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FC Bayern München  

Hoeneß ist für Investoren in der Bundesliga

03.04.2009, 15:02 Uhr | t-online.de

Das Interview führten Jörg Runde und Thomas Tamberg

Uli Hoeneß ist sich sicher, dass der FC Bayern am Ende den Meistertitel holt. (Foto: imago)Uli Hoeneß ist sich sicher, dass der FC Bayern am Ende den Meistertitel holt. (Foto: imago) Der FC Bayern München steht in der Bundesliga und der Champions League vor den Wochen der Wahrheit. Aber auch dem deutschen Fußball allgemein stehen spannende Wochen bevor. Wie wird sich die Finanzkrise auf die Bundesliga auswirken? Im Exklusiv-Interview mit t.-online.de spricht Bayern-Manager Uli Hoeneß über mögliche Folgen der Krise, die Chance für Bundesliga im internationalen Vergleich, neue Investoren und über Stars wie Franck Ribéry und Luca Toni.

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Vieles ist noch möglich für die Bayern in dieser Saison. Und dennoch sind immer mal wieder kritische Töne zu Jürgen Klinsmann zu vernehmen. Können Sie nachvollziehen, warum der aktuelle Bayern-Trainer die Nation spaltet?
Es ist ein riesen Unterschied, ob ich für die deutsche Nationalmannschaft arbeite oder für den FC Bayern München. Die Nationalmannschaft polarisiert bei einem solchen Event wie der WM in Deutschland  überhaupt nicht. Man hat die volle Unterstützung aller Bürger. Sie haben gesehen, welche Welle der Begeisterung während der WM durchs Land ging. Da stehen auch die größten Gegner aus dem normalen Bundesliga-Alltag hinter dir. Auch ein Oliver Kahn oder ein Bastian Schweinsteiger, die normal auswärts bei vielen Spielen ausgepfiffen oder attackiert werden, erhalten totale Unterstützung. Aber wenn ein Trainer wie Jürgen Klinsmann, der irre Leistungen für Deutschland gebracht hat, zu Bayern München kommt, dann haben sie schon einmal  rund 50 Prozent der Menschen von Natur aus gegen sich.

Apropos Kahn...

Viele Bayern-Fans haben vielleicht noch am Anfang dem Jürgen die Kahn-Geschichte nachgetragen. Dass ihr Liebling nicht mehr in der Nationalmannschaft gespielt hat. Dann wurden in den Medien im Vorfeld so viele falsche Dinge über Jürgen Klinsmann geschrieben. Es gebe kein öffentliches Training mehr, die Mannschaft würde sich total abschotten, es gebe keine Freundschaftsspiele mehr usw. Dem Jürgen wurde kein fairer medialer Empfang bereitet. Das hat sich inzwischen etwas beruhigt. Und wenn wir Erfolg haben, wird es sich weiter beruhigen. 

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Was zeichnet den Trainer Jürgen Klinsmann aus?
Er ist enorm ehrgeizig, enorm fleißig. Er bringt mit seinem Trainerstab frischen Wind ins Training. Es wird teilweise anders trainiert. Aber auch der Umbau an der Säbener Straße, das Leistungszentrum, in dem sich die Spieler den ganzen Tag aufhalten können, was früher gar nicht möglich gewesen wäre, ist eine tolle Sache. Das hat der Mannschaft und dem gesamten Verein gut getan. Es hat sich Vieles verändert, aber es muss auch in Titel umgewandelt werden. Bei allen positiven Veränderungen, das Maß aller Dinge bleibt der Erfolg. Aber ich bin ziemlich sicher, dass sich der Erfolg noch in diesem Jahr einstellen wird.

