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FC Bayern München: Uli Hoeneß von Sieg über Barcelona überzeugt

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FC Bayern München  

Hoeneß: "Barca hat Respekt vor unserer Mannschaft"

04.04.2009, 13:10 Uhr | t-online.de

Das Interview führten Jörg Runde und Thomas Tamberg

Uli Hoeneß hat kein Verständnis für die aktuellen Bonus-Zahlungen an Banker. (Foto: imago)Uli Hoeneß hat kein Verständnis für die aktuellen Bonus-Zahlungen an Banker. (Foto: imago) Am Mittwoch wartet auf den FC Bayern das wohl wichtigste Spiel der Saison. Ausgerechnet nach der peinlichen 1:5-Pleite beim VfL Wolfsburg müssen die Münchner in der Champions League beim FC Barcelona antreten. Manager Uli Hoeneß erklärt im Interview mit t-online.de, warum der deutsche Meister gegen die beste Mannschaft der Welt gewinnt und ins Halbfinale einzieht. Außerdem wehrt sich Hoeneß gegen Pläne der FIFA und kritisiert die Ansetzungen der WM-Qualifikationsspiele.

Herr Hoeneß, der FC Bayern hat noch nie in einem Pflichtspiel gegen Barcelona verloren. Ist so etwas vielleicht sogar ein psychologischer Vorteil?
Es ist schon ein kleiner Vorteil. Die Spanier, die normalerweise sehr selbstbewusst Fußball spielen, haben Respekt vor unserer Mannschaft. Sie haben noch nie ein Pflichtspiel gewonnen. Und sie haben darüber hinaus auch unsere Spiele gegen Lissabon viel ernster  beobachtet, als es in der deutschen Presse der Fall war.

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Franz Beckenbauer sieht in Barcelona die derzeit stärkste Mannschaft der Welt. Wie kann man gegen so ein Team bestehen?
Barcelona ist eine unglaublich spielstarke Mannschaft, die den Ball sehr schnell zirkulieren lässt. Sie spielen wirklich zum großen Teil diesen One-Touch-Football, über den so viel gesprochen wird. Sie sind technisch in der Lage, den Ball in hohem Tempo laufen zu lassen. Wir müssen versuchen in die Zweikämpfe zu kommen, um den Spielfluss zu unterbinden. Wenn  dies nicht gelingt, kann es einem teilweise schwindlig werden. Das Spiel ohne Ball wird sehr wichtig werden, um den Spielfluss von Barca zu zerstören. Das wird die Hauptaufgabe sein.

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Ist es wirklich ein Vorteil, dass das Rückspiel gegen Barcelona in München stattfindet? Auswärts muss der FC Bayern nicht das Spiel machen und kann auf Konter spielen.
Das stimmt schon. Aber dennoch ist es besser, das zweite Spiel in München zu haben. Wenn Barcelona weiß, dass sie eine Woche später noch nach München müssen, dann werden sie sich überlegen, ob sie so hart spielen, wie man es zuweilen kennt, wenn sie zu Hause antreten. Außerdem wäre eine eventuelle Verlängerung und ein Elfmeterschießen in München. Das sind alles so kleine psychologische Vorteile.

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Die Nationalmannschaft wird gerne als Aushängeschild des deutschen Fußballs betrachtet. Welchen Stellenwert hat das DFB-Team wirklich?
In Hinblick auf Welt- und Europameisterschaften ist die Anziehungskraft der Nationalmannschaft immer noch enorm. Was mich ein bisschen stört ist, dass die Nationalmannschaften sehr viel schöne Termine wegnehmen, an denen die Vereine eigentlich Bundesliga oder Champions-League-Spiele durchführen sollten. Es ist aus meiner Sicht nicht einzusehen, dass man Ende März, wo ja normalerweise schönes Wetter ist, einen Spieltag dafür hergibt, gegen Lichtenstein zu spielen. Ich wohne am Tegernsee. Rund um den See wohnen auch 30.000 Leute. Das entspricht in etwa der Einwohnerzahl Liechtensteins. Für so ein Spiel gibt man einen wunderschönen Wochenendspieltag her, um dann irgendwann während der Woche spielen zu müssen. Das kann auf die Dauer nicht sein.

