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Dietmar Hopp im Interview: "Klinsmann ist für 1899 nicht bezahlbar"

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1899 Hoffenheim  

Hopp: "Ich bin zufrieden mit der Saison"

15.05.2009, 14:01 Uhr | t-online.de

Das Interview führte Jörg Runde

Dietmar Hopp zieht zufrieden Bilanz. (Foto: imago)Dietmar Hopp zieht zufrieden Bilanz. (Foto: imago) Herbstmeister 1899 ist rechtzeitig zum Duell mit Meisterschaftskandidat Bayern München wieder in guter Verfassung. Zwei Siege in Folge haben auch die Laune von Mäzen Dietmar Hopp deutlich verbessert. Im Interview mit t-online.de zieht der 69-Jährige eine Saisonbilanz, äußert sich zu Zielen für die Zukunft und bezieht klar Stellung zu Jürgen Klinsmann.

Herr Hopp, eine spannende Saison mit viel Trubel und der Herbstmeisterschaft geht dem Ende entgegen. Sind Sie vielleicht auch ein bisschen froh, dass die Rückrunde für 1899 nicht so gut verlaufen ist. In der Winterpause wuchsen die Bäume ja schon in den Himmel?
Die sind wirklich in den Himmel gewachsen. Durch das Verletzungspech, insbesondere das von Torjäger Vedad Ibisevic, sind die Blütenträume natürlich zerronnen. Aber es ist gut so. Wenn wir tatsächlich die Champions League erreicht hätten, wäre das vielleicht zu viel des Guten gewesen. Ich bin zufrieden. Wir haben uns in der Liga etabliert und teilweise für große Begeisterung gesorgt.

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Die Doping-Geschichte, die Ergebniskrise und auch die Diskussionen zwischen Ihnen und Ralf Rangnick haben in Hoffenheim die Idylle gestört. Was waren die Gründe für den Einbruch?
In der Vorrunde war es schon so, dass wir, ich glaube 13 Mal mit der gleichen Aufstellung gespielt haben. Außerdem hatten wir kaum Verletzte und waren in der Fairnesstabelle besser platziert. In der Rückrunde mussten wir durchschnittlich fünf, sechs Spieler ersetzen aus der ersten Elf. Dadurch ist automatisch der Druck größer geworden und mehr foul gespielt worden. Das Ganze hat sich dann überkompensiert.  

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Viele Fußball-Fans in Deutschland dachten bisher, wenn 1899 will, bekommt der Verein jeden Spieler, weil Dietmar Hopp da ist. Die Diskussion um Supertalent Holtby hat gezeigt, dass dem nicht so ist. Wie weit geht Ihre Unterstützung?
Es ist ja nicht so, dass ich beliebig viel Geld in den Verein stecken will und kann, sondern dass wir mit dem, was wir haben – den Rahmen muss ich vorgeben – auskommen müssen. Offensichtlich hat Jan Schindelmeiser bei den Verhandlungen gesehen, dass das aus dem Ruder läuft mit Holtby.

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Beim FC Bayern wurde ja bereits gesagt, dass man 1899 wegen der Möglichkeiten als Konkurrent um die Spitzenposition im deutschen Fußball ernst nimmt. Hat Hoffenheim wirklich das Potenzial dazu?
Nein, das glaube ich nicht. Da muss man sich nur die Eckwerte anschauen: Der FC Bayern hat ein Stadion für 69.000 Zuschauer, wir für 30.000 Fans. Die Münchner haben fast 150.000 Mitglieder, wir sind jetzt bei rund 4000. Die Bayern haben ganz andere Möglichkeiten, auch finanziell. Wir sind eine ganze andere Nummer als der FC Bayern und können uns mit dem Rekordmeister nicht messen.

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Aber ein Sieg im letzten Saisonheimspiel würde Ihnen schon gefallen?
Das wäre natürlich toll, auch als Dankeschön für die Fans. Aber das wird nicht so einfach sein. Für den FC Bayern geht es jetzt um die deutsche Meisterschaft. Sie sind in toller Form und natürlich Favorit.

Sie sehen sich also weiterhin als eine Art Ausbildungsverein mit Ambitionen?
Wir wollen natürlich weiterhin keine Stars kaufen, sondern sie formen. Wir wollen diese dann aber auch für den eigenen Erfolg behalten. Wir werden alles daran setzen, die Mannschaft, die wir jetzt haben, zusammenzuhalten, durch junge Spieler zu verstärken und dadurch konkurrenzfähig zu halten.

