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Pferdesport: Reiterverband löst die Nationalkader auf

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Pferdesport  

Verband greift durch: Beerbaum suspendiert, Kader aufgelöst

12.02.2010, 22:39 Uhr | dpa

Vom Reiterverband suspendiert: Beerbaum. (Foto: dpa)Vom Reiterverband suspendiert: Beerbaum. (Foto: dpa) Mit einer historisch einmaligen Aktion hat die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) die Notbremse gezogen und die Nationalmannschafts-Kader mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Der Verband reagierte mit nie gekannter Härte auf den Dopingfall Christian Ahlmann, weitere Manipulationsvorwürfe und das Geständnis von Ludger Beerbaum über den Umgang mit Medikamenten.

Neben der vorläufigen Streichung der Kader für die Spring-, Dressur- und Vielseitigkeitsreiter wurde der viermalige Olympiasieger Beerbaum bis auf weiteres für die Nationenpreise suspendiert.



"Wir mussten was machen, dass die aufwachen"

Zudem hat der Verband eine unabhängige dreiköpfige Kommission unter Leitung des ehemaligen Bundesverfassungsrichters Udo Steiner beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) angerufen, die alle Vorgänge überprüfen soll. "Wir mussten ja was machen, dass die aufwachen", sagte FN- Präsident Breido Graf zu Rantzau. "Ich begrüße diesen Schritt. Das ist ein radikaler Schnitt, mit dem die Reiterliche Vereinigung umfassende Aufklärung mit Hilfe unabhängiger Fachleute durchführen will", erklärte der DOSB- Generaldirektor Michael Vesper.

Klare und verständliche Regeln gefordert

Beerbaum reagierte gelassen. "Ich muss das akzeptieren", sagte der erfolgreichste Springreiter der vergangenen 20 Jahre. "Mir ist daran gelegen, dass dadurch rauskommt, dass wir klare und für alle verständliche Regeln haben." Beerbaum fühlt sich unter anderem durch die nur im Pferdesport übliche Unterscheidung von Doping und im Wettkampf verbotener Medikation verunsichert.

Funktionäre sollen die Situation klären

Die selber durch die Vorgänge bei den Olympischen Spielen belastete FN übergibt die Aufklärung nun an die unabhängige DOSB-Kommission. Diese erhält den Auftrag, Verbandsfunktionäre und Reiter zu befragen. Sie soll zudem die Situation im Spitzenreitsport analysieren und Empfehlungen geben, wie mit der Manipulations- und Dopingproblematik im Pferdesport umzugehen ist. Darüber hinaus soll das Gremium Sanktionen für Funktionäre und Reiter vorschlagen.

Fernsehsender sorgen für Druck

Bisher wirkte das Vorgehen der FN nur halbherzig, nun greift sie umso härter durch. Auslöser scheint die Drohung der öffentlich- rechtlichen Sender zu sein, Pferdesport nicht mehr zu übertragen. ARD und ZDF haben die anstehenden Verhandlungen über die Verlängerung des TV-Vertrages aufgrund der aktuellen Enthüllungen auf Eis gelegt. "Wir warten, wie die FN mit diesen Dingen umgeht", hatte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky gesagt: "Es ist eindeutig, dass wir gerne Aufklärung hätten." FN-Chef zu Rantzau erklärte dazu: "Wir haben auch das umgesetzt, was von außen gefordert worden ist."

"Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit"

Im Juni soll die Arbeit der Kommission bereits beginnen, im Juli werden erste Ergebnisse erwartet. "Hierbei geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit", sagte der FN-Chef. "Insofern erwarten wir, dass die Kommission bis zu einem Abschlussbericht noch deutlich länger benötigen wird. Durch die Maßnahmen hofft der Verbandspräsident dem Reitsport wieder mehr Glaubwürdigkeit zurückzugeben: "Bevor ein Reiter wieder in den Kader aufgenommen werden kann, muss er sich der Sonderkommission stellen und sich zu seiner Einstellung sowie seinem Verhalten als Spitzenreiter äußern." Erst nach einer entsprechenden Auskunft gegenüber der Sonderkommission kann diese den Reiter wieder für eine Kadermitgliedschaft vorschlagen, erklärte die FN.

"Erlaubt ist, was nicht gefunden wird"

Am härtesten trifft es zunächst Beerbaum. Der viermalige Olympiasieger darf bis auf weiteres nicht mehr für eine deutsche Nationenpreismannschaft reiten. "Dies gilt solange, bis die DOSB-Kommission zu seiner Person entschieden hat", betonte der Verband. Beerbaum hat mit seinen Bekenntnissen das Fass zum Überlaufen gebracht. Er hatte gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" gesagt: "Im Laufe der Jahre habe ich mich darin eingerichtet, auszuschöpfen, was geht." Und: "In der Vergangenheit hatte ich die Haltung: Erlaubt ist, was nicht gefunden wird."

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