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Sabine Spitz im Interview: "Scharping ist einfach nicht mehr tragbar“

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Doping  

"Scharping ist einfach nicht mehr tragbar"

22.03.2013, 10:17 Uhr | t-online.de

Das Gespräch führte Johann Schicklinski

Sabine Spitz freut sich über den Gewinn ihrer Goldmedaille in Peking. (Foto: imago)Sabine Spitz freut sich über den Gewinn ihrer Goldmedaille in Peking. (Foto: imago) Sabine Spitz fährt seit 1994 Rennen im Mountainbike-Sport. Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking wurde sie Olympiasiegerin im Cross-Country. 2004 in Athen war es noch die Bronzemedaille gewesen. Die 37-Jährige ist siebenfache Deutsche Meisterin und war Weltranglisten-Erste (2002/2003 und 2008). Spitz ist bekannt als eine vehemente Doping-Gegnerin.

Im Interview mit t-online.de spricht Spitz über ihre Motivation im Kampf gegen das Doping, die Unterschiede zwischen Straßen- und Mountainbike-Radsport und warum sie gegen eine weitere Amtszeit von BDR-Präsident Rudolf Scharping ist.

t-online.de: Frau Spitz, Sie befinden sich im Trainingslager in Zypern. Wie ist die momentane Form?

Sabine Spitz: Gut, das ist mein letztes Trainingslager, bevor es mit den Wettkämpfen losgeht. Ich hatte hier zwar auch zwei kleinere Wettkämpfe, aber an Ostern beginnt meine Saison dann richtig. 

t-online.de: Was ist Ihr Saison-Höhepunkt?

Sabine Spitz: Wir Mountainbiker haben ja jedes Jahr eine Welt- und eine Europameisterschaft. Mein Highlight wird dann auch die Weltmeisterschaft Anfang September sein. Als besonderes Ziel verfolge ich aber auch den Gewinn des Mountainbike-Gesamt-Weltcups. Das ist mir bisher noch nicht gelungen, ich war dreimal knapp dran und wurde jeweils Zweite.

t-online.de: Wurden Sie während Ihres Trainingslagers auf Zypern auch von Dopingfahndern kontrolliert?

Sabine Spitz: Ich bin den Winter über einige Male kontrolliert worden, aber hier auf Zypern waren jetzt keine Kontrolleure.

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Zahlreiche Wettkampf- und Trainingskontrollen

t-online.de: Wie oft werden Sie denn jährlich im Training von Dopingfahndern kontrolliert? Und wie oft im Wettkampf?

Sabine Spitz: Im letzten Jahr waren es im Training so ungefähr zwischen zehn und 15 Kontrollen. Im Wettkampf ist es so, dass ab einem gewissen Status Kontrollen zwingend vorgeschrieben sind. Dies gilt für Rennen mit dem sogenannten C1-Status, das heißt, dass die Wettkämpfe international ausgeschrieben sind. Hier wird dann immer kontrolliert. Das kam bei mir im letzten Jahr so zwischen 15 und 20 Mal vor, wenn man alle Veranstaltungen wie Weltcups oder Bundesliga zusammen rechnet.

t-online.de: Werden Sie nach einem Wettkampf direkt von dem Chaperon (Helfer der Anti-Doping-Bekämpfung im Radsport, der die Profis zu den Dopingkontrollen bringt) in Empfang genommen? Oder bleibt Ihnen auch Zeit, etwas durchzuatmen?

Sabine Spitz: Bei kleineren Rennen war es tatsächlich so, dass der Chaperon teilweise direkt nach dem Zielstrich schon gewartet hat. Der hat mich dann zum Umziehen begleitet und danach zur Dopingprobe geführt. Bei größeren Rennen, z.B. im ‚Weltcup, ist es so, dass neben den Top-Platzierten die Fahrer für die Doping-Kontrolle ausgelost werden. Da kann es dann auch schon mal einen Moment dauern, bis der Chaperon einen in Empfang nimmt, aber nicht lange. Bei kleineren Wettkämpfen liegt das ja oft auch in den Händen der Veranstalter, die oft schon dafür sorgen, dass es bei der Doping-Kontrolle eine reibungslose Abwicklung gibt.

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Überwachung durch WADA kein Problem

t-online.de:  Frau Spitz, viele Ihrer Kollegen im deutschen Leistungssport beklagen die mangelnde Privatsphäre aufgrund der Meldepflichten im Code der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). Sie müssen drei Monate im Voraus angeben, wo Sie sich aufhalten ("Whereabouts“). Wie sehen Sie die ständige Meldepflicht für Athleten?

