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FC Bayern München schlittert tiefer in die Krise

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FC Bayern München  

Bayern schlittern tiefer in die Krise

02.03.2009, 08:21 Uhr | Spiegel Online

Die Enttäuschung in Person: Uli Hoeneß (Foto: imago)Die Enttäuschung in Person: Uli Hoeneß (Foto: imago) Das zugegeben leicht hässliche Gefühl, dass diese Krisenzeiten endlich mal die Richtigen treffen, verlässt einen einfach nicht mehr: Erst waren die Banker dran, dann die Autobauer, jetzt der FC Bayern. Das 0:0 in Bremen war das Spiel zur Krise. 75 Minuten Überzahl, und das Resultat ist nichts, nullkommanichts.

Jürgen Klinsmann dürfte demnächst Kurzarbeit drohen, wenn das so weitergeht und die bayerische Staatskanzlei keinen staatlichen Rettungsschirm aufspannt.

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Stecken die Bayern wirklich in der Krise und ist Jürgen Klinsmann noch der richtige Trainer? Sagen Sie uns ihre Meinung im Kommentarfeld am Ende der Seite!

Niederschmetternde Sprüche

Ohne Schirm steht Klinsmann in der Liga derzeit im Regen. Der glorreiche und qua Selbstverständnis national konkurrenzlose FC Bayern guckt sich nach 22 Spieltagen in der Tabelle Clubs wie Hertha und Wolfsburg von unten an, im Rücken drängeln Leverkusen und Stuttgart mit jeweils nur drei Punkten Rückstand. Dazu müssen sich die Verantwortlichen noch niederschmetternde Sprüche wie den des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer anhören, der dieser Woche zum politischen Aschermittwoch doch wahrhaft verkündete: "Unser neuer Wirtschaftsminister zu Guttenberg ist der Franck Ribéry der CSU." Wenn das keine Krise ist.

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Klinsmann betreibt Kapitalvernichtung

An sich musste man ja froh sein, dass das gesamte Krisen-Vokabular endlich mal dort angekommen ist, wo es seit jeher hingehört: in der Politik und beim Wirtschaftssystem, und nicht bei so etwas vollkommen Irrelevantem wie Fußball. Doch Klinsmann hat das Krisengefühl durch seine zahlreichen personellen und taktischen Irrlichtereien wieder der Bundesliga zurückgebracht. Da hilft mittlerweile auch das Konjunkturpaket I nicht mehr viel, das Manager Hoeneß mit dem Kauf von Ribéry, Klose, Zé Roberto und Toni vor zwei Jahren geschnürt hatte. Und was eine "Bad Bank" ist, weiß Lukas Podolski wohl mittlerweile am allerbesten. Wie Klinsmann mit seinem Sommermärchen-Nationalstürmer umgeht, ist pure Kapitalvernichtung.

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Immerhin vier Punkte auf dem Konto

2009 wird das Jahr der schlechten Nachrichten, hat die Bundeskanzlerin frühzeitig verkündet. Werder und der FC Bayern nehmen das ein wenig zu wörtlich. Bremens Bilanz nach fünf Rückrundenspieltagen: zwei Punkte. Der FC Bayern hat immerhin vier Punkte auf dem Konto, was er einem Duselsieg gegen Borussia Dortmund zu verdanken hat. Die Rückrundentabelle ist eine schöne Spielerei: Demnach ist Werder Letzter, der FC Bayern steht auf Platz 14, vom Vorletzten nur durch die leicht bessere Tordifferenz getrennt. Die Bilanz ist im ersten Quartal eingebrochen, würden sie an der Börse wohl sagen. Fürs Sommerzeugnis, das Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge seinem Trainer schon mal in süffisanter Art angekündigt hat, droht folgender Eintrag: Versetzung gefährdet.

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Klinsmann ist nichts eingefallen

Werder Bremen ist an diesem Nachmittag nach der frühen Roten Karte gegen Naldo nichts groß vorzuwerfen gewesen. In so einer Situation spielt man nun mal vorzugsweise auf 0:0 und hofft auf den einen entscheidenden Konter. Klinsmann dagegen ist wieder einmal nichts eingefallen. Den bestenfalls nur noch geduldeten Lukas Podolski als zweiten Stürmer zur Pause zu bringen - das heißt für ihn vermutlich schon, maximal über den eigenen Schatten zu springen. Statt sofort nach der Roten Karte mit zusätzlichen Stürmern den Druck weiter zu erhöhen, die Schockstarre der Werderaner auszunutzen, den angeschlagenen Gegner in den Würgegriff zu nehmen - all das wäre ungewöhnlich, da mutig gewesen - lässt er larifari weiterspielen, so lange, bis sich die Bremer auf die neue Lage eingestellt hatten. Schwach.

Niederlagen werden weiter weggelächelt

Das Bild des Jürgen Klinsmann nach außen war immer ein extrem unscharfes, als Mensch, als Spieler, als Trainer. Eine Fußball-Sphinx, beinharter Mobber oder ganz netter Kerl, ein Softie oder ein Hardliner, Piranha oder Goldfisch oder alles von jedem. Ganz schwer einzuschätzen. Die Zeit bei den Bayern hat ihn erstaunlicherweise noch profilloser werden lassen. Er lächelt die zahlreichen schwachen Vorstellungen seines Teams in der Öffentlichkeit nach wie vor weg, gibt in vorauseilender Leutseligkeit zu, dass es an seinem Team mal wieder nichts zu loben gab - nach innen demonstriert er zwar ab und an Härte, beraubt dabei jedoch Spielern wie van Bommel oder Podolski durch publikumswirksame Demontage ihrer Stärken - und hat auch nach acht Monaten Übungsleitung keinen einzigen Spieler in seiner Entwicklung weitergebracht.

Was ist aus Borowski geworden?

Bremer Zuschauern muss das Wasser in den Augen gestanden haben, als sie sahen, welcher Schattenmann aus Tim Borowski geworden ist, seit er kein grün-weißes Trikot mehr trägt. Wenn Klinsmann so weitermacht, die Qualitäten seiner Spieler zu nivellieren, dann wird auch Ribéry wahrscheinlich tatsächlich irgendwann ein zu Guttenberg. Zu wünschen wäre das dem Franzosen nicht.

Traumfußball in der vergangenen Saison

Das letzte Gastspiel der Bayern im Weserstadion (4:0) bot berauschenden Fußball. Ribéry auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft, Hamit Altintop voller Sturm und Drang, Luca Toni treffsicher, Zé Roberto mit grandioser Übersicht - insgesamt traumhafter Fußball. Die Mannschaft ist personell seitdem beinahe unverändert. Nur auf der Trainerbank saß jemand anders.

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