Gibt es zu wenig attraktive Spiele?
Ich habe mir mal die Mühe gemacht und überlegt, welche Spiele vom letzten WM-Qualifikationsspieltag ich mir gerne anschauen würde: Von den über 30 Spielen habe ich keine fünf gefunden, die mich interessiert hätten. Ich bin ganz sicher, dass wir irgendwann dahin kommen werden, dass es Vorqualifikationen gibt, damit nur die Besten aus Europa in den Qualifikationsgruppen aufeinandertreffen. Das Schlimmste für den Fußball ist, wenn die Spieler überbelastet werden. Wenn sie keinen Urlaub mehr haben, wenn sie permanent durchspielen müssen. Ich rate den Verantwortlichen der FIFA und UEFA dringend, dass nicht weiter auszudehnen, obwohl ja die nächste EM mit 24 Teams über die Bühne geht. Das sind ja fast 50 Prozent aller europäischer Länder. Das ist nicht wirklich eine Qualitätsverbesserung.

Fifa-Boss Sepp Blatter fordert zur Stärkung der Nationalteams eine Ausländer-Beschränkung in den europäischen Ligen. Sechs Spieler einer Bundesliga-Elf müssten demnach für das DFB-Team spielberechtigt sein. Was halten Sie von dieser Idee?
Wir beim FC Bayern hätten damit überhaupt keine Probleme, weil wir diese Regelung im Prinzip erfüllen. Trotzdem glaube ich, dass Herr Blatter damit niemals durchkommen wird, weil die EU das mit Sicherheit nicht durchgehen lässt. Ich finde das auch in Ordnung so, weil ich denke, dass sich der Fußball arbeitsrechtlich nicht von den Regeln des Arbeitsmarktes abgrenzen sollte.

Streben Sie als zukünftiger Bayern-Präsident so wie ihr Vorgänger Franz Beckenbauer auch ein Amt in der UEFA oder der FIFA an?
Nein. Bei uns ist es so, dass Karl-Heinz Rummenigge der Vertreter des FC Bayern in den internationalen Gremien wie UEFA, FIFA oder ECA ist und das soll auch so bleiben. Aber wenn ich bald mehr Zeit habe, könnte ich mir vorstellen, mich bei der DFL mehr zu engagieren, um den FC Bayern und die gesamte Liga stärker zu vertreten. Doch das sind Dinge, die ich auf mich zukommen lasse. Doch ein Multifunktionsfunktionär werde ich mit Sicherheit nicht.

Sie sind seit fast 40 Jahren Mitglied der großen Bayern-Familie. Und jetzt suchen Sie ihren Nachfolger als Bayern-Manager. Kann der überhaupt von außerhalb kommen?
Sie haben ja festgestellt, dass es nicht klug ist, solche Dinge in die Öffentlichkeit zu transportieren. Es gibt ja prominente Beispiele. Wir sind gut beraten, diese Diskussionen, die wir intern zwischen Präsidialausschuss des Aufsichtsrates und dem Vorstand führen, in aller Ruhe weiterzuführen. Sobald wir unsere Beratungen abgeschlossen haben, werden wir an die Öffentlichkeit gehen. Und bis es soweit ist, möchte ich dazu nichts mehr sagen. Wenn ich sage, es wird einer aus dem Verein, wird gleich wieder spekuliert. Wenn ich sage, es kann auch einer von außerhalb sein, wird wieder spekuliert. Das alles bringt uns nichts. Wir haben klare Vorstellungen und Sie dürfen versichert ein, dass dieses Thema bei uns ganz ernst diskutiert wird. Wir sind sicher, dass spätestens bis zum 1. Januar die richtigen Leute gefunden wurden.

Wie viel Uli Hoeneß muss denn im neuen Bayern-Manager stecken?
Jeder muss seinen Job anders machen. Ich glaube, es wäre völlig verkehrt, jemanden zu suchen, der es genau so macht wie ich. Es gibt viele Wege zum Ziel. Wir suchen ja zwei Leute. Die beiden, die dann letztlich ihre Jobs beim FC Bayern machen, werden die volle Unterstützung des Vorstands und des Aufsichtsrats und somit auch von meiner Person haben. Wenn man so viele gute Ratgeber hat, denn ein Aufsichtsrat ist ja auch ein Ratgeber, dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen.