Sabine Spitz: Für mich ist das absolut kein Problem, ich habe ja auch nichts zu verbergen. Wir reden hier ja nicht über eine Fußfessel. Schließlich sind die Angaben ja nicht in Stein gemeißelt, sondern nachträgliche Änderungen sind problemlos möglich. Dies funktioniert durch das "ADAMS-System“ (Anti-Doping Administrations- und Managementsystem). Hier kann ich über das Internet Angaben zu meinem Aufenthaltsort jederzeit aktualisieren, das ist überhaupt kein Aufwand. Es wird jetzt oft in der öffentlichen Diskussion so dargestellt, als sei die Meldepflicht etwas gänzlich Neues. Dabei gibt es sie schon seit fünf Jahren. Außerdem müssen wir auch schon länger Quartalsberichte an den Radsport-Weltverband UCI abgeben.

t-online.de: Die Sportler müssen für jeden Tag für eine Stunde einen festen Aufenthaltsort angeben ("Ein-Stunden-Regelung“), und das bereits drei Monate vorher! Ist das nicht Schikane?

Sabine Spitz: Nein, das stimmt ja so nicht. Ich gebe an, wo ich erwarte zu sein z.B. zu Hause. Wenn es Änderungen gibt, sind die leicht anzumelden. Das geht notfalls sogar per Anruf oder auch per SMS. Wichtig ist nur, dass keine Unklarheiten über den Aufenthaltsort herrschen. Ich war auch schon bei Veranstaltungen, wo ich vorher nicht wusste, wo ich mich anschließend aufhalten werde. Dann habe ich einfach Meldung gemacht, als ich wusste, wo es hingeht, und das Problem war gelöst.

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"Doping ist eine Seuche"

t-online.de: Sie sind ja bekannt als Verfechterin eines Anti-Doping-Kurses. Was treibt Sie an?

Sabine Spitz: Doping ist eine Seuche gegen die man mit aller Konsequenz vorgehen muss. Es schadet dem Sport und den Sportlern. Einer meiner Partner ist die central Krankenversicherung, für die es um Gesundheit, Bewegung und Prävention geht. Doping bewirkt das Gegenteil. Außerdem besitze ich einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Ich will einfach, dass die Sünder, die keinen ehrlichen Sport treiben, überführt werden. Mein Ziel lautet "Fair play“. Für mich ist das auch eine Einstellungsfrage. Ich appelliere hier auch an die Trainer, auf ihre Schützlinge einzuwirken, sie mental stärker zu machen, damit sie sich sagen "Das geht auch ohne Doping“.

t-online.de: Hatten Sie im Wettkampf schon mal den Gedanken "Mit Doping geht alles leichter!“?

Sabine Spitz: Nein, das hatte ich noch nie. Es gab schon oft in meiner Karriere die Situation, das eine Gegnerin nur so an mir vorbeischießt und ich denke: "Das ist doch mit normalen Mitteln nicht zu schaffen“. Doch das muss letztendlich jeder für sich entscheiden. Ich persönlich könnte nicht mehr in den Spiegel schauen, wenn ich gedopt hätte.

"Scharping als Präsident nicht mehr tragbar"

t-online.de:  Sie gelten als Kritikerin von Rudolf Scharping als Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR). Was genau werfen Sie ihm vor?

Sabine Spitz: Mein Hauptvorwurf ist der, das er viel zu wenig Kontakt zu den Athleten hat. Direkt an der Basis könnte er sich über Probleme, Bedürfnisse oder ähnliches informieren, aber er agiert als BDR-Präsident viel zu distanziert. Für mich ist die Hauptaufgabe des BDR-Präsidenten, für seine Sportler da zu sein, ihnen eine Basis für die erfolgreiche Ausübung ihres Sports zu schaffen, und diese Aufgabe hat er nicht erfüllt.

t-online.de: Sie sind ja nicht erst seit gestern seine Kritikerin. Hat sich Scharping mal bei Ihnen gemeldet, um die Dissonanzen aus der Welt zu räumen?

Sabine Spitz: Es gab in seiner Amtszeit einmal einen persönlichen Kontakt bei einer Siegerehrung, was aber natürlich kein wirkliches Gespräch war. Mit seiner Vorgängerin Silvia Schenk gab es vier bis fünf Mal im Jahr ein persönliches Treffen mit einem langen Gespräch.

t-online.de: Dann wird es Sie vielleicht bestürzen zu hören, dass Scharping angekündigt hat, für eine weitere Amtszeit zu kandidieren. Was würden Sie von einer weiteren Amtszeit Scharpings halten?

Sabine Spitz: Das ist sogar bis hier nach Zypern durchgedrungen. Es ist keine Überraschung und habe ich so auch erwartet. Meine Meinung ändert das jedoch nicht. Als Präsident ist er für mich eigentlich nicht mehr tragbar und weitere vier Jahre mit ihm wäre kein gutes Signal für den Radsport. Sein größter Fehler war wohl, dass Erik Zabel bei der Rad-WM in Stuttgart als überführter Doping-Sünder an den Start gehen durfte. Das war wie ein Schlag ins Gesicht für mich.

Zum zweiten Teil des t-online.de-Interviews mit Sabine Spitz
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