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Formel 1: FIA rudert zurück - Regeländerung erst ab 2010

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Regelwerk  

FIA rudert zurück - Regeländerung erst ab 2010

20.03.2009, 19:08 Uhr | sid

Das entscheidende Duell der letzten Saison: Massa (li.) gegen Hamilton. (Foto. imago)Das entscheidende Duell der letzten Saison: Massa (li.) gegen Hamilton. (Foto. imago) Die Formel-1-Teams haben mit Erfolg gegen die Regeländerung des Automobil-Weltverband FIA rebelliert und das umstrittene neue Punktesystem wohl vorerst gekippt. "Wenn aus irgendeinem Grund die Formel-1-Teams nicht mit dem neuen System übereinstimmen, wird dessen Einführung auf 2010 verschoben", hieß es in einer FIA-Pressemitteilung.

Mit ihrer Reaktion verhinderte die FIA eine Eskalation des Streits. Nachdem ihre Vorschläge im Vorfeld ebenso ungehört verhallt waren wie die Proteste im Nachhinein, hatte die Teamvereinigung FOTA schwere Geschütze aufgefahren und sich mit geballter Kraft gegen die FIA gestemmt. Ihr einstimmiger Beschluss, Protest gegen die verkündete Änderung einzulegen, zeigte Wirkung. Die FIA reagierte nur wenige Stunden später.

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Kurzfristige Beschlüsse nur mit Zustimmung der Teams

Der Weltverband hatte zwölf Tage vor dem Saisonstart am 29. März in Melbourne verfügt, dass künftig der Fahrer mit den meisten Siegen statt der mit den meisten Punkten Weltmeister werden soll. Dies war nach Ansicht sämtlicher Teams nicht rechtens. "Die FOTA hat einstimmig beschlossen, die Rechtmäßigkeit dieser Entscheidung in Frage zu stellen", hieß es in einer Mitteilung: "Es ist zu spät für die FIA, um für die Saison 2009 Änderungen einzuführen, die nicht die uneingeschränkte Zustimmung aller Teilnehmer haben." Die Teamvereinigung bezog sich auf Anhang 5 der Sporting Regulations und Artikel 199 des Sporting Codes. Dort ist festgehalten, dass für kurzfristige Änderungen vor dem Saisonstart die Zustimmung aller eingeschriebenen Teams nötig ist. Die Regeln für den sportlichen Ablauf der WM müssen demnach 20 Tage vor dem Beginn der Einschreibefrist für die Folgesaison, spätestens jedoch am 30. November vor Beginn der neuen Saison fixiert sein.

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Neues Punktesystem angestrebt

Ziel der FOTA war es, in der am übernächsten Wochenende beginnenden Saison mit dem Wertungssystem von 2008 zu fahren und für nächstes Jahr gemeinsam ein neues System zu erarbeiten. "Die Teams möchten ihre Bereitschaft deutlich zum Ausdruck bringen, gemeinsam mit der FIA ein neues Punktesystem zu entwerfen, welches die Attraktivität der Formel 1 ab 2010 erhöhen soll", hieß es in dem Schreiben. Die FIA griff dieses Angebot sofort auf.

FIA ignoriert Vorschläge der FOTA

Vor der Sitzung des World Councils der FIA in Paris, die nun weit weniger brisant werden wird, hatten die Teams eine Änderung des Punktesystems vorgeschlagen, durch das auch erste und zweite Plätze künftig aufgewertet werden sollten. Dies hatte der Weltverband jedoch ignoriert. "Die FOTA hat Vorschläge unterbreitet, die eine umfassende Befragung des Publikums zur Grundlage hatten. Die Teams sind der Ansicht, dass diese Hinweise ernst genommen werden sollten", schrieben sie.

Fahrer kritisieren Regeländerung

Auch die Fahrer hatten sich ausnahmslos negativ über die geplanten Änderungen geäußert. "Ich denke, dass es schade für die Formel 1 ist", sagte Weltmeister Lewis Hamilton: "Es ist schwer, sich vorzustellen, dass die jüngsten Entscheidungen Verbesserungen bringen." Der zweimalige Champion Fernando Alonso meinte: "Ich kann die Notwendigkeit nicht verstehen, immer wieder die Regeln dieses Sports zu ändern. Solche Entscheidungen verwirren nur die Fans." BMW-Pilot Nick Heidfeld sagte: "Das ist Geschmackssache, aber mein Geschmack ist das nicht."

Schumacher: "Kann keinen Sinn darin erkennen"

Sehr deutlich hatten auch die Teamchefs ihre Meinung geäußert. Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo forderte ein stabiles Regel-Gerüst, "ohne ständigen Aufruhr, der Autohersteller, Teams, Öffentlichkeit und Sponsoren verwirren kann". Renault-Teamchef Briatore erklärte, es sei "unmöglich, in einer Woche die Welt zu verändern". Und auch Rekordweltmeister Michael Schumacher, heute Berater bei Ferrari, zeigte sich skeptisch: "Ich kann keinen Sinn darin erkennen, eventuell einen Weltmeister zu haben, der weniger Punkte als der Zweitplatzierte hatte, auch wenn ich es richtig finde, einen Sieg höher zu bewerten."

Ecclestone verteidigt die Reformation

Lediglich Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hatte die geplante Änderung des Wertungssystems positiv aufgenommen. "Jemand, der Zweiter ist, muss nun versuchen zu gewinnen, anstatt darüber nachzudenken, dass er nur zwei Punkte mehr bekommt, wenn er siegt", sagte der Brite: "Die Jungs sollen wieder racen."

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