Der FC Bayern hat in der Vergangenheit in Not geratenen Klubs durch Freundschaftsspiele unter die Arme gegriffen. Gehört eine solche Einstellung und Hilfsbereitschaft zu ihrem persönlichen Bild von Solidarität?
Ja. Der FC Bayern ist erfolgreich, der FC Bayern ist gesund. Der FC Bayern hat eine gewisse soziale Verpflichtung auch gegenüber kleineren Vereinen. Er muss das soziale Gewissen des Fußballs sein. Wir werden solche Freundschaftsspiele immer wieder ein-, zweimal im Jahr machen. Aus meiner Sicht ist es von der Stellung her und für das Image des FC Bayern wichtig. Aber es ist auch unser tiefes Empfinden, für die Kleineren in diesem Geschäft da zu sein.

Stichwort Solidarität und Verantwortung. Können Sie Top-Manager verstehen, die trotz Milliarden-Verlusten ihrer Unternehmen Millionen-Gehälter und Bonus-Zahlungen kassieren?
Zunächst einmal ist das ganze System falsch. Hier hat sich eine Problematik in den letzten zehn Jahren eingeschlichen, die das ganze System in die falsche Richtung lenkt. Kurzfristige Erfolge wurden mit unheimlich hohen Bonuszahlungen verbunden, völlig unabhängig, ob die Zukunft der Firma damit gesichert wurde oder nicht. Im Falle der Banken war nur wichtig, ob die Bank Geld verdient hat. Aber ob der Kunde Geld verdient hat, interessierte niemanden. Das ist ein Fehler im System. Ich sage immer: ein guter  Banker kann nur gut schlafen, wenn er für seine Kunden gute Arbeit geleistet hat und nicht unbedingt nur für die eigene Bank. Deswegen kann es nicht sein, dass viele Kunden von Banken durch Fehlentscheidungen von Bankern riesige Verluste gemacht haben. Aber gleichzeitig diese Banker dafür auch noch einen Bonus bekommen. Das kann ich überhaupt nicht verstehen. Grundsätzlich bin ich der Meinung, wenn eine Firma Verlust macht, kann es nicht sein, dass auch nur irgendeiner einen Bonus verdient. Wenn ich in der Verantwortung stehe, heißt es für mich: mitgefangen, mitgehangen. Wenn ich super für die Firma arbeite und zwar auch nachhaltig, dann können die Leute auch extrem daran verdienen. Aber wenn sie Mist bauen, dann müssen sie auch die Verantwortung tragen.

Steckt in dieser Krise auch eine Chance für die Zukunft?
Jede Krise birgt auch eine Chance. Die Chance dieser Krise ist die, dass die Leute wieder ein bisschen nachdenken. Dass es nicht erstrebenswert ist, 25 Prozent Gewinn zu machen und der Weg dieser Gewinnsteigerung ist mit Leichen gepflastert. Ich habe nichts gegen Gewinne und auch nichts gegen große Gewinne, aber sie müssen auf saubere Art und Weise erzielt werden. Mir ist eine Firma, die sechs oder acht Prozent Gewinn macht und bei der ihre Mitarbeiter am Gewinn beteiligt sind, zehnmal lieber, als eine Firma die 25 Prozent Gewinn macht, der aber nur dadurch erreicht wurde, weil alle Mitarbeiter an die Grenzen der Belastbarkeit gegangen sind, ausgequetscht wurden und am Ende noch nicht einmal am Gewinn beteiligt wurden. Es muss gesamtwirtschaftlich in Ordnung sein und sozialpolitisch verträglich.

Jürgen Klinsmann macht immer mal wieder Andeutungen, Sie könnten als Manager noch ein Jahr dranhängen. Angesichts der unruhigen Gesamtlage im Geschäft Fußball: Gibt es bei Ihnen Gedankenspiele doch noch weiter zu machen?
Das ist im Moment nicht vorgesehen. Mein Sitzen auf der Bank wird am 31.12. beendet sein. Jürgen Klinsmann hat es zwar kürzlich in einem Interview angedeutet, ich würde mich auch als Präsident auf der Bank gut machen, aber das kann ich mir nicht vorstellen. Die Situation, die eintreten müsste, damit ich als Manager weitermache, sehe ich zurzeit nicht.


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