Spieler wie Carlos Eduardo und Chinedu Obasi sind langfristig aber wohl kaum zu halten.
Das ist klar, das sehen wir auch so. Erst einmal haben sie aber so lange Verträge, dass wir sie halten können.

Für die neue Saison sollen auch erfahrene Spieler geholt werden. Wurde das im Rückblick als Schwäche der Mannschaft analysiert?
In der Winterpause sind mit Zsolt Löw, Jochen Seitz und Franzisko Copado drei erfahrene Spieler gegangen. Das waren drei Spieler, die sehr wichtig waren, weil sie so lange dabei sind. Jetzt geht auch noch Selim Teber. Und nur 18- oder 19-Jährige an dieser Stelle zu etablieren, sieht der Trainer als zu risikoreich an.

Welche Erwartungen haben Sie an die Mannschaft und das Trainerteam für die nächsten zwei Jahre?
Wir haben ja auch in der Rückrunde attraktiven Fußball gespielt. Da waren tolle Unentschieden dabei. Wenn ich das Bremen-Spiel nehme, das war ein richtig tolles 0:0. Auch die Partie in Dortmund war hochdramatisch, in Stuttgart beim 3:3 haben wir in der Nachspielzeit Pech mit einem verschossenen Elfmeter. Wenn ich mir das anschaue und die Vorrunde dazu nehme, dann war das sehr attraktiver Fußball. Und wenn wir in der neuen Saison ähnlich gut spielen bin ich sehr zufrieden.

Nach Europa sollte es schon gehen. Sie haben schließlich ein schmuckes Stadion dafür.
Ich kann jetzt nicht sagen, Europa ist ein Ziel. Aber ich würde mich natürlich freuen, wenn wir uns irgendwann einmal qualifizieren würden für einen europäischen Wettbewerb.

Zuletzt gab es erstmals kritische Töne in der Presse über Trainer Ralf Rangnick. Welche Bedeutung hat der Coach für 1899 und wie ist Ihr Verhältnis?
Ich war einfach etwas irritiert über seine Worte nach der Pressekonferenz in Wolfsburg. Wir haben uns darüber ausgesprochen und haben festgestellt, dass vieles wohl ein Missverständnis gewesen ist. Wir haben nach wie vor ein gutes und ungetrübtes Verhältnis und ich hoffe, dass Ralf Rangnick über die ersten fünf Jahre hinaus unser Trainer sein wird.

Weil er die Philosophie des attraktiven Offensivfußballs vertritt?
Weil er diese Philosophie vertritt, weil er es versteht junge Spieler zu begeistern. Und weil viele Spieler zu uns gekommen sind, weil Ralf Rangnick unser Trainer ist.

Sogar der Name Jürgen Klinsmann wurde bereits in den Medien gespielt. Sie pflegen mit dem ehemaligen Bayern-Trainer einen freundschaftlichen Umgang. Wir der ehemalige Bayern-Trainer bald auch in Hoffenheim arbeiten?
Jürgen Klinsmann war, wenn man glauben darf, was in den Medien geschrieben wurde, der Top-Verdiener beim FC Bayern. Ihn kann sich Hoffenheim überhaupt nicht leisten. Ich habe bedauert, dass er in München nicht mehr Zeit bekommen hat, um seine Vorstellungen umzusetzen. Für Hoffenheim wäre er nicht finanzierbar und wie man weiß sind bei uns die Schlüsselpositionen hervorragend besetzt.

Glauben Sie die Fan-Begeisterung in der Metropolregion hält auch dann an, wenn man mit der Mannschaft nur um die Plätze acht bis 12 spielt?
Das wird dann schon nachlassen. Nur wenn wir attraktiv und erfolgreich weiterspielen, kann die Begeisterung auf dem hohen Niveau gehalten werden.

Sind Sie heute eigentlich froh, dass der Stadionbau in Heidelberg verhindert wurde und die Wahl auf Sinsheim fiel?
Es ist schwierig zu sagen, wie das in Heidelberg geworden wäre. Ich bin froh, dass es sich in Sinsheim viel besser entwickelt hat, als ich das je erträumt hätte. Ich habe natürlich auch Berater, die gesagt haben, das schaffen wir nicht in der Peripherie der Metropolregion ein Stadion zu füllen. Deshalb haben einige gesagt, Sinsheim sei kein geeigneter Standort. Das Gegenteil ist eingetreten. Vielleicht ist es auch eingetreten, weil wir in Mannheim zum Glück die Vorrunde spielen mussten und dort viele Freunde gewonnen haben, die jetzt auch zu unseren Spielen nach Sinsheim kommen.

