO, zeigt aber die gleiche Wirkung“, sagt der 53-Jährige über das neue Wundermittel, das ähnlich wie CERA nur alle vier Wochen gespritzt werden muss und damit einen weiteren Vorteil für manipulierende Sportler aufweist.

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Medikament hat noch keine Zulassung

Hematide ist ein Medikament, das von der Firma Affymax entwickelt wurde und dem Konzern aus dem kalifornischen Palo Alto nach der geplanten Markteinführung 2010 satte Gewinne einbringen soll. Doch möglicherweise hat der Handel mit dem Mittel schon vor der Zulassung begonnen. Wie die Sportler an das noch nicht zugelassene Medikament gekommen sein könnten, ist nicht nur für Pagel ein Rätsel. Schließlich befindet sich der Wirkstoff derzeit noch in Phase III der klinischen Prüfung und dürfte der Öffentlichkeit daher noch nicht zugänglich sein. Auch mögliche Nebenwirkungen sind daher noch nicht abzusehen.

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Kein Referenzmaterial für die Doping-Jäger

Auch am Kölner Anti-Doping-Labor rechnet man mittlerweile damit, dass Hematide missbräuchlich genutzt werden könnte und hat die Arbeiten an einem Nachweis bereits aufgenommen. Dabei stehen die Wissenschaftler vor einer Hürde, die ein gutes Sinnbild für den derzeitigen Stand im Anti-Doping-Kampf abgibt. "Bisher ist uns leider kein Referenzmaterial zur Verfügung gestellt worden, weder über die Hersteller-Firma noch über die WADA“, beklagt Deutschlands führender Doping-Experte Professor Wilhelm Schänzer das Dilemma, dass ihm und Kollegen wie Pagel weitgehend die Hände bindet.

Abschreckung nach dem CERA-Coup?

Zuviel Euphorie auf Seiten der schwarzen Schafe im Sport ist aber auch nicht angebracht. "Die Sportler, die möglicherweise beabsichtigen mit Hematide zu dopen, sollten sich wie bei CERA nicht darauf verlassen, dass es keinen Test geben wird. Ich denke nicht, dass es eine Ankündigung geben wird, ab wann auf Hematide getestet wird“, warnt Schänzer potenzielle Nutzer des neuen Wundermittels. Aufgrund der eingegrenzten Möglichkeiten setzt man auf Seiten der Aufklärer auch auf den Abschreckungseffekt, der nach dem CERA-Coup der französischen Anti-Dopingagentur AFLD weiter verstärkt wurde.

Markierung von Medikamenten nicht sinnvoll

Ein weiterer Weg Betrügern auf die Schliche zu kommen wäre es, neue Medikamente wie CERA oder eben Hematide vorab mit chemischen Markern zu versehen, die sich in Tests leicht nachweisen ließen. Doch dass die Pharmaindustrie diesen Schritt nicht gehen will, kann auch Pagel verstehen. "Technisch ist es möglich, Markersubstanzen wie beispielsweise Polyethylenglycol in das Medikament zu geben. Aber angenommen ich bin ein normaler Patient und bekomme dieses Medikament mit einer Substanz, die nicht medizinisch indiziert ist, da würde ich sofort eine Klage bei dem jeweiligen Unternehmen einreichen. Warum soll ich ein Medikament nehmen, wo was drin ist, was ich zur Behandlung meiner Krankheit gar nicht brauche?"

Ein ungleicher Wettkampf

So lange Doper vor der Marktreife an Mittel gelangen, die Wissenschaftlern wie Schänzer oder Pagel erst Monate oder sogar Jahre später vorliegen, so lange wird es wohl ein ungleicher Kampf sein, in dem die Gejagten fast immer eine Nasenspitze voraus sein dürften und sich die Jäger meist nur über Achtungserfolge freuen dürfen. Viel Spielraum zu reagieren, sieht Pagel daher nicht. "Nach immer mehr Kontrollen zu schreien, ist auch nicht der richtige Weg. Das Ganze wird sonst schnell zu einer riesigen Geldvernichtungsmaschine."

Mehr Ressourcen für die Präventionsarbeit

Ein perfektes Kontrollsystem sei nun einmal nicht möglich, behauptet Pagel. Der Wissenschaftler plädiert aber dafür, vermehrt auf unangekündigte Trainingskontrollen zu setzen. "Wenn diese Kontrollen richtig durchgeführt werden, kann man damit viel mehr erreichen als mit Wettkampfkontrollen, bei denen der Sportler ohnehin davon ausgeht, dass er getestet wird.“ Und: "Außerdem sollte verstärkt die Präventionsarbeit intensiviert werden; dies scheint besonders sinnvoll und effektiv im Zusammenhang mit dem Training von Kindern und Jugendlichen."

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