Franck Ribéry wird immer mal wieder mit einem Wechsel zu einem europäischen Spitzenklub in Verbindung gebracht. Wie wollen Sie ihren Superstar halten?
Zunächst einmal ist es so, dass sich Franck in München sehr wohlfühlt. Wir müssen dafür sorgen, dass es so bleibt. Franck ist ein absoluter Fußballnarr, der dort spielen möchte, wo er Erfolg hat. Wenn Bayern München ihm das Gefühl gibt, dass wir mit den Großen dieser Welt mithalten können, wird dies ein ganz wichtiges Argument in allen Diskussionen sein. Aber ganz zum Schluss wird natürlich auch das Geld eine große Rolle spielen. Mit seinen großartigen Leistungen in den letzten beiden Jahren hat er natürlich viele Klubs auf sich aufmerksam gemacht und vor allem auch Klubs, die noch Geld haben. Es gibt zwar jetzt einige Vereine, die kein Geld mehr haben, aber  anderen großen Klubs scheint es nicht auszugehen.

Welche Bedeutung haben Stars wie Ribéry und Toni für den FC Bayern und für die Bundesliga?

Dass wir in der Bundesliga so tolle Zuschauerzahlen haben, speziell in München sind wir immer ausverkauft, liegt natürlich an den schönen Stadien und der tollen Infrastruktur, aber auch, wie es der FC Bayern bewiesen hat, an Spielern wie Ribéry und Luca Toni. Auch Wolfsburg hat zwei italienische Weltmeister in seinen Reihen. Es hat sich Vieles verändert. Und es hat sich in der Zwischenzeit über Bixente Lizarazu oder Willy Sagnol rumgesprochen, dass es in Deutschland toll ist zu arbeiten. Wenn wir weiter erfolgreich sein sollten, dann wird es einen Sog nach Deutschland geben. Alle Spieler sagen, dass es riesigen Spaß macht, in den tollen Stadien mit den unglaublichen Zuschauerzahlen zu spielen. Deutschland ist hier mit großem Abstand die Nummer eins in Europa. Das wird seine Konsequenzen in positiver Art und Weise haben.

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Wird die Bundesliga für Spieler gerade auch in der Finanzkrise in Zukunft immer interessanter?
 Wir müssen abwarten, ob die Krise in Spanien oder England auch in die Spitzenklubs hineindringt. Im Moment hat die Krise eher das zweite oder dritte Drittel der Erstligaklubs erreicht. Ob sie auch die Spitzenklubs erreicht, wird sich zeigen. Wenn das so sein wird, dann wird die Bundesliga, die wirtschaftlich am besten dasteht, davon profitieren.

Was sagt ihr Bauchgefühl wie diese Entwicklung weitergeht?
In dem Fall ist es schwierig etwas zu sagen. Nehmen wir einen Mann wie Abramowitsch. Ich weiß nicht, wie viele Milliarden er noch hat und wie viele er davon noch in den Fußball stecken möchte. Dass, was zurzeit in Spanien mit kleineren Vereinen wie Atletico Madrid, Espanyol Barcelona, Valencia oder Santander passiert, hat mir mein Bauch schon lange gesagt. Das sind normale Zyklen. Aber die wirtschaftlichen Verhältnisse von Privatleuten kann ich natürlich nicht beurteilen.

Befürchten Sie Auswirkungen der Finanzkrise auf die Bundesliga?
Das kommt darauf an. Es wird möglicherweise eine Rolle spielen, wenn die Arbeitslosenzahl über vier Millionen steigt. Dann werden sich die Leute am Wochenende überlegen, ob sie sich diesen Luxus in Anführungsstrichen leisten wollen und am Wochenende ins Stadion kommen oder lieber zu Hause blieben und die Bundesliga am TV anschauen. In den nächsten sechs bis zwölf Monaten wird sich herausstellen, ob die Wirtschaft die Sponsoringausgaben teilweise kürzt oder ganz einstellt. Ich kann es noch nicht hundertprozentig beurteilen.

Wie steht der FC Bayern in der Finanzkrise da?
Beim FC Bayern hat es sich noch nicht so sehr ausgewirkt. Natürlich sind die Merchandising-Umsätze um etwa zehn Prozent zurückgegangen, aber das sind noch Prozentzahlen, die akzeptabel sind. Bei allen anderen Sachen kann man noch nichts feststellen. Die Spiele sind bis zum Saisonende alle ausverkauft. Am 31. März lief die Kündigungsfrist für Business-Karten aus, auch hier ist nichts in einem ungewöhnlichen Maße passiert. Den paar Kündigungen stehen viele Nachfragen entgegen. Insofern ist es in diesem Bereich noch nicht durchgeschlagen. Aber wenn ich Manager eines kleineren Vereins wäre, der vor allem von regionalen Sponsoren unterstützt wird, dann würde ich mir Sorgen machen.