Ralf Rangnick sagt, Sie seien der größte Fan ihrer Mannschaft. Wie muss man sich das vorstellen. Fahren Sie bei vergebenen Chancen oder Fehlentscheidungen auch mal aus der Haut?
Ich bin mit vollem Herzen dabei. Wenn man scheinbar ungerecht behandelt wird, geht mir das schon nahe.

Anders als andere Mäzene scheint es Ihnen bei Ihrem Engagement nicht um Macht und Einfluss zu gehen. Sind Sie kein Machtmensch?
Ich genieße den Sport, ich genieße auch den Erfolg. Und ich habe nicht so viel Ahnung wie Rangnick, Schindelmeiser, Rotthaus, Peters und andere, die das Unternehmen 1899 Hoffenheim voranbringen. Deshalb wäre es grotesk, wenn ich dort versuchen würde mich einzumischen.

Sie sind in der Region sehr beliebt und genießen bundesweit allergrößten Respekt…
… aber nicht bei den Kölner Fans.

Sind  Ihnen die letzten Anfeindungen besonders nah gegangen?
Ach, ich kenne das nun ja schon seit der zweiten Liga. Das ist mir damals schon näher gegangen als heute. Aber es ist immer wieder unangenehm.

Rechnen Sie damit, dass das auf Jahre so bleibt?
Ich habe ja zwischenzeitlich gedacht, es sei abgeebbt. Aber jetzt ist es wieder massiv aufgeflammt. Ich denke, wenn wir verlieren, wird es weniger schlimm sein, wenn wir gewinnen, dann wird’s wieder losgehen.

Die Chaoten sind aber generell in der Minderheit. Bei der Mehrheit genießen Sie größte Anerkennung. Haben Sie nie an eine Karriere in der Politik gedacht?
Nein, wirklich nicht. Das wollte ich mir nicht antun. Ich habe mit meinen 69 Jahren noch immer das Gefühl, zu wenig Freizeit zu haben. Die Politiker sind ja nur auf Achse. Und was die Politiker sich anhören müssen, ist ja noch viel schlimmer, als das, was ich mir anhören muss.

Menschen mit Ihrem wirtschaftlichen Sachverstand und ihrer Besonnenheit würden Deutschland in der aktuellen Lage allerdings gut tun.
Es gibt immer wieder Anfragen für Vorträge. Da könnte ich jeden Tag irgendwo auftreten. Aber das ist nicht mein Bestreben. Ein bisschen Freizeit ist notwendig, auch für mich.

Wie schätzen Sie die Weltwirtschaftkrise ein?
Dramatisch. Ohne, dass man den Menschen mehr Geld gibt, um den Konsum anzuheizen, wird es nicht gehen. Das ist ein Teufelskreislauf. Ich weiß nicht, wo es endet. Ich hoffe, dass der Abschwung noch dieses Jahr abgebremst wird und wenigstens in eine Stagnation übergeht. Allerdings wage ich zu bezweifeln, dass es noch einmal ein Wachstum geben wird, wie wir es in der Vergangenheit erlebt haben. Ich fürchte es wird eine Inflation, eine gewaltige Geldentwertung geben, die hoffentlich nicht zweistellig wird. Nicht morgen, nicht übermorgen aber bestimmt in zwei, drei Jahren. Die größten Sorgen bereitet mir aber die steigende Arbeitslosigkeit mit ihren deprimierenden Begleiterscheinungen.

Befürchten Sie Auswirkungen auf die Fußball-Bundesliga?
Es kommt drauf an, wie lange der Abschwung anhält. Es wird aber definitiv schwieriger werden, zusätzliche Sponsoren zu gewinnen. Fußball-Klubs sind Wirtschaftsunternehmen. Die ausbleibenden Einnahmen können nur durch Ausgabensenkungen ausgeglichen werden. Wer das zu tragen hat ist klar: Die größten Ausgaben sind die Spielergehälter. Das ist aber ein weltweites Problem.

Wie sehen Sie diesbezüglich die Bundesliga aufgestellt?
Ich glaube, dass hier wesentlich seriöser gearbeitet wird, als in Italien, Spanien oder England. Dort haben die Vereine ja teilweise gigantische Schulden. Die Bundesliga sehe ich diesbezüglich gut aufgestellt. Wir müssen halt damit leben, dass wir international nicht mit den Klubs mithalten können, die über die dreifachen Etats verfügen. Seien Sie schuldenfinanziert oder seien sie durch Investoren aufgebracht.

 

Sind Sie für die Abschaffung der 50+1-Regel in der Bundesliga?
Ich habe damit kein Problem. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass es die Regel nicht mehr lange geben wird, weil man in Brüssel darin zu viel an Regulierung sieht.

 

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