Aktuell Die Bundesliga-Tabelle
Aktuell Die Torjägerliste der Bundesliga

Umso mehr wird in diesen Tagen wieder die 50+1-Regel kritisch hinterfragt. Sollte der Weg für Investoren endlich frei gemacht werden?
Ich habe nichts dagegen. Bei uns ist es allerdings nahezu ausgeschlossen, da wir dazu eine Satzungsänderung bräuchten. Bei uns müssten 75 Prozent der Mitglieder dafür sein, dass wir einen Unternehmer hinzunehmen, der mehr als 50 Prozent der Anteile am Verein hält. Da sehe ich im Moment beim FC Bayern große Schwierigkeiten. Das finde ich auch Okay so. Ich bin kein großer Freund davon, die Mehrheit des Klubs an Privatleute zu verkaufen.

Hätten Sie Verständnis, wenn andere Klubs diesen Weg der 50+1-Regel gehen würden?
Absolut. Wenn wir erlauben, dass Bayer Leverkusen oder der VfL Wolfsburg zu einem Konzern gehören oder wir erlauben, dass ein Herr Hopp riesigen Einfluss in Hoffenheim hat, dann müssen wir auch dem einen oder anderen kleineren Verein, der glaubt in dieser Sache eine Chance zu haben, dieses Recht einräumen.

Unterläuft Dietmar Hopp in Hoffenheim nicht auf gewisse Weise die 50+1-Regel?
Nein, dass glaube ich nicht. Aber sie haben sicherlich Wege gefunden, diese Regel auszuhebeln, ohne dagegen  zu verstoßen.

Gerade im internationalen Vergleich ist die finanzielle Ausgangslage der Vereine wichtig, um möglichst erfolgreich zu sein. Wie sehen Sie die Bundesliga aktuell im internationalen Vergleich?
Immerhin stehen drei Mannschaften aus der Bundesliga im Viertelfinale. Zwei im UEFA-Cup, eine in der Champions League. Das hat es auch lange nicht mehr gegeben und ist schon ein Qualitätsnachweis. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass die Bundesliga international viel besser ist, als ihr Ruf. Aber es wird sich jetzt zeigen, ob die Wirtschaftskrise so tiefe Spuren bei Vereinen hinterlässt, die international dominiert haben. Wenn es der Bundesliga gelingt, das zu durchbrechen, dann wird es dem deutschen Fußball international auch wieder besser gehen. Aber solange speziell bei den Fernseheinnahmen ein Unterscheid von bis zu hundert Millionen Euro im Jahr gegeben ist, haben wir nachhaltig kaum eine Chance in der Leistungsdichte ein Wörtchen mitzureden.

Apropos TV-Einnahmen. Kürzlich machten Sie den Vorschlag, eine Art GEZ-Gebühr für die Bundesliga einzuführen und wurden prompt für diese Idee scharf kritisiert.
Alle Visionen oder Revolutionen haben erst einmal viele Widersacher. Wenn die Bild-Zeitung das total verdammt ohne es richtig gelesen zu haben, können Sie sich vorstellen, dass es viele Ablehner gibt. Das bayerische Fernsehen hat mir die Möglichkeit geben, meinen Vorschlag noch einmal genau zu erklären. Je länger die Diskussion andauert, desto mehr positive Zuschriften bekomme ich. Aber ich habe immer betont, dass dieser Vorschlag nur eine Alternative zu Premiere darstellen soll. Premiere hat die Rechte für die nächsten drei Jahre und dann muss man sehen, was daraus wird. Aber ich bin der Meinung, dass es das Schlimmste ist, was dem Fußball passieren kann, wenn man in dieser Sache ohne Alternative dasteht. Ich bin ziemlich sicher, dass wir eines Tages über diesen Vorschlag noch einmal diskutieren werden. Aber dann mit anderen Vorzeichen.

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